The Bounty Hunter Gang / Separate Roads
Separate Roads Spielzeit: 61:07
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2008
Stil: Southern Rock

Review vom 18.08.2008


Moritz Alves
Ein gelbstichiges Foto von rostigen Eisenbahnwaggons nebst einer Weiche ziert das Cover von "Separate Roads", dem aktuellen Machwerk der Bounty Hunter Gang. Wenn man sich dieses Bild so anschaut, dann hat der Fünfer um Bandkopf Chris Davis den Albumtitel ziemlich plastisch umgesetzt. Wenn man dann noch bedenkt, dass einem hier eine gute Stunde lang Southern Rock präsentiert wird, macht das Ganze erst recht Sinn: Einsame Gleise irgendwo im Südosten der Vereinigten Staaten passen doch recht gut ins Klischee.
Nachdem die CD in den Player gewandert ist, bleibt das Erstaunen auf meiner Seite aus, denn solche Musik hatte ich erwartet. Hier wird nicht gerade bissig, kantig und heavy gerockt, sondern mit Einspritzern aus Blues, Country und Classic Rock ein eher moderateres Süppchen gekocht. Verzerrte Gitarren sind quasi gar nicht vertreten, es wird ab und zu höchstens mal angezerrt zur Tat geschritten. Auch stampfende Rhythmen sucht man vergebens, alles ist schön leichtfüßig bzw. ruhig arrangiert. Die Bounty Hunter Gang ist also nicht zu vergleichen mit den kürzlich von mir besprochenen Hogjaw.
Gehe ich nun also noch etwas genauer auf die Musik ein: Als Ziehväter werden die 'Kopfgeldjäger' die Allman Brothers Band, die Outlaws, Lynyrd Skynyrd oder 38 Special garantiert nicht verleugnen, da man sie ansonsten nämlich stilecht am Galgen aufknüpfen müsste. Kollegen wie Molly Hatchet, die eine Spur härter zu Werke gehen und von deren gleichnamigem Song man sich den Bandnamen ableitete, sind hingegen weniger Bestandteil des Bounty Hunter-Sounds.
Dieser ist übrigens sehr vielfältig ausgefallen und reicht von beschwingtem, Country-lastigem Material über bluesige Ausflüge bis hin zu balladesken Nummern. So wippt beim Opener "High Road" unweigerlich der Fuß mit. Kein Wunder, kann man das Stück doch als kleine Verbeugung vor den Herren Collins, Rossington und Van Zant (und somit den frühen Lynyrd Skynyrd) sehen. Weitere Highlights sind "High Wire" (westernmäßiger Refrain), der Titeltrack (als Ballade beginnend, mausert sich dieses über sechsminütige Monster zu einer flotten Lead-Gitarren-Orgie), das Instrumental "Smilin'" (erinnert an "Little Martha" von der Allman Brothers Band), "Oh My Girl" (ein leichtfüßiger, direkt ins Ohr gehender Rocker), "I Need To Know" (ein Shuffle, den sich die Herren saucool aus dem Handgelenk schütteln) oder "Slowly Now" (eine hoffnungsvolle, wunderschöne Ballade, die das Album gebührend abschließt).
An ihren Instrumenten sind die Mitglieder der Bounty Hunter Gang allererste Klasse und so schaffen sie es wahrlich spielerisch, dem Songmaterial Leben einzuhauchen. Auffällig sind vor allem die die Strophen untermalenden, sauber gespielten Gitarren-Leads, die in den eigentlichen Solo-Passagen gerne mal ins Zweistimmige hochgeschraubt werden. Die glasklare, warme, organische Produktion tut ein übriges, um die 14 Nummern richtig in Szene zu setzen.
Fazit: Wer auf moderaten Southern Rock steht, ist bei den 'Kopfgeldjägern' bestens bedient. Hier ist eine Truppe am Werk, welche die klassischen Elemente des Genres gebührend ins neue Jahrtausend gerettet hat. "Separate Roads" ist eine runde Sache geworden, bestens geeignet für Trips in sengender Sonne auf staubigen Landstraßen und Pausen an verlotterten Tankstellen. Bei einer solchen Scheibe weht der charakteristische, vertrocknete Steppenläufer (auch Tumbleweed genannt) wie von selbst durchs Wohnzimmer, sollte man sich denn entschließen, die Scheibe auch mal außerhalb seines Trucks abzuspielen.
Line-up:
Gary Brynok (lead vocals)
Chris Davis (lead, slide, & rhythm guitars, lead vocals on - #4, 12, 14)
Thom "Goose" Greis (lead & rhythm guitars, vocals)
Jeramy Kattner (bass)
Frank Arcure (drums, vocals)
Tracklist
01:High Road (3:45)
02:You Don't Have To Be Lonely (3:32)
03:Strong (4:33)
04:High Wire (5:00)
05:Lose Your Name (4:19)
06:Same Mistake (4:46)
07:Separate Roads (6:23)
08:Smilin' (3:25)
09:What A Fool (4:34)
10:Oh My Girl (3:30)
11:I Need To Know (3:13)
12:Bad Things (4:58)
13:Honest Man (4:29)
14:Slowly Now (4:40)
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