Bender / Bottom Line
Bottom Line Spielzeit: 38:36
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2015
Stil: (Hard) Rock

Review vom 03.09.2015


Markus Kerren
Vor knapp sechs Jahren in Karlsruhe gegründet wurde die Band Bender, die nach wie vor in dieser badischen Großstadt ansässig ist. Recht bald (im Dezember 2011) erschien das Debütalbum "Of Ghosts And Travelers", das von einem Video ("The Tingo Session") und zwei Singles gefolgt wurde. Bereits im vergangenen Juni kam dann der zweite, mir nun vorliegende, Longplayer auf den Markt. Zehn Tracks verteilt auf knappe 39 Minuten sprechen bereits durch diese Info von knackigem Rock, der so unverfroren wie emotional, als auch melodiös und kompakt zu punkten weiß.
Ein fettes Gitarrenlick eröffnet den Titelsong, der dann von dem abwechselnd wütenden wie auch melancholischen Gesang des Frontmanns Marius Metzler gekontert wird. Da wird direkt zu Beginn eine prickelnde Mischung aus emotionalem Konterfei geliefert, die aufhorchen lässt. Die einzelnen Tracks biegen nicht nur sehr melodisch, sondern auch sehr rau um die Ecke. Bezüglich Bender wird auch immer wieder gerne mal die Stilbezeichnung Grunge ins Spiel gebracht, was ich so aber nicht unterschreiben würde. Die zehn vorliegenden Tracks sind vielmehr geiler, dreckiger, gut komponierter und gespielter Rock deutscher Machart.
Wobei, selbst wenn ich es gerade so definiert habe, ist die Band nicht als deutsche identifizierbar. Das ist internationales Niveau, verstecken müssen sich die Badener ganz sicher weder vor dem europäischen noch amerikanischen Ausland. Die Nummer, die mir bei jedem Hördurchlauf immer wieder besonders auffiel, war "Old Man", da der Refrain schlicht und ergreifend geradezu unter die Haut geht. Was durchgehend Eindruck macht, sind die sehr variablen Kompositionen und Arrangements, die trotz der etwas starren bzw. begrenzten Instrumentation (was an dieser Stelle gar nicht negativ gemeint ist) zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Hauch von Langeweile verströmen.
Nicht nur Marius Metzler erweist sich im Verlauf der Songs als sehr starker Frontmann, die gesamte Band hinterlässt einen blitzsauberen Eindruck, wirkt erfahren wie auch auf die Millisekunde ein- und abgestimmt. Und noch was ganz Anderes: Vielleicht nur eine nette Randnote, aber jedes einzelne Cover dieses Albums ist individuell handbemalt und nummeriert. Was das Ganze zusätzlich noch zu einem schönen Sammlerstück macht. Somit ein kleiner Bonus, den die Scheibe bzgl. ihrer Qualität gar nicht mal benötigt hätte. Aber umso schöner.
Auf "Bottom Line" verströmen die Karlsruher Musiker von Bender ein großes Spektrum von Gefühlen, das von himmelhoch jauchzend bis zu hundeelend geht. Und das sehr authentisch sowie überzeugend, was ja alleine schon ganz entscheidend für das Gelingen einer Scheibe ist. Sehr geile Sache also und man kann eigentlich nur hoffen, die vier Jungs mal im größeren Radius live auf der Bühne erleben zu können.
Das Album wird von der Band ausschließlich über ihre Homepage vertrieben, wo man die Platte entweder als CD (gegen einen Festpreis) oder Download mit Entrichtung eines selbstgewählten Betrages erstehen kann. Die Mucke ist geil und Kosten für die Produktion waren da, also lasst euch nach dem Anchecken (und Mögen) der Scheibe nicht lumpen. Denn geile Musik hat ihren Wert und sollte auch entsprechend gewürdigt werden, mal ganz davon abgesehen, dass auch Bands sich irgendwie über Wasser halten müssen.
Ich sag's auch gerne nochmal: Bender kommt aus Karlsruhe! Und Bender rockt!!!
Line-up:
Marius Metzler (guitars, lead vocals)
Benedikt Maier (guitars, accordeon, background vocals)
Enrico Werner (bass, background vocals)
Frederico Bumb (drums & percussion)

Mit:
Christian Dittrich (organ)
Tracklist
01:Bottom Line
02:Inside, Outside
03:Old Man
04:Sail West
05:Blackened Sky
06:45 Years
07:Come & Go
08:Break
09:Like The Wind
10:Ocean
Externe Links: