Ant-Bee / Electronic Church Muzik
Electronic Church Muzik Spielzeit: 63:52
Medium: CD
Label: Barking Moon Dog Records, 2011
Stil: Experimental / Progressive / Electronic

Review vom 13.04.2011


Ulli Heiser
"Electronic Church Music" … Das hört sich nach schwerem Stoff an. Schaut man sich die Gastmusiker an, die Ant-Bee aka Billy James um sich geschart hat, wird klar, dass es mit Sicherheit schwere Kost ist: Michael Bruce (Alice Cooper Group), Daevid Allen und Gilli Smyth (Gong), Peter Banks (Yes / Flash), Jan Akkerman (Fokus), Bunk Gardner, Don Preston, Buzz Gardner und Jimmy Carl Black (Mothers Of Invention), Zoot Horn Rollo sowie Rockette Morton
(Capt. Beefheart's Magic Band), Napoleon Murphy Brock (Zappa / George Duke) und Moogy Klingman (Utopia).
Das sind zum großen Teil Referenzen auf Bands, die Geradeaushörern Schweißperlen aufs Trommelfell zaubern. Man muss also auf einiges gefasst sein und wissen, dass hier keine Party-Platte darauf wartet, auf Tauglichkeit getestet zu werden. Zeit braucht es. Viel Zeit, um die Musik anzunehmen bzw. um es zu versuchen und auch viel Zeit um sie zu Hören. Drei Durchgänge sind mindestens von Nöten (zumindest habe ich sie gebraucht), um einigermaßen klar damit zu kommen. Leider hält das Booklet keine Informationen (neben Line-up und Tracklist) bereit, was der Künstler genau vor hat. Aber irgendwie hört man unterschwellig schon heraus, dass es um das Thema Kirche geht. Die Art, wie musiziert wird. Kirchenchorgesang, Glöcklein-bimmeln, schwere mollige Kirchenorgel - und überhaupt kann man feststellen, dass Ant Bee das Thema choreografisch und songwriterisch perfekt umgesetzt hat.
Electronic Church Muzik Mal abgesehen davon, dass über die Musik nichts im Booklet steht: Wer im Leben außer Sigurd, Fix und Foxi, Bravo oder Hustler jemals auch was anderes in der Hand hatte, wird unschwer erkennen, dass das Artwork der CD (übrigens von Cal Schenkel, dem Hauptgestalter vieler Zappa-Alben) doch stark an das 'Buch der Bücher' erinnert. "Electronic Church Muzik" hat eine adäquate Verpackung.
Liest man sich durch das Line-up bzw. durch das Instrumentarium fällt auf, dass sich der Albumname "Electronic Church Muzik" auch dort niederschlägt. Ant-Bee ist kein Schönwetterkünstler. Er spielt. Spielt mit Geräuschen, mit unorthodoxen Kombinationen aus sehr angenehmen Melodien und brutalem Unterbrechen derselben. Da gackern Hühner, ein 'Tier-Chor' klagt (er klagt wirklich, wahrscheinlich zusammengesampelt) hochmelodiös in einem kirchlich-feierlichen Ambiente, selbst Groucho Marx erhebt seine Stimme. Das ist Tobak allerschwärzester Provenienzen. Mönche singen zum Armen Sünder-Glöcklein aus tiefer Krypta. Drumherum allerlei Elektronik, Kriegsgetümmel und engelhaft gesprochene Worte ...
Von weit her klagt eine quäkende Trompete, dann piepst es futuristisch wie aus havarierten Raumschiffen. Wie gesagt, keine Partymucke. Man kann sicher (fast) jede Nummer für sich alleine hören, aber nur im Kontext des gesamten Werkes ist die Dimension des Gesamten zu erahnen. Dieses Album muss man alleine hören. Mal davon abgesehen, dass mir vielleicht zwei Leute einfallen, mit denen ich gemeinsam über Lautsprecher genießen könnte, per Kopfhörer ist man dichter dran. Einen guten Roten dazu und raus auf die Terrasse in den Liegestuhl und den Sternenhimmel angeschaut. Da stört es schon fast, wenn z. B. Jan Akkerman sein kristallklares Gitarrenspiel zum Besten gibt.
Nicht auszudenken, wenn Ant-Bee auf viele Spielereien und Gäste verzichtet hätte und sich auf das Zusammenbringen typischer Kirchen-Milieu-Zutaten versteift hätte. Aber auch so ist das eine wundervolle Platte, die, wenn sie sich dem Hörer erschlossen hat, voll zu begeistern weiß. Musik nicht für alle Tage, aber ganz sicher für DIE Tage. Ich bemühe mal wieder den Begriff Kerzenmusik.
Zum Schluss eine Nachricht an den Künstler. Wir stehen seit langem in Mailkontakt und ich weiß, er liest das Review auch in Deutsch. Trotzdem will ich in seiner Sprache kurz Feedback geben:
Bill, thumbs up for this outstanding record. Not easy while the first hearing session but once you're into it, you're almost hypnotised.
Line-up:
Ant-Bee (glissando guitarre, percussion, vocals, keyboards, tape manipulations, vibes, cuica, harp, washboard, mellotron, violin, butter-fly-flap, choral reconstruction, choir, war machine, bees)
Gilli Smyth (vocals, space whispers)
Bunk Gardner (flute, sax)
Michael Bruce (guitars, bass, keyboards)
Rod Martin (trumpet)
Daevid Allen (vocals)
Don Preston (keyboards, Moog, electronics, music concrete middle section)
Buzz Gardner (trumpet)
Cymbaline (vocals)
Motorhead (snorks)
Jimmy Carl Black (vocals)
Peter Banks (guitar)
Zoot Horn Rollo (guitar)
Rockette Morton (bass)
Michael Bruce (vocals)
Chickens (chickens)
George Scala (recorder)
Mike Logiovino (spirit bass)
Humpback Whale (vocals)
Alessandro Pizzin (keyboards)
Cor Gout (vocals)
Jan Akkerman (guitar)
Artemy Artemiev (keyboards)
Peter Frohmader (keyboards, electronics, composition construction, Monks (chant)
Animals (choir)
Donkey (vocals)
Bruce Cameron (guitars, bass, sitars)
Groucho Marx (vocals and phone call of destiny)
Napoleon Murphy Brock (vocals)
Moogy Klingman (keyboards)
Zad McGough (background vocals)
Jack Dougherty (pedal steel)
Tracklist
01:Birth
02:Living
03:The Language Of The Body
04:Eye Of Agamoto
05:The Gulf
06:Mallard Flies Towards Heaven
07:ANT-BEE's Sunday Supper
08:Flutter-Bye, Butter-Fly
09:Endless Journey
10:The Light
11:Mannah
12:Psalm 23
13:Halleluja
14:The Wrath Parts One)
15:Secrets Of The Dead
16:Pennies From Heaven
17:The Wrath Part Two
18:The Lord's Prayer - The Great Computer
19:Angels
20:Don't You Ever Learn? (
21:Re-Birth
22:Final Benediction - Lord We Thank You
Externe Links: