Willy Astor / The Sound Of Islands Vol. IV
The Sound Of Islands Vol. IV Spielzeit: 54:36
Medium: CD
Label: Ariola/Sony Music, 2007
Stil: Akustische Worldmusik

Review vom 02.09.2007


Norbert Neugebauer
Dass der Münchner Humorist Willy Astor ("Wortstudio") auch eine durchaus ernstzunehmende musikalische Seite hat, ist nicht unbedingt bekannt. Sein Nebenprojekt Sounds Of Islands hat seit 1994 immerhin vier CDs abgeworfen, die seine Qualitäten als Komponist und Gitarrist unter Beweis stellen.
Allerdings ein 'Virtuose', wie manche Kulturkritiker allzu wohlwollend meinen, ist er deswegen noch lange nicht. Deshalb hat er auch wirkliche Könner an seine Seite geholt. Zusammen mit verschiedenen Kollegen nahm er poetische, instrumentale Akustik-Alben auf. Waren die Nr. 1 - 3 Saiteninstrument-orientiert, so überrascht die vierte Auflage mit dem Klavier als neuer Partner. Martin Kälberer ist der Mann an den Tasten und für die Percussions, der öfters in den Blickpunkt rückt. Titus Vollmer am Bass und an der zweiten Gitarre sowie Dauerpartner Kiko Pedrozo an der Harfe sind die weiteren Mitspieler.
Die weitere Dominante des neuen Albums ist die überwiegend lateinamerikanische Ausrichtung, die bei den Vorgängermodellen aber auch schon immer mit vorhanden war. Beim ersten Titel kommt das zwar noch nicht zum Tragen, dafür spielt aber das Piano die verträumte Hauptrolle. Jazzverliebter Gitarren/Tasten-Bossa dann, dem mit "Forever Yin Forever Young" ein Fingerpicker-Rag als Hommage an die beiden Kabarettisten Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt folgt.
Auch dem "Kilimandscharo" stülpt Astor ein sanftes südamerikanisches Käppchen über, das mit Soundeinspielungen klangmalerisch ergänzt wird. Dann kommt die Dobro von Vollmer zum Einsatz und "My Dear Singing Club" wird zum stimmungsvollen Gitarrenduett. Das 'improvisierte' "Interludium" ist wohl von dem großen bolivianischen Künstler Atahualpa Yupanqui gehörig beeinflusst worden, das Gast Robert Wolf auf den sechs Saiten zelebriert. "Adios Paraíso" verbreitet sonniges Samba-Flair, beim "Walzer in die Nacht" sorgt das Akkordeon von Kälberer für leichte Melancholie. Der legt dann zusammen mit dem Harfenisten die nächste Improvisation "Momentum" auf. "Inschallah!" ist die wohl komplexeste Komposition, die den Zuhörer siebeneinhalb Minuten lang in eine bezaubernde orientalische Szenerie entführt. Dann swingt es klassisch, die dicke Jazz-Gitarre in munterer Unterhaltung mit dem Klavier, dazu brummt der Kontrabass. Zum Schluss lädt Astor seine Gäste auf den Campo von Siena ein, einfach nur mit ihm im weiten Muschelrund sitzen, den Leuten beim Nichtstun zuschauen und den Nachmittag auf dem gotischen Pflaster genießen - die Leichtigkeit des Seins in 3:21.
"The Sound of Islands Vol. 4" ist vielleicht nicht so eingängig wie die Vorläufer und mit seiner südamerikanischen Orientierung etwas gewöhnungsbedürftig. Aber erneut ein schönes Album zum Entspannen oder entspannten Zuhören, je nach Lust und Laune. Gute Unterhaltung!
Ein Extra-Lob gibt es für die liebevolle Aufmachung. Dem wertigen Digipack mit eingeschobenem Booklet und CD im schwarzen Vinyl-Look ist eine vorbildliche Medienmappe für die besprechende Zunft beigefügt. Während andere Promoter nur noch kastrierte Alibi-Produkte zur Verfügung stellen, klotzt die Plattenfirma hier sehr eindrucksvoll. Wird anerkennend zur Kenntnis genommen!
Tracklist
01:Nelivaru (5:10)
02:Bossa Me Mucho (4:50)
03:Forever Yin Forever Young (3:23)
04:Kilimandscharo (6:48)
05:My Dear Sir Singing Club (3:47)
06:Interludium (1:34)
07:Adios Paraíso (5:02)
08:Walzer in die Nacht (4:50)
09:Momentum (3:30)
10:Inschallah! (7:34)
11:Home Swing Home (3:51)
12:Un Pommeregio A Siena (3:21)
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