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Wie man sich täuschen kann. Nie und nimmer würde man darauf kommen, dass es sich bei Bombay Show Pig um ein Duo aus den Niederlanden handelt. Mathias Janmaat und Linda van Leeuwen sind Bombay Show Pig. "Vulture/Provider" ist deren Debütalbum, das in ihrer Heimat bereits 2012 auf den Markt kam und dort viel Lob einfahren konnte. Die RockTimes-Qualitätskontrolle wird in der folgenden Rezension nicht umhinkommen, ebenfalls in díeses Horn zu blasen.
Den Namen Bombay Show Pig muss man sich unbedingt merken. Was uns das Duo mit einigen weiteren Mitwirkenden bietet, ist ein beeindruckendes Niveau an musikalischen Tugenden, die überhaupt erst einmal in Worte gefasst werden wollen.
Auch auf der Bühne hat man bereits einen hervorragenden Eindruck hinterlassen und trat schon auf so einigen Festivals auf. Für Bombay Show Pig ist die große Schublade des Indie Rock viel zu klein. Die Musik des Duos ist großformatiger, denn sie bietet unzählige Alternativen des Rocks, die durchaus auch bis zum Garagesound führen.
Mathias Janmaat und Linda van Leeuwen decken selbst eine Vielzahl von Instrumenten ab, die eine ganze Band ausmachen. Allerdings hat es sich der Zweier nicht nehmen lassen, so einige weitere Musiker teilnehmen zu lassen, um das eh schon bunte Treiben in einigen Nummern noch farbenfroher zu machen. So ist zum Beispiel Frank Wienk am Vibrafon zu hören. Joost de Glopper spielt Harmonium, Fay Locsky die Theremin oder Patrick Votrain bläst die Tuba. In diesem Zusammenhang ist Violinistin Sietse van Gorkom als etwas fast Normales einzusortieren.
Wenn Bombay Show Pig, wie im Informationsblatt zur CD steht, Arcade Fire, Blur und Yeah Yeah Yeahs als Einflüsse nennt, dann kann dieser Kreis aus meiner Sicht noch um XTC erweitert werden, denn hier und da gibt es Erinnerungsanker an die britische Band.
Songs wie zum Beispiel "Heart In A Headlock" machen die faszinierende Musik der Niederländer so unberechenbar. Harte, freakige Gitarrenriffs übermannen den Hörer. Dazu werden knochentrockene Basslinien serviert und plötzlich löst sich alles in feine Streicheleinheiten auf. Nur für einen kurzen Moment, dann wird wieder alternativ gerockt. Das folgende "Start/Rewind" ist auch so ein Wechselbad des heftigen Rock, gepaart mit einschmeichelnden Popmelodien.
Mit "Fingerprint" hat Bombay Show Pig eine brillante Ballade in der Tracklist. An dieser Stelle soll der tolle Gesang beider Künstler, ob solo oder im Duett, gelobt werden. Zu sphärischen, geschickt arrangierten Keyboardklängen und einem perkussiven Hintergrund kommen im Schlussteil auch noch Bläsersounds zum Zuge. Klasse! Den Titel des Tracks "Making Friends" möchte man glatt wörtlich nehmen, ganz abgesehen, worum es in dem Lied textlich geht. Mit dieser Art von Musik macht sich das Duo definitiv viele Freunde. Wenn im schön gestalteten Digipak steht, dass »Recordings of the art installation 'Sound' in Weert are used in track 1, 12« dann geht man mit diesen Samples sehr dezent um. Viel mehr ist höchst interessant, wie Fay Lovsky die singende Säge in "Shackles And Chains" einsetzt. Einfach toll, diese zusätzliche Klang-Verstärkung.
Die Grundlage für gelungene Lieder ist das Songwriting und hier muss schon wieder gelobt werden, denn Mathias Janmaat und Linda van Leeuwen haben mit einer geringen Unterstützung von Simon Akkermans, der auch produziert hat, sowie Tjeerd Bomhof komponiert. Respekt dafür!
Bombay Show Pigs Debüt "Vulture/Provider" ist ein musikalisches Kuriositätenkabinett mit magnetischer Anziehungskraft. Man möchte schon für den Erstling eine Tippgrafik rausrücken, aber vielleicht warten wir auf den Nachfolger und wenn auch auf diesem hohen Niveau schwimmt, dann wird die Vergabe eben nur verschoben.
Line-up:
Mathias Janmaat (vocals, guitar, bass, piano, organ, synthesizer, percussion, noise)
Linda van Leeuwen (vocals, drums, organ, percussion)
With:
Frank Wienk (percussion - #2,3,6,11, marimba - #12, vibraphone - #5)
Joost de Glopper (harmonium - #6, backing vocals - #8)
Fay Lovsky (theremin - #1,12, musical saw - #2)
Daniel Rose (bass - #7)
Morris Kliphuis (horn - #6)
Patrick Votrain (tuba - #6)
Sietse van Gorkom (violin - #9)
| Tracklist |
01:Sancho Panza (3:10)
02:Shackles And Chains (2:45)
03:On A Plane (3:43)
04:Heart In A Headlock (1:53)
05:Star/Rewind (5:03)
06:Fingerprint (3:32)
07:Stuck In My State Of Mind (2:54)
08:Timewaster (3:05)
09:Sharp Like (3:30)
10:Ill Intention (3:08)
11:Wires (2:55)
12:Making Friends (4:00)
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