The Armada / Same
Same Spielzeit: 45:53 (CD 1), 33:40 (CD 2)
Medium: Do-CD
Label: Kingdom Records, 2009
Stil: Rock

Review vom 14.08.2009


Joachim 'Joe' Brookes
Und was ist mit Tee?
Die Tea Party gehört der Vergangenheit an... jetzt heißt es The Armada. Der kanadische Instrumenten-Tausendsassa Jeff Martin hat sich mit dem bekannten irischen Drummer Wayne Sheehy, der unter anderem bei Ron Wood, Bo Diddley, Robert Palmer, Carl Carlton oder den Hot House Flowers trommelte, zusammen getan.
Dramatische Wirkung hat das Coverbild des wunderbar gestalteten, allerdings auch ziemlich duster gehaltenen Digipacks, welcher gleich zwei CDs beherbergt.
Einerseits ist es die aktuelle Studio-Platte des Duos, bei der Michael Rhein (In Extremo) in einem Track die Harp spielt und andererseits eine über dreißigminütige CD, die mit fünf Songs ein Konzert im Club The Fly By Night (Fremantle, Australien) dokumentiert.
Folglich gibt es schon einmal viel Wert fürs knappe Geld. Natürlich kauft man nicht die Katze im Sack und wenn der Inhalt auch noch stimmt, kann man ja getrost zuschlagen. Mit fast achtzig Minuten Spielzeit ist eine weitere Komponente ebenfalls gut bedient und nun muss sich alles nur noch geschmeidig zu einer erfreulichen Einheit verbinden und fertig ist die Soße...
Abgesehen von Martins beschwörender Stimme, die dem Hörer einen Gänsehaut-Schauer nach dem anderen über den Leib jagt, ist die gebotene Musik recht vielfältig ausgefallen.
Da gibt es schon einmal die eine oder andere RockTimes-Uhr zu vergeben.
Beeindruckend ist die instrumentale Fülle, die Martin in den Ring wirft. Deren Einsatz ist perfekt auf die Kompositionen abgestimmt. Neben den dunklen Momenten auf der Platte gibt es auch jede Menge hell erfüllte Phasen. So zum Beispiel "Broken", das die feierliche Ergriffenheit einer Bono-Komposition in sich trägt. Streicher-Klänge begleiten ein derart vielschichtiges Arrangement, das bestimmte Instrumente gar nicht kenntlich macht.
Ausgenommen davon sind natürlich Schlagzeug sowie E-Gitarre. Es ist verdammt viel los in den Tracks und über allem liegt Martins Stimme, die er sehr variantenreich einzusetzen weiß.
Umtriebig, in unterschiedlich ausgelegtem Ambiente, gefallen auf Anhieb alle Songs durch ihre ganz individuelle Art und Weise.
Die knapp über vier Minuten "Morroco" haben etwas vom Led Zeppelin-Duo Jimmy Page & Robert Plant zu "No Quarter"-Zeiten.
Dem gut wegrockenden Opener "Going Down Blues" verleiht Michael Rhein mit seiner im Hintergrund heulenden Harp einen sehr schönen Touch. Ihm gehört auch das Outro des Songs.
Während des ersten Durchhörens wurde ich bei einem Track besonders hellhörig. "Black Snake Blues" ist ein Non-Puristen-Stück, in dem eine gehörige Portion mehr 12-Takter steckt, als im Opener. Nicht immer steckt er drin, wo er drauf steht. Dieses Stück ist ein psychedelischer Ableger des Genres, nicht nur, weil Martins Stimme mit Effekten versehen wurde. Viel Slide-Gitarre wird geboten und der Klang des Schlagzeugs hat auch eine Verfremdung abbekommen.
An dieser Stelle ist es angebracht, auf die Live-Platte zu verweisen. Dort hat man die Nummer so richtig aufgepumpt. In etwas über neun Minuten wird das Stück jetzt abgefeiert. Ein wahrer Klang-Genuss ohne Reue und was Martin auf dem Sechssaiter zu bieten hat, kann nicht gegen gutes Geld aufgewogen werden. Wobei er, natürlich mit tatkräftiger Unterstützung von Sheehy, Led Zeppelin zitiert und einen kompakten Muddy Waters-Exkurs vornimmt. Soviel zur Musik, und, siehe da, er hat verdammt viel Jim Morrison auf seinen Stimmbändern.
Eine weiteres unerwartetes Geschenk ist die Bühnenversion von "Going Down Blues", denn jetzt entpuppt sich die Komposition als ein echt spannender Blueser... mit unglaublich vielen Psycho-Sounds. Bei Martins Gitarrenarbeit kommt einem punktuell der Slide-Hexer Eric Sardinas in den Sinn. So enthält die Live-Kost einen großen Anteil 12-Takter. Besonders beim letzten Stück der zweiten Platte war das, nach der Studio-Version nicht unbedingt abzusehen.
Ebenso gelingt es The Armada (mittlerweile durch Bassist Jay Cortez verstärkt), den weiteren drei Tracks ein anderes Outfit zu verpassen. So wird dieser Doppeldecker zu einer ganz heißen Empfehlung für alle Freunde gut gemachter Rockmusik. In einer Ecke des Herzens muss allerdings auch ein wenig Platz für den Blues sein.
Line-up:
Jeff Martin (all instruments, vocals)
Wayne Sheehy (drums, percussion)

With:
Michael Rhein (harmonica - #1)
Tracklist
CD 1:
01:Going Down Blues (3:12)
02:Chinese Whispers (3:42)
03:Broken (4:05)
04:A Line In The Sand (4:24)
05:Morocco (4:11)
06:Black Snake Blues (4:40)
07:The Rosary (4:29)
08:Baby's Come Undone (4:19)
09:Closure (3:34)
10:Invocation (4:01)
11:I Want You (5:19)
CD 2:
01:Morocco (6:55)
02:I Want You (5:07)
03:The Rosary (4:51)
04:Black Snake Blues (9:10)
05:Going Down Blues (7:48)
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