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Ziemlich psychedelisch, das Coverbild.
Die Songtitel von "Pain & Glory" dienen als Hairstyling und man kann das Digipak drehen und wenden wie man will, fast überall reflektiert die Verpackung die Psychedelic.
Als Tochter von Victor Brox (auch Aynsley Dunbar) sowie Annette Brox 1980 im englischen Stockport geboren, stand Kyla Brox bereits mit zwölf Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Zu dem Zeitpunkt waren sie und ihr Bruder Sam Mitglieder der Victor Brox Blues Train.
Auf eigenen künstlerischen Beinen stehend, gründeten die beiden Geschwister ein Duo. Später wurde daraus eine Band.
Danny Blomeley spielte schon bei Victor Brox Bass und hat im Verbund mit der Protagonistin die Songs geschrieben. Hier und da griff auch Gitarrist Paul Farr (unter anderem Joss Stone, Tom Jones) zum Stift. Nur das abschließende "Hallelujah" stammt von Leonard Cohen.
Die Malcolm Strachan/Atholl Ransome-Gebläse-Gemeinschaft hat ihre Heimat bei The Haggis Horns. Als Chorsänger ist Sam Brox ebenfalls dabei.
Die vorliegende Platte ist nicht die erste Veröffentlichung von Kyla Brox, die auch auf Scheiben ihres Vaters vertreten ist. Unter eigenem Namen kamen unter anderem "Window" (2003), "Live At Matt And Phred’s" (2006) oder "Throw Away Your Blues" (2016) auf den Markt.
Die Scheibe beginnt mit einen äußerst motivierenden "For The Many".
Der von einer funkig-zupackenden Horn-Section angeführte Blues verwirktlicht sich außerdem noch in einer tollen Keyboard-Aktivität. Über allem regiert Kyla Brox' soul-bluesige Gesang. Perfekter Einstieg!
Den Faden des Souls spinnt man gleich im nächsten Track weiter.
Allerding in einer anderen Auslage, denn die Band begibt sich in den balladesken Bereich des Zwölftakters. John Ellis' Orgel-Fantasien begleiten die Protagonistin durch die Nummer und abermals strecken sich beide Daumen nach oben ob der emotionalen Stimme der Frontfrau. Klasse!
Kommt es zum groovenden "Sensitive Soul" wird deutlich, dass die auf dem Album vertretenden Tracks auch etwas für die Tanzfläche sind. In unterschiedlichem Tempo motivieren die Kompositionen das Tanzbein. Gitarrist Paul Farr gibt hier ein feines Solo zum Besten.
Stellvertretend für die Gänsehaut-Momente der Platte soll das Stück "Compromise" genannt werden.
Melancholie paart sich mit herrlichen Bläser-Sounds und abermals legt Paul Farr seine gefühlvolle Visitenkarte auf den Tresen des Blues. Der Hörer darf sich darüber hinaus noch über eine Kyla Brox freuen, die ihre Stimmgewalt in ganz unterschiedlichen Phrasierungen ausdrücken kann. Toll!
In "Devil’s Bridge" macht man einen musikalischen Abstecher ins Latin-Terrain. Mark Warburton wartet mit vordergründigem Percussion-Einsatz auf und der Hörer lässt sich von einem klasse Songwriting überzeugen.
"Lover’s Lake" ist ein wunderschön gelassen-groovender Schleicher, in dem die Kraft aus der Ruhe kommt. Das Sahnehäubchen sind hier die Tony Marshall-Sopransaxofon-Farbtupfer.
Als Spielarten des Blues begegnet man dem Soul und Funk öfter. Bei "Manchester Milan" widmet sich John Ellis den schwarzen und weißen Tasten des Pianos. An dieser Stelle richtet sich der musikalische Blick, besonders durch Malcolm Strachans Trompeten-Intonation, auf den Blues in seiner jazzigen Variante. Sehr gelungen, dieses etwas andere Metier.
Richtig rockig kommt "Bloodshot Sky" daher. Mit seinem Harp-Gastspiel tunt Clive Mellor diesen Track und bei "Top Of The World", einem Song im New Orleans-Umfeld verankert, mischt er im Vordergrund – verstärkt durch ein feines Solo – ebenfalls ordentlich mit.
Wozu die im Januar 2019 bis ins Halbfinale der International Blues Challenge in Memphis gekommene Künstlerin stimmlich in der Lage ist, zeigte sich sozusagen in jeder Phase der Platte. Aber was sie uns bei dezenter Begleitung in fast sieben Minuten "Hallelujah" an intensiver Interpretation bieten, ist überwältigend. Hierzu gehört auch der beseelte spielende Paul Farr.
Mit dem Blick an den Tellerrand des Blues ist "Pain & Glory" klasse Unterhaltung.
Line-up Kyla Brox:
Kyla Brox (vocals, flute)
Danny Blomeley (bass, acoustic guitar)
Paul Farr (electric guitar)
Mark Warburton (drums, percussion)
John Ellis (piano, Wurlitzer, Hammond organ, clavinet)
Malcolm Strachan (trumpet, valve trombone, flugel horn)
Atholl Ransome (alto saxophone, baritone saxophone)
Tony Marshall (tenor saxophone solo – #10, soprano saxophone – #12)
Clive Mellor (harmonicas – #5,15)
Sam Brox (backing vocals – #13)
The 3 2 65s (backing vocals – #8):
Sadie Blomerey
Sonny Blomerey
Danny Blomerey
Sam Brox
Malcolm Strachan
Atholl Ransome
Mark Warburton
Tracklist "Pain & Glory":
- For The Many
- Pain & Glory
- Sensitive Soul
- Bluesman’s Child
- Bloodshot Sky
- Choose Life
- Devil’s Bridge
- In The Morning
- Compromise
- Let You Go
- Away From Yesterday
- Lover’s Lake
- Don’t Let Me Fall
- Manchester Milan
- Top Of The World
- Hallelujah
Gesamtspielzeit: 60:28, Erscheinungsjahr: 2019
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