Ivan Appelrouth / Blue And Instrumental
Blue And Instrumental Spielzeit: 62:05
Medium: CD
Label: EllerSoul Records, 2011
Stil: Blues, R&B

Review vom 02.09.2011


Joachim 'Joe' Brookes
»… dig these tracks, they're hot!« So äußert sich kein Geringer als Duke Robillard, Ivan Appelrouths Mentor. Nach nunmehr dreißig Jahren Blues-Business hat er mit "Blue And Instrumental" endlich sein Debüt-Album veröffentlicht und wie der Titel schon ausdrückt, handelt es sich bei den fünfzehn Tracks ausschließlich um Instrumentals.
Im Wesentlichen wird Ivan Appelrouth von Big Joe & The Dynaflows begleitet. Da wächst zusammen, was zusammen gehört. Appelrouth ist auch Gitarrist in der Combo und nur so kann man nachvollziehen, dass die vorliegende CD innerhalb von zwei Sessions, die jeweils fünf Stunden dauerten, aufgenommen wurde. Da muss man einfach schon gemeinsam gespielt haben. Zumal "Blue And Instrumental" elf Appelrouth-Eigenkompositionen enthält. Im Laufe seines Werdegangs war er ebenfalls bei Jumping Johnny Sansone & The Blues Party sowie Li'l Ronnie & The Grand Dukes. Dem nicht genug, kann er von sich sagen, dass er auch mit Earl King, James 'Thunderbird' Davis und Nappy Brown gespielt hat.
Gepaart mit den Coversongs serviert uns der Amerikaner aus Richmond eine sehr gelungene Reise durch den Blues und einige seiner Vorzeige-Musiker. Freddie King, T-Bone Walker, Magic Sam, Albert Collins oder Elmore James sind eindeutige Bezüge, zu denen Appelrouth in ganz persönlicher Art und Weise Stellung nimmt. Etwas außerhalb des Genres befindet er sich mit der Acker Bilk-Komposition "Stranger On The Shore".
Die insgesamt fünfzehn Titel gleiten geschmeidig dahin. Ivan Appelrouth lässt seine Gitarre singen und einige der Mitmusiker haben oftmals Gelegenheit, sich solistisch selber in Szene zu setzen. Bis auf die Rhythmusfraktion wird der Staffelstab reihum weitergereicht und richtig gut ist John Cocuzzi an den Tasten. Herrlich hört es sich an, wenn der Gitarrist mit dem Saxofonisten Chris Watling den einen oder anderen aussagekräftigen Smalltalk hält.
Auch wenn man lediglich zehn Stunden im Studio verbrachte, gibt es wohl nicht nur von "Olsen Ranch Shuffle" mehrere Mitschnitte. Diese Nummer liefert man uns als Buchstützen des Albums zweimal. Es geht gleich beim Opener mit dem Bottleneck in die Vollen. Slide-Gitarre sowie Saxofon hören wir in hinreißenden Soloauflagen und der Kontrabass passt herrlich ins musikalische Baumwollfeld. Der 'Take 3' glänzt ganz anders. Okay, die Linie der Melodieführung wird nicht verändert, aber bei den Alleingängen setzt man auf Variation. Das Kopf-an-Kopf-Rennen hat aus meiner Sicht keinen Sieger.
Die sanfte Romanzen-Ballade des aus Somerset stammenden Klarinettisten Acker Bilk baut man prächtig um. Was hören wir denn da plötzlich? Der am Piano famos aufspielende John Cocuzzi wechselt zum Vibrafon und damit gibt er dem Track eine sehr interessante Wendung. Danach macht es ihm Steve Utt an der Hammond gleich. Ui, das ist vielleicht eine Nummer!
Abgesehen von den vielen verschiedenen Blues-Mustern gibt es als Farbtupfer Ausflüge in den Jazz. Nach einem herrlichen "The Uptown Downtown Groove" kredenzt man uns direkt im Anschluss einen Jump Blues und dieses "Blues À La King" im gebremsten Tempo lässt einen dahinschmelzen. Wunderschön, wie Appelrouth zur flächendeckenden Bläserfraktion seine Finger über die Saiten gleiten lässt.
Nach dem ersten Durchgang mag man der Empfehlung des Appelrouth-Mentors Duke Robillard gerne folgen und der Scheibe weitere Spins gönnen. Der Hörer kommt voll auf seine Kosten, vorausgesetzt, er hat nichts gegen fünfundsechzig Minuten instrumentalen Blues. Aber das, was der Protagonist hier zu bieten hat, trifft definitiv auf Begeisterung. Der Gitarrist ist auf verschiedenen Sechssaitern mit einem facettenreichen Spiel gesegnet.
"Blue And Sentimental" lahmt nirgendwo und dieser Musiker ist eine echte Entdeckung. Die ohne Aufwärmen und live eingespielte Platte swingt, ist spontan, tadellos und richtig gut. Very well done, Ivan!
Line-up:
Ivan Appelrouth (guitar)
John Cocuzzi (piano, vibraphone)
Steve Utt (Hammond B-3)
Dave Cwiklinski (trumpet)
Chris Watling (tenor and baritone saxophones)
Tommy Hannigan (acoustic bass, electric bass)
Steve Potter (acoustic and electric bass - #2-5,8,10,12,13)
'Big' Joe Maher (drums)
Tracklist
01:Olsen Ranch Shuffle (Take 2) (5:08)
02:Blues À La King (5:34)
03:T-Boned Again (2:36)
04:Tribute To Magic Sam (4:04)
05:The Twisted Top (2:53)
06:Frosty* (3:35)
07:Strolling With Bone* (2:48)
08:The Uptown Downtown Groove (4:23)
09:Junior Jumps* (2:35)
10:Magic's Time (5:50)
11:Booky's Boogie (3:16)
12:Strollin' Blues (3:51)
13:Drivin' With Ivan (5:46)
14:Stranger On The Shore* (4:44)
15:Olsen Ranch Shuffle (Take 3) (5:05)
(all songs composed and arranged by Ivan Appelrouth except as noted*)
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