
Die Entstehung des Albums "Persona Non Grata" klingt wie ein gutes Stück Rockmusik-Geschichte. Sänger Kim Williams und Gitarrist Joey Courteau kannten sich bereits seit den Neunzigern, wo sie bei verschiedenen Projekten zusammen wirkten und Songs schrieben. Vor knapp zehn Jahren beschlossen beide, eine eigene Band zu gründen, zunächst nur, um gitarrenorientierte, soulvolle Songs zu schreiben. Nachdem man Musik genug für ein vollständiges Album zusammen hatte, formierten sie Underhander mit Rolland am Bass und Lamar am Schlagzeug und tourten mit einigem Erfolg durch den Süden Kaliforniens.
Billy Grazaidei von Biohazard bzw. Powerflo fand gefallen an den Songs der Jungs und bot an, eine ihrer Nummern zu produzieren, versehen mit einem eigenen Duktus. Das Ergebnis versetzte die Band in Schockstarre, Billys Interpretation des Materials war wohl nicht im Sinne der Erfinder.
2017 aber fanden sich die Jungs erneut zusammen, reproduzierten die Stücke und nahmen das komplette Album schließlich in Billys Studio auf. Der wiederum war an der Entstehung der letztlich verwendeten Produktion nicht nur mit zahlreichen Ideen hin zu einer deutlich melodiöseren Version harter Rockmusik beteiligt, er stieg auch gleich als Background-Sänger ins Line-up mit ein, wird aber auf der CD als Musiker nicht ausdrücklich ausgewiesen.
Das Resultat dreht sich nun seit dem 01.01. dieses Jahres weltweit in den Playern.
Elf knackig kurze Tracks bilden ein sehr stark songorientiertes Konzept auf knapp vierzig Minuten Laufzeit. Für viel Schnickschnack bleibt da keine Zeit. Und daran scheint die Band auch nicht interessiert zu sein. Schneidig aggressive Riffs mit kurzen prägnanten Soli bilden das Gerüst des Gesamtkonzepts. Ein ausdrucksstark und souverän leitender Leadgesang führt durch die mal mehr, mal weniger temporeichen Nummern. Überhaupt bilden die abwechslungsreichen Breaks innerhalb der Songs immer wieder einen spannenden Kontrast zur harten Grundausrichtung, die geschickt eingesetzten Background-Choräle geben dem ganzen die nötige Geschmeidigkeit, ohne poppig zu wirken. Ich denke mal, es sind dies die Einflüsse des Produzenten, der aus rohen Edelsteinen immer wieder recht schillernde Songperlen heraus geschliffen hat, die sowohl beim Publikum der headbangenden Fraktion wie auch den etwas mehr gemäßigten Hard Rock-Fans für Freude sorgen werden. Exemplarisch lässt sich dies am Bandnamen spendenden "Underhander" erforschen, der sehr geschickt verschiedene Stimmungen und Tempi miteinander verwebt, ohne jemals den roten Faden zu verlieren – von reflektiert zurückgenommenen Parts bis hin zum Double-Bassdrum-Freak Out.
Die gekonnte Abstimmung zwischen den Riffs und Vocal-Lines lässt uns gelegentlich glauben, alte Bekanntschaften wiederzutreffen, ohne diese genau zuordnen zu können, doch die Songs wirken nur vertraut, es sind allesamt Kompositionen von Kim und Joey, die ihr Handwerk wirklich verstehen. Überhaupt verfolgen Underhander mit ihren Texten eine durchaus gesellschaftspolitische Botschaft. Der Albumtitel "Persona Non Grata" scheint da durchaus provozierend gemeint und es schwant mir eine Vorstellung davon, welche Person von einer amerikanischen Band da wohl gemeint sein könnte. So beinhaltet auch das Inlet der CD eine kämpferische Ansage, die gegen »machtvoll elitäre Hinterhältige« gerichtet ist, die das Schicksal der Erde dem eigenen Profit unterstellen. Ein Loblieb hingegen erklingt auf Nachhaltigkeit, Freiheit und Frieden. Gefällt mir!
So scheint die Aggressivität der Riffs und der knochigen Ausrichtung durchaus ein Stück weit diesem Themenkreis geschuldet zu sein, denn selbst der Bandname Underhander (eben 'der Hinterhältige') resultiert daraus und das Cover ziert ein austauschbarer Anzugträger, den wir von hinten sehen und nicht erkennen können, dessen linke Hand zum Schwur erhoben ist, während die rechte mit gekreuzten Fingern hinterm Rücken trickst und Schummelei ausweist. Ein schönes Bild auf viele Lügen in unserer Zeit.
Die Mischung aus erdig kernigem Hard Rock mit raffinierten und stimmigen Arrangements kommt an, die Musik verliert nie ihre aggressive Ausrichtung und vermag doch seltsam einnehmend zu wirken. Geschickt produziert, würde ich sagen. Ein ganz klein wenig hat mich das Konzept an die feine Siebziger-Jahre-Combo Paris erinnert, mit der Bob Welch einst zwei tolle Scheiben veröffentlichte, bevor er seine Solo-Karriere begann. Wer eine moderne Version einer solchen Musik sucht, wird mit Underhander gute Beute machen.
Line-up Underhander:
Kim Williams (vocals)
Joey Courteau (guitar)
Lamar Little (drums)
Rolland (bass)
Stephanie Sallee (backing vocals)
Billy Grazaidei (backing vocals)
Live musicians:
Mike Bear (bass)
Emiliano Almeida (drums)
Elijah Stavely (drums)
Sal (bass)
Dennis La (bass)
Fred Arching (drums)
Tracklist "Persona Non Grata":
- Empty Void
- Step Into The Ring
- Stoneburner
- Bull By The Horns
- Handle Of A Broom
- When There’s No Love
- Without A Doubt
- Runaway
- Together
- Underhander
- Light The Sky – (Remix)
Gesamtspielzeit: 39:42, Erscheinungsjahr: 2020
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