Der Name Bluesberry geht besser von der Zunge, als der bürgerliche Name der Barbara: Malinowski. An und für sich könnte sie sich auch 'Countrycherry', 'Funkbrown' oder 'Jazzbillie' nennen, denn mit den zehn Tracks ihres ersten Albums gibt die noch nicht zwanzigjährige Polin ein Stelldichein aus Blues, Jazz, Country und Rock zum Besten.
Die hier aufspielenden Bandmitglieder kommen aus verschiedenen Musikrichtungen und der 12-Takter dürfte fast flächendeckend das Zentrum der Musikvorlieben sein. Hört man die CD quer oder geradewegs durch, trifft man so ziemlich immer auf Stellen, die antörnen. Insgesamt überwiegt bei der jungen Sängerin die Bluespackung.
Für sieben Songs verfasste sie die Texte und mit "Do What You Wanna Do", komponiert von Gitarrist Filip Kozlowski, gibt es einen herrlich groovenden Gypsy-Jazz. Unter den vielen Einflüssen, die in Zusammenhang mit Barbara Bluesberry aufgelistet werden, passt hier der mit Madeleine Peyroux durchaus.
Ach, weil wir schon gerade bei Kozlowski sind: Er hat auch den Rausschmeißer "Don't Miss A Beat" geschrieben und dieses Ding ist ein ausgewachsener Blues-Boogie mit ganz scharf klingenden E-Gitarren und einem klasse Solo aus der Hand des Komponisten. Diese Nummer ist mehr als nur ein Gesellenstück für die Sängerin.
Der Opener fällt in die Sparte Melodic-Blues, wenn es so etwas gibt und wird von einer gut in Szene gesetzten Slide-Gitarre begleitet, die schwer aktiv ist und das Blues-Harpsolo von Agnieszka Senk passt klasse in den Track. Am Ende macht das Stück eine überraschende Wendung. Zu Handclaps gibt es mächtig viel gesangliches Gospelfeeling und ich frage mich, wer denn da alles mitmacht. Es klingt nach viel mehr Stimmen, als nur die von der Sängerin sowie Kozlowski. Mehr werden im Line-up des Songs allerdings nicht aufgelistet.
"Cowboy" ist ordentlicher Rock mit hymnischem Refrain und "Don't Cry Angelina" ist mainstreamiger Country, wieder mit der Mundharmonika, dieses Mal von Bartek Leczycki verfeinert. Im ersten Stück kam Bluesberrys Stimme nicht so überzeugend rüber. In den folgenden Songs relativiert sich dieser Eindruck weiter nach oben. Besonders wird das in der Ballade "Thills" deutlich. Der Slowsong ist in einem akustischen Ambiente gehalten. Da kommen die perlenden Pianoläufe von Piotr Kubiak besonders zur Geltung. Highlight! Der einzige Coversong ist "Jolene". Das Stück erhält eine rockige Komponente, wieder mit toller Slide-Gitarre versehen.
"London Blues" rockt wieder stark und irgendwie muss man der Sängerin und den Musikern attestieren, dass sie es verstehen, den 12-Takter mit verdammt guten Melodien auszustatten. Nach einem leckeren Abstecher in die funkige Ecke ("Billy Joe"), gemischt, aber nicht verwässert durch ruhigere Phasen, kommt es zu einem weiteren Groove-Stück, das abermals mit einer, über die gesamte Spielzeit zu genießender, tollen Slide-Gitarre daherkommt. Das E-Gitarrensolo findet dann aber ohne das Bottleneck statt. "Your Scene, Your Women" bringt keine neuen Erkenntnisse, allerdings muss man der Bluesberry schon eine starke Stimme bestätigen.
Noch am Anfang ihres Schaffens darf die Polin nicht aus dem Blickfeld verschwinden und mit diesem Debüt kann erfolgreich weiter gemacht werden. Meiner Meinung nach wird man in der Zukunft die Potenz des Songwritings halten können und in der Lage sein, vielleicht die eine oder andere Richtung der Musik noch feiner herauszuarbeiten. Die CD bietet viele Höranlässe und es hat Spaß bereitet, einer solchen Band zuzuhören.
Summa summarum ist das erste Album von Barbara Bluesberry nicht nur physisch eine runde Sache.
Line-up:
Barbara Malinowska (vocals)
Filip Kozlowski (guitars - #1,3,6,9,10, vocals - #1,10)
Agnieszka Senk (harmonica - #1)
Bartek Leczycki (harmonica - #4)
Piotr Kubiak (keyboards - #6,8,9)
Piotr Michalak (piano - #7)
Arkadiusz Goliwas (bass - #1,3,6,9,10)
Andrzej Stagraczynski (bass - #2,4,5,7,8)
Piotr Walorski (drums - #1,3,6,9,10, percussion - #3)
Jacek Jagus (percussion - #1,4,5,7,8, guitar - #2,4,5,7,8, drums - #2,4,5,7,8)
Tracklist |
01:Hitch The Blues (3:55)
02:Cowboy (3:58)
03:Jolene (2:48)
04:Don't Cry Angelina (3:15)
05:Thrills (4:33)
06:Do What You Gotta Do (2:37)
07:London Blues (3:31)
08:Billy Joe (4:06)
09:Your Scene, Your Women (3:47)
10:Don't Miss A Beat (3:30)
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