Tja, jetzt wird wieder um die Aufmerksamkeit der Anhänger des gepflegt dreckigen Retro Rock oder auch Stoner Rock gebeten, denn die vier Jungs aus dem schwedischen Orebro sind mit ihrer ersten eigenständigen CD am Start.
Ende 2006 gab es eine gemeinsame Platte mit Asteroid und ihr neues Baby hört auf den Namen "Morning Wood".
Da suchen wir nicht lange rum, nehmen direkt den auf dem Cover abgebildeten Baum und stellen uns vor, dass das Quartett, alle mit einem Stechbeitel ausgerüstet, eine Liebeserklärung in die Rinde ritzt. Im Herz stehen die zwei Namen: Blowback und Black Sabbath.
Stefan, Chris, Seb und Henke haben sich den Siebzigerjahre-Rock dieser Katogorie löffelweise einverleibt und wohl noch nicht ganz verdaut, denn das aktuelle Album strotzt nur so vor Heavy Rock mit Elekromeißel-Qualtität.
Mit ihrer Mucke schaben sie geschickt die Patina dieses Genres ab und bringen es zu neuem Glanz. Unglaubliche Riff-Ideen stoßen auf Hammer-Drumming, Bass-Attacken und voluminösen Gesang. Stefan hat belastungsfähige Stimmbänder.
Der Vierer gibt tonnenschweren Rock von sich und lässt dem Hörer kaum Raum zum Atmen. Mit unbändigem Spieltrieb avisieren die Schweden stets die Zwölf und es gibt ordentlich was auf die Lauscher.
Sie machen aus ihren Vorlieben keine Mördergruben und scheuen nicht davor zurück, phasenweise wie die großen Vorbilder zu klingen, ohne vor ihnen zu erstarren.
Das Konzept passt und es ist schon so, dass Blowback beim Hörer auch Gnade vor Recht ergehen lässt, denn sie gönnen uns auch die Zeit, den Schweiß, welcher sich in der ersten viertel Stunde auf der Stirn angesammelt hat, zu beseitigen.
Nachdem man mit dem Opener "Kamasutra" Stellung bezogen hat, "Sleeping Widow" an uns vorbeigerauscht ist, sich "Eclipse Of The Antropoid" rhythmisch wechselnd in den Gehörgängen festgefressen hat und "Insanity" die Gläser im Schrank klappern lässt, packt man für "Yesterday Is Gone" die akustische Gitarre aus und 'schrammelt' sich spätestens jetzt in des Rockers Herz.
Dieser Track ist so etwas wie die selbst gemachten Markklößchen in der Hühnersuppe… ein bisschen was Besonderes. Ohne Tieftöner klingt es, als seien zwei Akustische am Werk und in der Mitte setzt eine schmeichelnde elektrische Wah Wah-Gitarre ein, die unisono ins Geschehen eingreift. Stefans Stimme schwirrt mal für einen Moment zwischen den Kanälen hin und her und der Schlagzeuger Henke kann sich eine Zigarette rauchen.
Es folgen drei weitere Songs, allesamt mit einem Gütesiegel aus der heftigen Abteilung versehen und dann zeigen die Vier, was so live on stage abgeht.
Den Auftakt macht "Holy Skies" vom Vorgänger und prompt werden einem die Augen geöffnet: Blowback haben es auch bei Konzerten drauf. Der Retro-Trip findet im Tripel seine Fortsetzung. "Eclipse Of The Antropoid" sowie "Living" hatten wir zwar schon, aber die Wiederaufnahme der Studiomasche ist echt lohnenswert. Beide Songs klingen ein Stück roher und der Solo-Gitarren-Einsatz ist noch abgedrehter.
Die psychedelische "Living"-Eröffnung spricht eine deutlichere Sprache als vorher und nach fünfeinhalb Minuten ist der Zauber dann schlussendlich vorbei.
Nach "Yesterday Is Gone" war auch der zweite Album-Teil transpirierend und insgesamt machen Blowback auf "Morning Wood" eine sehr gute Figur.
Sound-mäßig haben die drei Live-Songs nicht ganz die Güte der Studio-Aufnahmen, aber das ist halt Rock'n'Roll. Einen Eindruck ihrer Gigs haben sie vermittelt und da lohnt es sich, diese Gruppe auch bei einem Konzert zu besuchen…
Alles in allem werden die Schweden mit dem neuesten Werk 8 von 10 RockTimes-Uhren gerecht.
Line-up:
Stefan (vocals)
Chris (bass)
Seb (guitar)
Henke (drums)
| Tracklist |
01:Kamasutra (4:13)
02:Sleeping Widow (5:55)
03:Eclipse Of The Antropoid (3:41)
04:Insanity (4:39)
05:Yesterday Is Gone (3:37)
06:Living (4:57)
07:Lazy (4:28)
08:Phase One And Two (3:50)
09:After The Sun (4:22)
10:Holy Skies (Live) (4:26)
11:Eclipse Of The Antropoid (Live) (3:48)
12:Living (Live) (5:29)
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