Priscilla Ahn / A Good Day
A Good Day Spielzeit: 35:56
Medium: CD
Label: Blue Note Records, 2008
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 08.05.2009


Joachim 'Joe' Brookes
Schon wieder... eine der klassischen Karrieren.
Von zuhause weg, ab nach Los Angeles.
Mit vierzehn Jahren legte sie zum ersten Mal Hand an eine Gitarre und kaum 16 hatte sie nur noch 'open mic nights' im Kopf und suchte jede Gelegenheit dort aufzutreten.
Kommissar Zufall hatte wohl seine dicken Finger im Spiel, denn ein Freund nahm die Ahn mit in ein Studio.
Dort war gerade Amos Lee fleißig mit seiner ersten Platte beschäftigt und schwups... Priscilla Ahn sang auf "Supply And Demand" stante pede mit. In dem Studio bekam sie einen Praktikumsplatz. Immerhin besser als vielleicht Kellnern, was ebenfalls in ihrem Lebenslauf steht.
Hey, Amos Lee ist ein Künstler, der einen Vertrag bei Blue Note hat. Und, klingelt es?
Über Joshua Radin, mit dem sie auch unterwegs war lernte Ahn den Produzenten und Schlagzeuger Joey Waronker kennen. Freie Tour-Zeiträume wurden für Studio-Aufnahmen genutzt und 2006 erschien ihr Debüt in Eigenproduktion.
Hinz kennt Kunz und nun ist Priscilla Ahn einen angesehene Blue Note-Künstlerin. Der Amos-A&R-Manager hat ihr da schon ein Stück weit geholfen.
Von ihrem Debüt landeten "Dream" sowie "I Don't Think So" in neu eingespielten Versionen auf ihrem nun auch in unseren Breitengraden vorliegenden CD "A Good Day".
Mit einer sonnigen Los Angeles-Mentalität sowie einem Schuss Melancholie der Ost-Küste hat Priscilla Ahn eine gute, zuweilen sehr gute Mischung aus Pop als auch Singer/Songwriter-Material zusammengestellt.
Hervorzuheben ist auf jeden Fall, dass fast alle Titel von ihr geschrieben wurden.
Einerseits hat sie sich bei Willie Nelson bedient ("Opportunity To Cry") und andererseits bei Benji Hughes ("Masters In China").
Die Ahn hat eine Stimme zum Dahinschmelzen.
Sehr wohl hat man sich mit Erfolg Gedanken darüber gemacht, in welches Klang-Bett man die einzelnen Tracks bringt. Da ist ganz Arbeit geleistet worden und dann auch noch mit Erfolg. Ob es ein Vibrafon, die exzellenten Piano-Passagen eines Larry Goldings, eine Harp oder gar eine singende Säge ist, es passt perfekt und mündet in elf hingebungsvoll gespielte Nummern, die allesamt hochwertiges Singer/Songwriter-Milieu reflektieren.
Wenn Streicher und ansonsten nicht viel mehr an Instrumentierung dazu kommt, hat die Ahn was von einer Madeleine Peyroux ("Leave The Light On").
Ein Song wie "Astronaut", den sie übrigens zusammen mit Gus Seyffert geschrieben hat, besticht durch ein ganz besonderes Flair. Auch in der heutigen Zeit immer wieder gerne gehört, wenn einem XTC-Ähnliches an die Ohren kommt.
Frappierend, mit welchen Mitteln man die Songs in Szene setzt. Priscilla Ahn ist da immer wieder für eine Überraschung gut.
Ein wenig Leonard Cohen, eine Basslinie, die an Lou Reeds "Walk On The Wild Side" erinnert und viel sehr persönliche Musik von der Amerikanerin… das macht "A Good Day" aus.
Alle Instrumente reflektieren eine intime Atmosphäre und selbst nach zig Hördurchgängen ergehen sich die Songs nicht in Belanglosigkeit. Der Pop-Appeal ist auf hohem Niveau und man darf sicher sein, dass sich die Lieder aus dem Album eines guten Airplay erfreuen dürften.
Mit dem letzten Song, gleichzeitig auch Titeltrack, ist ihr ein ganz großer Wurf gelungen. Selbst bei einer Live-Umsetzung mit weniger opulentem Line-up haben die Lieder Potential, um auch in kleiner Besetzung oder gar Solo zu glänzen.
Priscilla Ahn hat ihre Individualität in die Waagschale gelegt und dabei ist ein sehr persönliches Album entstanden.
Line-up:
Priscilla Ahn (vocals, guitar, ukulele, harpsichord, harmonica, keyboards, autoharp)
Mike Andrews (guitar, ukulele)
Gus Seyffert (guitar, bass, keyboards, bells, vibraphone, toy piano, lap steel, backing vocals)
John Kirby (vibraphone)
Oliver Kraus (cello, keyboards, strings)
Keefus Ciancia (piano, keyboards, harpsichord)
Larry Goldings (piano, keyboards)
Greg Kurstin (keyboards)
Zac Rae (celeste, keyboards, chamberlin)
Joey Waronker (drums, moog bass, keyboards)
Ursula Knudsun (singing saw)
Jim Gilstrap (backing vocals)
Orin Waters (backing vocals)
Tracklist
01:Dream (3:31)
02:Wallflower (2:58)
03:I Don't Think So (2:18)
04:Masters In China (3:18)
05:Leave The Light On (3:16)
06:Red Cape (2:56)
07:Astronaut (3:33)
08:Lullaby (4:44)
09:Find My Way Back Home (2:27)
10:Opportunity To Cry (3:26)
11:A Good Day (Morning Song) (3:22)
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