Amberian Dawn / River Of Tuoni
River Of Tuoni Spielzeit: 36:06
Medium: CD
Label: Ascendance Records, 2008
Stil: Bombast Metal

Review vom 28.07.2008


Boris Theobald
Achtung, ein Rätsel! Die gesuchte Band kommt aus Finnland. Eines ihrer Markenzeichen ist der weibliche Gesang. Gegründet wurde diese Band von Keyboarder Tuomas, der auch der Hauptsongschreiber ist. Na? Richtig! Die gesucht Gruppe heißt Amberian Dawn. Was? Hat etwa jemand in den hinteren Reihen Nightwish gerufen? 'Räusper' - nicht doch! Wie kommt da jemand ausgerechnet auf die?? Alles, was Amberian Dawn und Nightwish sonst noch verbindet, ist die Neigung zum Bombast Metal, das Songwriting, der Sound,... das wars auch schon.
Nun gut, jetzt mal im Ernst: Amberian Dawn unterscheiden sich von Nightwish ungefähr so wie der Singvogel vom Piepmatz. Letzterer hat sich noch keinen so großen Namen gemacht, trällert aber nicht unbedingt schlechter. Im Falle von Amberian Dawn heißt das Frontvögelchen Heidi Parviainen. Ihr Gesangsstil ähnelt frappierend dem von Nightwish-Kultfigur Tarja Turunen. Heidi Parviainen singt im klassischen Opernstil. Wer Nightwish vor deren Stabwechsel am Mikro lieber mochte, sollte unbedingt beim zuständigen Amtsrichter einen Lauschangriff auf Amberian Dawn beantragen - Heidi hat es nämlich wirklich drauf!
Auch ansonsten erinnern die Finnen vor allem an die frühen Alben von Nightwish. Große symphonische Orchestrierungen finden nämlich nicht statt; und die Songs sind ziemlich kompakt und geradeaus komponiert. Vielleicht sind Amberian Dawn aber einen Tick härter, gitarrenlastiger. Die zwei Gitarren im Line-up (dieser Tuomas spielt außer Keyboard auch und hauptsächlich Gitarre!) werden großzügig gemeinsam eingesetzt. Da hackt die Ryhthmusgitarre im mittleren Tempobereich mal scharfe Staccato-Riffs und im höheren Speed-Bereich wird technisch fein geschreddert, während die Lead sich um verspielte Melodien kümmert.
Der komplette instrumentale Unterbau ist angenehm abwechslungsreich. Der hohe Schwermetallfaktor beißt sich nicht mit der erklecklichen Melodien-Vielfalt. Rhythmisch ist es von Vorteil, dass Drummer Joonas Pykälä-Aho einiges auf dem Kasten hat und nicht einfach durchballert, sondern für einen variantenreichen und gefühlvollen Stil steht. Auch im Melodiesektor sorgt so mancher eingestreute Parallellauf von Gitarre und Keyboard für zustimmendes Nicken beim Heavy Metal-Qualitätsbeauftragten.
Über allem thront - glücklicherweise ohne dass die instrumentalen Fertigkeiten in den Hintergrund gedrängt werden - Heidi Parviainen. Voller Anmut und Pathos wirkt der Gesang. Die exponierten, teils majestätischen Melodien passen ganz wunderbar zu zahlreichen hymnischen Hooklines. Gerade das etwas Abgehobene an den Melodiebögen und das oftmals getragene Tempo als Gegensatz zu einigen Up-Tempo-Unterbauten wirkt attraktiv. Zusammen mit Glockenspiel- und Orgelklängen des Keyboards entstehen magische Atmosphären für Fantasyfilmfreunde.
Stören darf es einen da bloß nicht, dass insbesondere die opernhaften Gesangsmelodien als so wichtiges Merkmal der Band extrem nah an den Nightwish-Klassikern sind. Stilistisch, versteht sich. Abgekupfertes Songmaterial ist nicht zu erkennen - die Stücke wirken durchaus frisch. Und wem dann noch die äußerst spärlichen 36 Minuten Gesamtlaufzeit nicht zu wenig sind, dem seien der flotte Ohrwurm "River Of Tuoni", die wunderschönen Melodien von "Valkyries" und das prachtvolle, wehmütig getragene "Passing Bells" als Appetitmacher ans Herz gelegt.
Line-up:
Heidi Parviainen (vocals)
Tuomas Seppälä (guitar, keyboard)
Kasperi Heikkinen (guitar)
Tommi Kuri (bass)
Tom Sagar (keyboard)
Joonas Pykälä-Aho (drums)
Tracklist
01:River Of Tuoni
02:Wings Are My Eyes
03:Lullaby
04:Valkyries
05:Fate Of Maiden
06:My Only Star
07:Curse
08:Passing Bells
09:Sunrise
10:Evil Inside Me
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