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Am 18. November 2017 ging die zehnte Blues & Boogie Night in der Ludwigshafener Scala über die Bühne. Es hat schon Tradition, dass zu dieser Veranstaltung einen Sampler auf den Markt kommt. Zum Jubiläum von der RockTimes-Redaktion zunächst herzliche Glückwünsche.
Wer leider nicht persönlich bei der Blues & Boogie Night sein konnte, darf sich über die "Artist Collection No. 10" einen umfangreichen Eindruck von den auf dem Plattenlabel Stormy Monday Records vertretenen Bands/Künstlern machen.
Wie auf der Verpackungsrückseite ersichtlich, bekommt der interessierte Hörer neunzehn Songs von vierzehn Formationen beziehungsweise Musikern aus den Bereichen Blues und Boogie geboten.
Posthum erhält der Boogie Woogie-Pianist Little Willie Littlefield (1931 bis 2013) immer einen Ehrenplatz auf einer Collection. Hier vertreten ist er mit The Jivin' Jewels und dem Titel "Bad Bad Whiskey" vom Album Old Time Feeling. Diese Nummer mit Vintage-Feeling, zeigt den Protagonisten in bester Form. Das Stück mit einem begleitenden sowie solierenden Saxofonisten Ben 'King' Perkoff ist feinster Boogie Woogie-Blues mit einer ordentlichen Portion Groove.
Natürlich gibt es noch weitere Vertreter des Anfang der Neunzehnhunderterjahre entstandenen Klavierstils. Nico Brina erzählt die Geschichte von "Don’t Mess Around With A Pianoman" einem Song seiner Solo-Veröffentlichung BoogieFul Ein tolles Stück, ebenfalls mit einem herrlichen Groove versehen. Kurz und knapp hüpft der "Groggy Froggy Blues" als unterhaltendes Intermezzo durch die Tracklist. Klasse!
Live erleben wir den am 13. Oktober 2017 verstorbenen Künstler Gottfried Böttger gemeinsam mit seinem Klavier-Kumpel Hennig Pertiet in "Just A Closer Walk With Thee", erschienen auf dem höchst abwechslungsreichen Family Boogie, bei dem Onkel und Neffe gemeinsam das »[…] melodische Mitsumm-Lied […]« spielen. Gute Laune pur.
Steve 'Big Man' Clayton ist ein weiterer Vertreter des Boogie Woogie und er serviert uns in "Travellin' Blues" einen fröhlich intonierten Zwölftakter mit Country-Flair. Dieser Song und noch viel mehr befindet sich auf Best Of 1999-2007.
Bei Thomas Scheytts "Hansjakobstrasse 110" tanzen die Finger quasi über die schwarzen und weißen Tasten. Das Instrumental befindet sich in der Tracklist zu Blues Colours und ist ein rhythmisch ausgeklügeltes Stück Boogie Woogie. Toll!
Weiter geht es mit dem üppig gefüllten Blues-Teller und da heißt es zunächst: Ladies first. Die australische Sängerin Jessie Gordon veröffentlichte gemeinsam mit Jan Hirte unter dem Bandnamen Ginger Blues das Album Berlin Nights. Daraus darf der Hörer auf "Artist Collection No. 10" das mit Leidenschaft gespielte und im Duett gesungene Medley "Tennessee Whiskey/I’d Rather Go Blind" auf sich wirken lassen. In der Rezension zur Platte steht dazu: »[…] Dieser Tränendrüsen-Blues erzeugt eine dicke Gänsehaut und man wird den Eindruck nicht los, als habe man dem Gesangsduo diesen Song auf den Leib geschrieben […]«
Andi’s Bluesorchester ist durch zwei Kompositionen von Just Blown In Your Town vertreten. Prewar Blues oder Ragtime & More sind bei dieser Formation angesagt. Der "Hard Road Blues" und "The New Sugar Mama" verdeutlichen, wie breit das musikalische Spektrum der fünfköpfigen Formation ist.
Auch Blues Rocket Men hat man zweimal auf dem Sampler verewigt. Blues Rock im weiteren Sinn gefasst ist angesagt, wenn Pete Borel, Imad Barnieh sowie János Szenogrady bei "Blues Day" wahrlich in die Hände klatschen und so den Rhythmus vorgeben. Der Rock’n’Roll hat Party. Ebenfalls auf Lifted enthalten ist die Nummer "Howlin'". Hier ist es der Hörer, der bei diesem Boogie vor Freude in die Hände klatscht. Klasse Songs!
45 Live heißt die Platte, die in der Kulturbrauerei Berlin aufgenommen wurde. Die Crazy Hambones sind ein Trio, das »[…] in erfolgreich forschender Weise auf der Suche nach den elementaren Bestandteilen des Blues […]« ist. Nur ein Beleg dafür ist "Hard Being A Man".
Ausgerechnet Fast Eddy’s Blue Band gibt eine Kostprobe eines aus eigener Feder stammenden Slow Blues, der auf dem Album Blues & Songs enthalten ist, einem musikalischen Rückblick auf fünfundzwanzig Jahre Karriere. Bei einem Songtitel wie "My Baby She’s Gone" muss es schon der langsame Vertreter des 12-Takters sein, allerdings ist der Gitarreneinsatz des mit rauer Stimme singenden Frontmannes um so furioser.
Handful Of Blues (HOB) serviert mit Gebläse-Abteilung und klasse Tasten-Begleitung live den Hit "Let The Good Times Roll", in bester R&B-Manier interpretiert. Klar, bei einer solchen Nummer darf auch das Publikum mitsingen. Toller Song!
Al Jones eröffnet den randvollen Sampler mit einer groovenden Jimmy Reed-Komposition. "You Don’t Have To Go" zeigt in Al Jones' Gitarren-Feeling und bei seinem Gesang eine gehörige Portion Eigenständigkeit. Der Blues-Hit "I Just Wanna Make Love To You" – ebenfalls von der Scheibe In Time Right Time Any Time – versorgt den Hörer mit magnetischem Blues des in der Oberpfalz geborenen Künstlers und hier ist es neben dem Protagonisten Thilo Kreitmeier am Tenorsaxofon, der dem Titel seine individuelle Färbung verpasst. Die mit unterschiedlichem Tempo interpretierte Nummer ist einfach toll.
The Street Rats stehen für die Musik aus Louisiana. Auf der Band-Website steht: »[…] Das ist Klangküche. Ein deftiger Eintopf aus Jazz, Zydeco, Blues, Rock’n’Roll und Cajun. […]« "Back To Zydeco" drückt es schon aus, worum es bei diesem Lied geht. Die Andreas Zweifel-Eigenkomposition, unter anderem in Szene gesetzt mit Violine und Klavier, ist sehr überzeugend.
Blue(s) Hour ist angesagt, wenn Tin Pan Alley (TPA) auf dem Plan steht. Das rockende "Bad Dreams" ist herrliche Bottleneck-Action und »[…] musikalisch sind die "Bad Dreams" gar nicht so düster. […]« Auch "Hamster Wheel" hat Werner Steiner zu Papier gebracht. Ein Blues Rock-Track mit Funk, in dem sich die Musiker auf ihren Instrumenten solierend vorstellen.
Stellvertretend für den gesamten Sampler kann man die von Handful Of Blues interpretierte Klassiker-Nummer "Let The Good Times Roll" hernehmen, denn die "Artist Collection No. 10" ist eine Stimmungskanone.
Tracklist "Artist Collection No. 10":
- Al Jones – You Don’t Have To Go (4:56)
- Blues Rocket Man – Blues Day (3:39)
- Nico Brina – Don’t Mess Around With The Pianoman (2:48)
- Andi’s Bluesorchester – Hard Road Blues (3:06)
- Tin Pan Alley (TPA) – Bad Dreams (4:32)
- Al Jones – I Just Wanna Make Love To You (4:33)
- Blues Rocket Men – Howlin' (2:02)
- Andi’s Bluesorchester – The New Sugar Mama (3:56)
- Nico Brina – Groggy Froggy Boogie (1:42)
- Crazy Hambones – Hard Being A Man (4:07)
- Tin Pan Alley (TPA) – Hamster Wheel (3:18)
- Fast Eddy’s Blue Band – My Baby She’s At Home (5:20)
- Böttger/Pertiet – Just A Closer Walk With Thee (3:24)
- Ginger Blues – Tennessee Whiskey/I’d Rather Go Blind (5:21)
- Handful Of Blues (HOB) – Let The Good Times Roll (4:33)
- Little Willie Littlefield – Bad Bad Whiskey (4:05)
- Steve Clayton – Travellin' Blues (3:42)
- The Street Rats – Back To Zydeco (3:47)
- Thomas Scheytt – Hansjakobstrasse 110 (2:26)
Gesamtspielzeit: 73:56, Erscheinungsjahr: 2017
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