
Muss man Robben Ford wirklich noch vorstellen? Einen Mann, dessen Karriere bereits seit über fünfzig Jahren läuft, der bereits etwa 25 Soloalben veröffentlicht hat, geschweige denn unzählige Gastauftritte auf Alben von Leuten wie unter anderem George Harrison, Bonnie Raitt, Barbra Streisand, Kiss, Miles Davis, Joni Mitchell, John Mayall, Rickie Lee Jones oder Charlie Musselwhite hatte? Ich glaube zwar nicht, aber falls es noch Fans des Blues, Jazz und Rock geben sollte, die den in Kalifornien geborenen und aufgewachsenen Musiker bisher nicht kennen, so würde ihnen mit "Purple House" ein ganz hervorragendes Einstiegs-Album präsentiert werden. Der Amerikaner hat diese neue Scheibe in Tennessee, Kalifornien sowie den legendären Muscle Shoals Studios in Alabama aufgenommen und die Haupt-Band auf lediglich vier Musiker (inklusive sich selbst) begrenzt.
»Mein Konzept für dieses Album war es, den Schwerpunkt noch stärker auf die Produktion zu legen, als ich das in der Vergangenheit gemacht habe,« sagte der mittlerweile knapp 67-Jährige in einem Statement zur neuen Platte. Und auch dies ist ihm neben einer Handvoll bärenstarker und vier sehr guten Tracks gelungen. Die jeweiligen Stücke verfügen über viel Atmosphäre, die Instrumentierung ist ausfüllend und lässt dennoch Luft zum Atmen, die Arrangements sind variabel und die vertretenen Musiker eine wahre Ohrenweide. Spontan komme ich hier gleich mal zu der Blues Lady Shemekia Copeland, die zusammen mit Robben für "Break In The Chains" gemeinsam vor dem Mikro stand und die ich vor gerade mal zehn Tagen erstmalig auf der Bühne erleben durfte. Nach ihrem Einstieg im ersten Refrain ist die Blues-Sängerin aus dem Nordosten der USA in der zweiten Strophe solo im Einsatz, bevor sie sich die Lyrics für den Rest dieser Nummer mit dem Protagonisten teilt. Ein weiterer Gast ist Travis McCready, der bei dem Song "Somebody’s Fool" eine sehr gute Figur abgibt und mit seiner souligen Stimme auf ganzer Länge überzeugt.
Sehr interessant und funky klingt jedoch bereits das eröffnende "Tangle With Ya", das mit zusätzlichem Saxofon und Background-Sängern gleich mal die Stimmungsschraube erheblich nach oben dreht. Dazu kommt die unglaublich groovende Rhythmus-Maschine, bestehend aus Ryan Madora am Bass sowie Derrek C. Phillips am Schlagzeug, die diese Geschichte erst so richtig rund macht. Gefolgt wird dies von einem meiner Favoriten und der einzigen Cover-Nummer, nämlich "What I Haven’t Done" aus der Feder von Kyle Swan. Erneut ist das Sax von Tyler Summers mit von der Partie, das diesem groovigen Blues die letzte Ölung verpasst. Ganz stark! Bei meinem zweiten Highlight handelt es sich um "Empty Handed", einem eher langsamen Blues mit viel Atmosphäre, sehr starkem Gesang und einem spannenden Arrangement.
Der Protagonist selbst braucht nie allzu viele Töne auf seinem Instrument zu spielen, um damit exakt auf den Punkt zu kommen. Auch Stücke wie "Bound For Glory", "Cotton Candy" oder "Wild Honey" lassen wenn überhaupt, dann nur marginal nach und ehe er sich versieht, ist der Hörer bereits bei dem den Schlusspunkt setzenden "Willing To Wait" angelangt. Hier lässt der Gitarrist neben seiner klassischen Les Paul Sunburst erneut die akustische Gitarre die Co-Hauptrolle übernehmen und beendet diese Scheibe auf einem sehr hohen Niveau. Insgesamt gesehen haben wir es hier tatsächlich mit einem Album für Blues-Feinschmecker zu tun, die die Zwölftakter-Grenze ihrer persönlichen Hör-Gewohnheiten schon längst gesprengt haben. Aber auch Rock-Fans, die zwischendurch mal ein ruhigeres und dennoch hochklassiges Werk in den CD-Schacht schieben möchten, sind an der richtigen Adresse.
Robben Ford ist ganz sicher ein Gentleman der 'Alten Schule', aber dennoch muss es erlaubt sein dürfen, insgesamt neun Tracks und eine Spielzeit von gerade mal 35 Minuten zu kritisieren. Ich bin zwar auch kein Fan von 60-Minuten-Alben, aber ein bisschen mehr hätte es dann doch schon sein dürfen. Trost für diese kleine Enttäuschung bieten jedoch die hier festgehaltenen Titel, die durch die Bank qualitativ hochwertig sind und die Hand fast schon wie von einem Magnet angezogen immer wieder in Richtung Repeat-Taste wandern lassen. Manchmal ist Weniger halt doch Mehr!
Line-up Robben Ford:
Robben Ford (guitars keyboards, lead vocals)
Derrek C. Phillips (drums & percussion)
Ryan Madora (bass, background vocals)
Casey Wasner (guitars, percussion, background vocals)
With:
Shemekia Copeland (vocals – #5)
Travis McCready (vocals – #8)
Drew Smithers (guitar solo – #10)
Ross Collier (omnichord – #3,7)
Russel Ferrante (Wurlitzer – #6)
Dane Farnesworth (Hammond organ – #10)
Tyler Summers (saxophones – #1,2,7)
Brian Allen (bass – #2)
Steve Mackey (bass – #6)
Tracklist "Purple House":
- Tangle With Ya
- What I Haven’t Done
- Empty Handed
- Bound For Glory
- Break In The Chain
- Wild Honey
- Cotton Candy
- Somebody’s Fool
- Willing To Wait
Gesamtspielzeit: 35:01, Erscheinungsjahr: 2018
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