|
Brooklyn ist ein Schmelztiegel der amerikanischen Metropole New York. Dort ist alles möglich. Dort entsteht Musik, die grenzenlos ist. Ob auch immer gut, ist die Frage der Fragen. Bear In Heaven kommt aus Brooklyn. Bear In Heaven ist ein Trio, das beim ersten Hören fast belanglos einfältige Musik produziert. Auch noch retro, Achtzigerjahre. Kraftwerk ist sehr gut. Bear In Heaven klingt zunächst wie eine Blaupause all der Bands, die versuchten, sich mit Synthie-Sounds einen nachhaltigen Namen zu verschaffen.
Jedoch sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben. Oberflächlichkeit wird von dem Trio um Jon Philpot gnadenlos bestraft, denn der Teufel liegt im Detail. Okay, hier ziepen und flirren einem die Synthesizer-Klänge um die Ohren, aber schließlich gibt es da noch einiges an Gitarren-Virtuosität, die sich mit den künstlich erzeugten Tönen ein ums andere Mal eine ordentliche Auseinandersetzung liefern. Schließlich gibt es auf "I Love You, It's Cool" auch noch Kompositionen, die in Richtung Industrial abdriften oder spacig werden. Da passt der Bandname Bear In Heaven perfekt...
Also, Bear In Heaven darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Dreier hat einen infizierenden Groove auf Lager, der einen jederzeit das Tanzbein schwingen lässt. Nur weil Electronic mit von der Partie ist, sollte man nicht gleich zum Stempel mit der Aufschrift 'erledigt' greifen. Die Mucke hat durchaus Ecken und Kanten, ja wirkt zum Teil gar noisig.
"I Love You, It's Cool" ist nicht das erste Elaborat der Combo. Vorgänger war "Beast Rest Forth Mouth" (2010) und als Debüt erschien 2007 "Red Bloom Of The Boom". 2009 war die 12"-EP "Wholehearted Mess" auf dem Markt.
Bear In Heaven wurde 1998 gegründet und klingt reif. Man hat sich quasi aus dem Nadelöhr Pubertät sehr gut entwickelt. Schritt für Schritt wird die Karriere aufgebaut und "I Love You, It's Cool" ist eine weitere Stufe zu mehr Öffentlichkeit. Dieses Album widerlegt die allgemeingültige Meinung, dass es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt. Bei Personen mag so etwas vielleicht zutreffen, aber nicht in der Musik.
Selbst in der dunkleren Ecke des Genres kennt man sich bestens aus und verpasst diesen Momenten doch noch die Wärme eines Taschenlampen-Lichtkegels. Der Gesang ist sympathisch und passt zur Musik, der man auch einen progressiven Charakter immer in Bezug zum Stil, abringen kann. Bei dieser im Studio aufgenommen Platte ist es von Interesse, sich ebenfalls von der Bühnenpräsenz dieses Kollektivs zu überzeugen. Siehe da, die können ja richtig psychedelisch daherkommen. Kompliment!
Das Wechselspiel zwischen Melodie, Gitarren und Synthesizer-Bettdecke hat Format. Bear In Heaven ist tiefgründig, auf der Suche nach dem Urgestein dieses Genres. "Space Remains" ist das ultimative Lied zu Stroboskop-Licht und rotierenden Lichteffekten. "Sweetness & Sickness" ist ein geniales Ende des vierundvierzigminütigen Albums.
Die in Live-Videos gehörte Psychedelic wird hier offenbart. Fast hypnotisch fressen sich die Synthesizer-Loops durch das größte menschliche Organ und die Gitarren sind erfolgreich auf der verzweifelten Suche nach der Seele. Dann ist nach zirka fünf Minuten doch noch nicht ganz Schluss. Obwohl der Abgesang bereits ein Ende fand, geht es munter weiter. Nicht so ganz nimmt man das vorher dominante Thema des Tracks auf und schraubt die Klangkaskaden quasi noch weiter in den Bear In Heaven-Orbit.
Nach anfänglichem Missfallen ob einer gewissen Flachheit der Kompositionen entwickelt "I Love You, It's Cool" richtig Substanz. Wer auf Electronic, Groove und Gitarren steht, darf hier getrost ein Ohr riskieren.
Line-up:
Jon Philpot (vocals, guitar, synthesizer)
Adam Wills (bass, guitar)
Joe Stickney (drums, percussion)
With:
James Elliott (synthesizer)
Rhys Chetham (guitar)
Agathe Max (violin)
| Tracklist |
01:Idle Heart (3:49)
02:The Reflection Of You (4:19)
03:Noon Moon (3:46)
04:Sinful Nature (5:13)
05:Cool Light (4:11)
06:Kiss Me Crazy (3:24)
07:World Of Freakout (4:26)
08:Warm Water (4:22)
09:Space Remains (4:18)
10:Sweetness & Sickness (6:15)
|
|
Externe Links:
|