Boolfight / From Zero To One
From Zero To One Spielzeit: 43:55
Medium: CD
Label: Last Wonder Lions/Anticraft, 2008
Stil: Indie Rock

Review vom 29.12.2008


Joachim 'Joe' Brookes
Boolfight kommt aus Frankreich.
Wie der Album-Titel suggeriert, traut sich das Trio nicht so viel zu. Von Null auf Eins, ein erster Schritt vielleicht.
Als Newcomer kann man die Franzosen auch nicht bezeichnen, denn bereits im Jahr 1999 veröffentlichten sie ihre erste EP mit dem Titel "Peacemaker" und bis 2005 folgten vier weitere Kurz-CDs.
"From Zero To One" ist ihr erster Longplayer.
Nach einem Aufenthalt im sonnigen Kalifornien überkam den Dreier wohl Heimweh und man kehrte zurück nach Frankreich. 2006 konnte Boolfight mit der Single "Been Down", auf vorliegendem Album nicht enthalten, in diversen Download-Charts punkten und Produzenten wie A. Gaillet (unter anderem Brian Molko/Placebo) sowie Steve Bradley (No Doubt) um sich scharen.
Pedro, MaN (guitar, vocals) sowie Tonio (drums, bass) nennen sich die Musiker und aus einem vorherigen Line-up geht hervor, dass es mal einen Mark gegeben hat, der Gitarre und Bass bediente. Ob der Pedro diesen Part komplett übernommen hat, ist nicht herauszubekommen.
Hinter dem Band-Namen verbirgt sich eine Art Philosophie. Der Teil 'fight' dürfte klar sein... Die drei Männer sind Kämpfer.
Aber 'Bool'? Vielleicht eine kreative Abwandlung von Boule, diesem nervenaufreibenden Spiel mit den Kugeln, auch Boccia genannt.
Nein, trifft nicht zu. Es ist kompliziert und doch einfach, wenn man sie einmal kapiert hat, die Geheimnisse der Mathematik. Keine Sorge, die Erklärung auf der Band-Homepage wird verkürzt geboten, weil interessant: Ein englischer Mathematiker namens George Boole hat die boolesche Algebra verbrochen und die beinhaltet eine Boolesche Variable. Die kann nur mit 'richtig/falsch' oder '0/1' bezeichnet werden. Dieses mathematische Konzept war die Grundlage für digitale Technologien. So etwas widerspricht der menschlichen Natur, die vielschichtig ist. Boolfight versteht sich somit als Sinnbild der menschlichen Bedingung und kämpft gegen die Vereinfachung.
Wie sind die Franzosen bloß darauf gekommen? Aber ein weiteres Fass der Erklärung wird nicht aufgemacht und es ist auch nirgends etwas dazu zu finden.
Zweimal Bass, zweimal Gitarre, einmal Schlagzeug. Wie man es dreht und wendet: Das geht auch nicht immer auf.
Die Drum-Sounds klingen teilweise nicht unbedingt wie natürliche Fell-Bearbeitung. Einige Male wurden sie für den Gitarren-lastigen Indie Rock künstlich erzeugt und Stimmen-Samples wurden auch in einige Tracks integriert.
Womit wir mittendrin sind, in der Musik von Boolfight.
Richtig gut ab geht der Opener "Plastic Years".
Satte Gitarren, ein kräftig pumpender Bass und das echte Schlagzeug übermitteln einen vorwärts marschierenden Song. Gepaart mit der tollen Melodie wirkt dieses Stück wie ein elektrisierender Funke. Wenn dieses Niveau gehalten wird, dann stehen einem Indie-rockigen Hör-Vergnügen nichts im Weg.
Rhythmisch vertrackter kommt am Anfang "There Is No Plan B" daher. Schrammelnde Gitarren bieten eine Art Gegen-Part zum eingängigen Refrain, der sich geradezu poppig anhört.
Dagegen ist "Intrinsic" ein richtig aufsässiges Stück Musik mit frechen Gitarren-Riffs und... abermals großem Refrain. Boolfight bieten ein echtes Kontrast-Programm. Die Stimmung steigt.
Der Dezibel-Kampf setzt sich mit "What Can You Sing" fort und man klampft am Anfang eine akustische Gitarre. Klingt schön sphärig, bis die verstärkten das Kommando übernehmen. Es entwickelt sich ein Wechselspiel und das Trio sollte spätestens jetzt Obacht geben, dass ihre bisher tollen Refrains nicht zu eintönig werden. E-Gitarren schneiden die Luft in Scheiben und am Ende der Nummer kommen noch einige verfremdende Effekte dazu, bis sich die Instrumente einzeln verabschieden. Das Schlagzeug hat den längsten Atem.
Mit seiner Post-punkigen Ausrichtung stellt "Yeah Right" eine Auflockerung des bisherigen Konzepts dar. Ein feines Bass-Solo wird geboten und dann gibt es wieder Stimmen-Samples, die nicht zu verstehen sind, dem Song aber irgendwie einen besonderen Kick geben. Synthesizer-Gezirpe mischt sich ein.
Die Beats von "Let Me Know Shit" sind elektronisch erzeugt und mit einer funkigen Gitarre sowie einem entsprechend geslappten Bass schicken uns die Franzosen auf die Tanzfläche. Diese Funk-Riffs könnten auch in einem Blues Rock-Stück Platz nehmen.
Zunächst wirkt "CA Kings" wie schon einmal gehört, allerdings gibt man der Komposition dann doch noch ein anderes Outfit. Ein wahres Riff-Monster streckt seine Tentakel aus.
Im Boolfight-Universum gibt es auch so etwas wie eine Ballade. Die hört auf den Namen "Damn You" und kommt ohne künstliches Futter aus. Drei Männer pur, sozusagen. Spartanisch instrumentiert, kann man auch in Ruhe die tolle Stimme des Sängers genießen. Ein schönes Stück. Leider einzigartig.
Im vorletzten Song geben sich ruhigere Phasen, an Joy Divison erinnernd, mit Heftigerem die Klinke in die Hand und auch hier hören wir elektronische Zutaten. Trotzdem gut!
Boolfight machen guten Indie Rock mit einigen Überraschungs-Elementen und sind mit ihrem Album schon weiter auf der Skala gekommen, als der Platten-Titel es ausdrückt.
Man darf gespannt sein, was noch folgen wird.
Tracklist
01:Plastic Years (3:23)
02:There Is No Plan B (4:13)
03:Intrinsic (3:29)
04:What Can You Sing (5:13)
05:Yeah Right (5:45)
06:Let Me Know Shit (3:27)
07:CA Kings (4:24)
08:A Golden Age Of Waste (2:31)
09:Damn You (3:05)
10:Leave The Rest/Take Off (5:09)
11:Lost In Noise (3:17)
Externe Links: