Black Francis / NonStopErotik
NonStopErotik Spielzeit: 36:55
Medium: CD
Label: Cooking Vinyl, 2010
Stil: Rock

Review vom 04.04.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Der Mann steht in der ersten Reihe bei den Pixies.
Nach der Schaffenspause der Alternative-Rocker nannte er sich Frank Black und jetzt heißt es Black Francis. Die Pixies gab es von 1985 bis 1993. Im Jahr 2004 folgte die Reunion ohne Platte, aber mit einer überaus erfolgreichen Tour in den Staaten.
Eines vorweg: "NonStopErotik" ist nicht erotisch und kaum eine Pixies-Platte unter anderem Namen.
Für die Aufnahmen zu vorliegendem Album war er in Los Angeles, London und Boston. An seiner Seite befand sich der Produzent Eric Drew Feldman (Captain Beefheart, Pere Ubu, The Residents, PJ Harvey), der unter anderem auch die Pixies unter seinen Fittichen hatte.
Black Francis ist ein Surrealist.
Mit "NonStopErotik" will der Protagonist viel, so divergent, wie der diese CD erschaffen hat. Seinen eingefleischten Fans wird es schnuppe sein. Endlich gibt es ein neues Black Francis-Album! Stilistisch fast überall zu verankern, reflektiert dieser Rundling seine Fantasie über Erotik und Sex. Was da so alles an literarischen Ergüssen niedergeschrieben wurde, soll nicht so relevant sein.
Was das knarzige "Wheels" von den Flying Burrito Brothers auf der Platte zu suchen hat, ist mir nicht schlüssig. Schräg gestalteter Country Rock Marke Francis.
Es gibt Gelegenheiten, da lautet die Entscheidung nach zwei, drei Songs nur... raus aus dem Player mit der CD. Dann wieder findet man tierischen Gefallen an den zum Teil ungewöhnlichen Songs. Manche, wie zum Beispiel das orchestrale "Cinema Star", die Piano-Ballade "NonStopErotik" oder das etwas punkige "Six Legged Man" sind ständig hörenswerte Kompositionen.
"Wild Son" hat eine entspannte Atmosphäre und das Piano wird schön honky gespielt. Die E-Gitarre fabuliert in bluesigen Metaphern.
In "Dead Man's Curve" hinterlässt Francis eine eigenwillige Spur aus der Roots Music. Es rockt nicht neu und hier verzichtet er auf seine ansonsten hohe Stimme. Der Amerikaner lässt viel mehr den Shouter raushängen.
"Rabbits" könnte man sich gut in einer verträumten Filmphase vorstellen. Diesem süßen Überzug konnte ich bei keinem der zig Hördurchgänge etwas abgewinnen. Selbst das spät einsetzende Saxofon ändert nichts am langweilen Eindruck.
So richtig bringt der Protagonist nichts wesentlich Neues unter die Leute.
Egal ob er rockt oder balladesk daherkommt, diese Art der Musik ist ersetzbar. Francis singt zwar über 'wheels', fügt den Dingern aber keine entscheidenden Hooks hinzu. Manchmal versinkt das Dargebotene in der Beliebigkeit. Bei dem einen oder anderen Track kommt man zum Schluss, dass ein Iggy Pop den Punk wesentlich besser drauf hat und selbst die Kinks genüsslicher rocken können.
Wahrscheinlich gibt es Leute, die mit dieser Platte sehr viel mehr anfangen können. "NonStopErotik" ist Durchschnittsware, die man, abgesehen von seiner markanten Stimme, wohl an jeder Ecke zu hören bekommt. Von den eh nur sechsunddreißig Minuten bleiben unter dem Strich nicht viele übrig, die absolut gefallen und vielleicht geht es ja bei der nächsten Platte wieder bergauf. Zumindest steht fest, dass es wohl so bald nichts mit einem neuen Pixies-Album werden wird.
Tracklist
01:Lake Of Sin (4:29)
02:O My Tide Sum (3:47)
03:Rabbits (2:00)
04:Wheels (2:39)
05:Dead Man's Curve (2:56)
06:Corrina (2:03)
07:Six Legged Man (2:47)
08:Wild Son (3:25)
09:When I Go Down On You (3:40)
10:NonStopErotik (3:27)
11:Cinema Star (5:42)
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