Moderner und zugleich melodischer Blues Rock von
BDL, den ehemaligen
Blues Deluxe aus dem Ruhrgebiet, das bisher nicht gerade als Szenemittelpunkt für derartige Klänge bekannt ist. Das könnte sich ändern, denn das Quintett präsentiert auf seinem ersten Longplayer elf reinrassige Blues- bzw. Rocksongs auf einem Niveau, das nicht gerade dem Standard entspricht. Seit ihrer Gründung im Jahre 2008 hat sich die Truppe durch unzählige Live-Gigs einen exzellenten Ruf erspielt, der unter anderen auch darauf begründet ist, dass sich die Mitglieder früher als Cover- und
Joe Bonamassa-Tribute-Band betätigten. Mit dieser Basis ausgestattet, kann man die Professionalität ihres Erstlings durchaus nachvollziehen, der durch sein Flair sowie die warme Produktion ein Soundgewand ausbreitet, das selbst leicht skeptischen Charakteren Respekt abnötigt. Gitarrenlastig und stets mehrdimensional, zwischen teils harten und softeren Klängen angesiedelt, sind zahlreiche Anspieltipps vorhanden. Musikalisches Einerlei ist nicht präsent, sondern vielmehr eine Übereinstimmung darin, sich auf Eingängigkeit, Geradlinigkeit und Linientreue zu konzentrieren.
Bei der Cover-Betrachtung kann man in kleinen Buchstaben erkennen, wofür
BDL steht.
»Blues Deluxe - The New Blues-Rock Sensation.« Damit ist klar, dass die Ausrichtung in Richtung Blues Rock geht. Natürlich ergeben sich durch die Vergangenheit automatisch Vergleiche mit dem großen musikalischen Vorbild, aber die halten sich in Grenzen und sind, wenn akustisch überhaupt feststellbar, nur marginal. Zuerst schließen
BDL nahtlos an die Klasse derzeit international aktiver Blues-Rocker an. Sei es
Bluespolish,
Bluesball,
Albert Cummings,
Dave Meniketti oder sogar
BillyLee Janey, die zwar alle ihren unverwechselbaren Stil haben, aber deren Professionalität mit diesem Album mühelos erreicht wird.
BDL legen hier eine reife Leistung hin, bei der die klar strukturierten, melodischen Details sich wohltuend entfalten können. Hier tun sich songwriterische Querverbindungen zu
Bonamassas Werken auf, die ebenfalls auf gleichem hohen Niveau songdienlich umgesetzt sind. Im Mittelfeld des Elf-Trackers tummeln sich Nummern wie "I Don't Care", die zwar keine balladesken Übernummern darstellen, aber dennoch einige stilistische Feinheiten offenbaren. Die Akkorde vereinen sich mit dem teils rauen, aber auch wieder schmeichelnden Organ des Shouters, das viel Gänsehaut pur bietet und bei "Bitter Man" auch zeigt, welche Facetten sich stimmlich darstellen lassen. Ein Midtempo-Rocker der sich perfekt in die Setlist der übrigen Songs integriert.
"Blues In D-Flat", "The Hard Way" und "Help Me" stellen keine Ausnahme im musikalischen Charakter der einzelnen Produktionen dar.
The Ballad Of John Henry mit aufzunehmen, das zwar keine völlig neue Interpretation, aber auch keine musikalisch halbgare Kopie darstellt, ist durchaus nachvollziehbar, denn es bringt den Zuhörer dazu festzustellen, welches Potenzial in diesen nicht nur der Attitüde frönenden sondern auch umsetzenden Musikern schlummert.
BDL können das Songmaterial auf "Retribution" unter der Kategorie Stilvielfalt mit tollem Soundcharakter einordnen. Ein rundum gelungener Einstieg der Blues-'Neulinge' in die erste Riege der nationalen und vielleicht sogar internationalen Rubrik der Künstler mit Debütalben ohne Ausfälle - und vielleicht jetzt schon ein Anwärter auf das beste Blues Rock-Album 2014.