Gema - Geh' ma'!
Zwischenruf
Ist die Behörde up to date?
In jüngster Vergangenheit ist bei RockTimes Einiges passiert! Wir werden nicht nur nach Jobs gefragt, sondern auch nach weiteren Aktionen. Unsere Verlosungen kommen sehr gut an. Besonders freut uns, dass wir in dieser Hinsicht von unseren Partnern immer wieder mit Verlosungsmaterial wie Tickets, CDs und ähnlichem versorgt werden. Irgendwie scheint es zu stimmen:
Das ganze Leben ist ein Quiz.
Wir hecken ständig neue Ideen aus, wie wir unsere Seite für euch Klicker und Leser dort draußen interessanter, informativer und effizienter machen können. Produkte dieser Ideenschmiede sind die Bilder, Fotos und anklickbaren Links in den News. Auch unsere Tourtermine haben wir aufgepeppt. Ihr könnt nun mit einer komfortablen Findefunktion die Datenbank durchsuchen. Probiert es doch mal aus.
Auch haben wir uns dazu entschlossen, die Programme einiger für uns relevanten Clubs auf die Seite zu nehmen. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja mal in einer dieser Locations bei einem frischen Glas Pils und genießen gemeinsam die Performance einer guten Rockband. Mit einigen von euch konnten wir das ja bereits durchziehen - an dieser Stelle viele Grüße in das Saarland an Joachim!
Aber natürlich geht der Verbesserungsprozess immer weiter. Was liegt bei einem multimedialen Medium näher, als multimedial zu sein? Das fragten wir uns auch. Logischerweise entstand sehr bald nach Start der RockTimes die Vision, euch zusätzlich zu den Reviews noch Hörbeispiele der entsprechenden Platten als Samples anzubieten. Technisch gesehen ist das kein großes Problem. Aber leider gibt es andere Hindernisse, von denen wir noch nicht sagen können, ob sie für uns überwindbar sind.
Diese Hindernisse inkarnieren sich in Gestalt der GEMA. Damit wir uns falsch verstehen: An und für sich ist sie wohl eine gute Einrichtung. Das sagen uns jedenfalls einige befreundete Musiker. Die GEMA wirkt darauf hin, dass die Produkte der Bands und Künstler nicht benutzt und abgespielt werden können, ohne den Interpreten einen Benefit zukommen zu lassen. Manchmal wird die Funktion der GEMA allerdings auch falsch interpretiert. Die Horden um A. Merkel mussten diese Erfahrung erst kürzlich im Rahmen des "Angie" -Skandals machen. Die Regierungsaspiranten hielten die GEMA fälschlicherweise für die Bewahrer des Copyrights.
Jedenfalls wollten wir mit der GEMA bereden, unter welchen Bedingungen wir Samples von bei GEMA-gemeldeten Bands auf unsere Seite bringen können. Und plötzlich wurden alle Albträume bürokratiephobischer Neurotiker wahr. Unsere erste Mail wurde schlichtweg ignoriert. Wir schwören, sie beinhaltete eine konkrete Fragestellung, war in der Amtssprache verfasst und enthielt keinerlei Beleidigungen, Beschimpfungen oder Schmähungen - weder gegen Bands, Künstler noch GEMA-Mitarbeiter. Trotzdem war sie für die GEMA Luft.
Natürlich waren wir als Onliner so clever, selbst die GEMA Homepage abzugrasen, um die entsprechenden Informationen zu ergattern. Zur Bewältigung des Tarifdschungels ist übrigens die Armierung mit einer intellektuellen Machete angemessen. Die Leutchen dort beherrschen das Amtsdeutsch nämlich auch. Die Infos befriedigten uns nicht, weil sie die spezielle Situation der RockTimes nicht berücksichtigen.
Unser zweites, schon verzweifelteres Mail wurde nach einigen Tagen beantwortet. Wir bekamen Respons - endlich. In einem lapidaren Schreiben verwies man uns auf die Tarifinfos, die auch auf der Homepage abzurufen sein. Aber die Sachbearbeiterin hatte in einem selbstaufopfernden Anflug von Kundenorientierung die Onlinebroschüren an die Mail gehängt. Sie ist dafür wahrscheinlich zur Mitarbeiterin des Monats gekürt worden. Vielen Dank auch. Ach ja, auf die konkrete Fragestellung ist sie natürlich nicht eingegangen. Warum auch?
Weil bekanntlich sprechenden Menschen geholfen werden kann, versuchten wir über die Telefonleitung mit der GEMA ins Gespräch zu kommen. Gut, wir versuchten es, wenn wir selbst von der Arbeit kamen und freitags Nachmittags. Dienstleistungswüste? Selbst diese unflätige, pauschalisierende, polemische und oberflächliche Bezeichnung ist in Verbindung mit unseren GEMA Erfahrungen ein Euphemismus. Also machten wir noch eine Mail fertig, in der wir wieder einmal konkret schilderten, wo die Probleme liegen. Wir machten darauf aufmerksam, dass wir durch die Samples keinen finanziellen Vorteil haben würden, weil die RockTimes werbefrei ist und unsere Klicker ebenfalls umsonst bei uns surfen - natürlich.
Sollen wir euch was verraten? Das ist denen schnurz egal. Sie sehen sich außerstande, auf die sich abzeichnenden neuen Unstände eingehen zu können. Sie können nur Angebote unterbreiten, die für Spaßprojekte wie RockTimes Kostenpflicht bedeuten. Unabhängig davon, ob das Magazin Einnahmen generieren will oder nicht. Halt, ein bisschen ist die GEMA doch auf unsere konkrete Mail mit den individuellen Fragestellungen eingegangen. Man soll ja bei der Wahrheit bleiben. Sie forderten uns vorsorglich auf, ihnen auch die Online-Samples von nicht bei der GEMA gemeldeten Bands zu melden. Werden wir machen, Freunde, denn wir lesen Mails zuende. Solltet ihr auch mal versuchen. Kann ein Informationsvorsprung bedeuten und für Aufhellung sorgen.
So ist also die Situation. Wenn wir euch Soundsamples zur Verfügung stellen möchten, müssen wir dafür in die Tasche greifen. Dass es Aktivisten gibt, die sich ohne eine Einnahmeabsicht, also absolut ungewerblich, für Musik einsetzen und dabei noch Reichweite besitzen, scheint bei der GEMA noch nicht realisiert worden zu sein. Wieder mal hat die Wirklichkeit die Bürokratie bei weitem überholt
Um es ganz klar zu sagen: Wir können auf Einnahmen verzichten, weil wir die paar Kröten Providergebühren selbst finanzieren und auch hier und da mal einen Verlosungspreis spendieren. Die Kosten eines Onlinemagazins sind überschaubar. Bei den Printmagazinen sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Die können ohne Werbung und Heftverkäufe gar nichts auf die Beine stellen, selbst wenn sie keine Gewinnerzielungsabsichten haben.
Wir versuchen im Moment noch das Angebot von der GEMA weiter konkretisiert zu bekommen. Aber ich habe ja geschildert, mit welchem Enthusiasmus, mit welcher Euphorie dort auf Anfragen eingegangen wird.
Wie in der Überschrift satirisch angedeutet, könnte GEMA wirklich eine Verklausulierung für einen Imperativ sein: GEH MAL (weg)!
Trotzdem an dieser Stelle einen Hinweis an alle Nicht-GEMA Bands, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Sprecht uns an, wenn zu den Reviews eurer CDs ein Soundsample in der RockTimes erscheinen soll. Wir finden sicher eine Lösung. Wir halten diese Art von multimedialen Angeboten für den Musikfan immer noch für zukunftsweisend.
Die digitale Zukunft hat gerade erst begonnen. Es entstehen Netzwerke, es entstehen immer mehr Webrings rund um die Rockmusik. Es interessieren sich mehr und mehr Musikfans für die Internetangebote bezüglich ihrer Musik.
Wir wissen das und wir wissen, dass ihr das wisst und wir wissen, dass ihr wisst, dass wir das wissen. Aber, wer sagt es der GEMA?
In diesem Sinne:
Nehmt euch Zeit für gute Musik!


Olli "Wahn" Wirtz, 03.10.2005