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Red Hot Shame / My Satellite – CD-Review

Red Hot Shame - "My Satellite" - CD-Review

Die Band, oder wenn man so will, das Projekt Red Hot Shame ist das Baby des kalifornischen Musikers Xeff Scolari, der sich – wahrscheinlich aus praktischen Gründen – nicht von einer festen Band, sondern einem festen Pool immer wechselnder Musiker für seine Alben und Konzerte unterstützen lässt. Davor spielte Scolari in mehreren stilistisch sehr unterschiedlichen lokalen Bands, bis er sich schließlich auf sein eigenes Material konzentrieren wollte. Bei der mir nun vorliegenden Scheibe "My Satellite" handelt es sich um das dritte Werk des Amerikaners unter dem Namen Red Hot Shame, bei dem es – der Albumtitel kündigt es bereits an – offensichtlich um einen Trip in den Weltraum handelt. Also kein Americana oder Country Rock, sondern Space Rock? Eine Frage, die weder mit 'Ja' noch 'Nein' zu beantworten ist, da hier tatsächlich beide Stile vertreten bzw. zu einer Art 'Space Americana' miteinander verwoben wurden.

Dabei hat der gute Xeff seine Geschichte in drei Kapitel sowie einen Epilog verpackt, insgesamt gesehen eine Reise in elf Kapiteln, sprich Songs. Der Trip startet mit dem schön spacigen Instrumental "Liftoff", man hört die letzten Kommandos der 'Ground Control' und die Rakete hebt sich langsam aber sicher in die Lüfte. Eine unheilvolle (oder vielleicht auch nur geheimnisvolle?) Akustikgitarre beginnt das Stück, das sehr gut die große Spannung, aber auch Ungewissheit widerspiegelt, die vor dem Astronauten liegt. Ungleich rockiger wird es bei "X.exe" sowie dem Titeltrack, ohne dass die Tracks ein gewisses schwebendes Feeling verlieren. Die letztgenannte Nummer ist dann auch die erste richtig gut (sprich, mit Wiedererkennungsfaktor) ins Ohr gehende. Die Geschichte dieses Abenteuers wird der Rezensent hier vorab inhaltlich nicht wiedergeben, aber um einen ungefähren Ablauf zu erfahren, braucht man sich eigentlich nur die Songtitel anzusehen.

Wie bereits erwähnt haben Red Hot Shame hier eine Mischung aus Americana und Space im Angebot, wobei die klare Betonung auf Americana liegt. Dennoch wird der Hörer passend zum Thema durch die Musik immer wieder in diese schwebende Atmosphäre katapultiert und diesen Aspekt haben die Musiker tatsächlich richtig klasse hinbekommen. Dazu kommt ein sehr gelungenes Songwriting, das mit "The Only Star" sein nächstes Highlight auffährt. Glücklicherweise lässt die Qualität der Tracks auch im weiteren Verlauf des Albums nicht bzw. nur mit leichten Ausschlägen nach, was "My Satellite" zu einem insgesamt sehr feinen Hörerlebnis werden lässt. Auch die Arrangements mit ständig wechselnden, aber nie störenden oder zu krassen Tempowechseln überzeugen. Xeff Scolari verfügt zwar über keine 'Jahrhundert-Stimme', er setzt die einzelnen Nummern jedoch durchgehend gekonnt und passend um.

Bleibt zu sagen, dass sich der ungewöhnliche Stilmix und die Experimentier-Freudigkeit von Xeff Scolari und seiner hier vertretenen Combo durchaus gelohnt und ausgezahlt hat. Und wer Songs wie etwa "Come On, Rocket" mit seiner feinen Harmonika, dem herrlich harmonischen "Little Moon" oder dem höllisch groovenden "Eject" in der Hinterhand hat, der braucht sich sowieso nicht mehr viele Sorgen um das Gelingen seiner Platte zu machen. Bleibt zu wünschen, dass Red Hot Shame mit "My Satellite" auf offene und unvoreingenommene Ohren trifft, denn dann könnte sich diese Scheibe – auch in den USA – zu einem echten Renner entwickeln.


Line-up Red Hot Shame:

Xeff Scolari (acoustic guitars, keyboards, bass, mandolin, lead vocals)
Ryan Wilson (electric guitar, spaceship)
Spencer Kennedy (bass, keyboards, percussion)
Steven Pitsenbarger (horns, percussion, background vocals)
James Terris (keyboards, bass)
Rick Fugate (drums)

Tracklist "My Satellite":

  1. Chapter One: Liftoff
  2. X.exe
  3. My Satellite
  4. Chapter Two: The Only Star
  5. Solitude
  6. My Shuttle
  7. Chapter Three: Stranded
  8. Synchronizing
  9. Eject
  10. Epilogue: Come On, Rocket
  11. Little Moon

Gesamtspielzeit: 38:58, Erscheinungsjahr: 2022

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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