Delbert McClinton spielte nicht erst seit dem vorliegenden Album "Etta Does Delbert" eine ziemlich wichtige Rolle bei Etta Britt. Auf ihrem Debüt "Out Of The Shadows" aus dem Jahr 2012 war Delbert McClinton in dem Song "Leap Of Faith" mit von der Partie. Der Musiker hatte Gefallen an dem künstlerischen Output der Frau und engagierte sie für seine Sandy Beaches Cruise-Ausgabe 2014.
Nun ist es also soweit. Eine Platte von Etta Britt, die Delbert McClinton in den Fokus des Interesses rückt. Elf Songs, bei den der Meister seine kompositorischen Finger im Spiel hatte oder sie interpretiert hat und ein Track ("When I Was With You") wurde von der Protagonistin sowie Kevin McKendree geschrieben füllen die Tracklist.
Bei Kevin McKendree müsste im Obergeschoss eine Glocke läuten. 1997 wurde der Keyboarder Bandleader des preisgekrönten Künstlers Delbert McClinton. Tja, und Steve Mackey (Bass) als auch Schlagzeuger Lynn Williams bringt man ebenfalls mit dem amerikanischen Künstler in Verbindung. Deren Kenntnis von Delbert McClinton-Songs kann man ja fast schon als musikalische Intimität bezeichnen. Da kann ja kaum etwas schief gehen. Für den knackigen Gitarrensound auf "Etta Does Delbert" ist Ettas Ehemann Bob Britt zuständig. Klasse, wie er sich auf den sechs Saiten seines Arbeitsgeräts präsentiert. Treffsicher rifft er im Stil eines Keith Richards und macht sich bei jedem Bottelneck-Einsatz Freunde.
Über Etta Britt wurde nun noch nicht viel geschrieben. Bei dieser Sängerin braucht es nur wenige Augenblicke und man kann sich ihrer Stimme nicht entziehen. Ganz gleich, ob man mit dem rockig-groovenden "Somebody To Love You" beginnt oder sich irgendeine andere Nummer aus der Tracklist herauspickt ... das Resultat ist immer identisch. Man wird von ihrem Gesang gefangen genommen. Etta Britts Stimme klingt so, als sei sie seit Ewigkeiten in einem Juke Joint aufgetreten und hat ihr raues Timbre dem in diesem Zusammenhang gerne erwähnten sprichwörtlichen Genuss von Whiskey zu verdanken.
Hört man Etta Britt und Delbert McClinton im Duett, wird man feststellen, dass ihr Gesang auch hier perfekt zu den Songs passt. Man spürt es in jedem Moment. Im Rock House Studio muss eine besondere Lockerheit geherrscht haben. Die Stimmung schwappt auf den Hörer über. Etta Britt setzt ihre Emotionen genauso engagiert ein, wie Delbert McClinton es tat.
Ohne die gesangliche Leistung schmälern zu wollen, darf man dabei allerdings nicht die Backing Vocals von Scat Springs, George Pendergrass, Regina, Ann und Alfreda McCrary sowie Bob Britt unberücksichtigt lassen. Tolle Slidegitarre, feinstes Keyboardsolo, balladeske Stimmung, herrliche Stimme, klasse Chorgesang ... so wird "Starting A Rumor" zu einem emotionalen Highlight. Bei den drei McCrary-Geschwistern horcht man auf. Die sind richtig gut, firmieren auch unter The McCrary Sisters und hatten schon ihren Einsatz bei Dr. John, Paul Thorn, Seth Walker oder Carolyn Wonderland.
Mit dem Lied "The Jealous Kind" begegnen wir hier quasi einem Coversong von einem Coversong, denn dieser Track wurde von Ray Charles geschrieben und natürlich auch selbst gespielt/gesungen. Andere, die sich aus diesem Song-Topf bedient haben sind zum Beispiel Joe Cocker, Etta James oder Frankie Miller. Etta Britt fügt eine weitere sehr gute Ausgabe hinzu. Dana Robbins hat die Klappen ihres Saxofons im sanften Griff und fügt der Hörfreude ein klasse Solo hinzu.
Nach dieser Gospel-Besinnlichkeit hat das Album zum etwas über vierminütigen Ausklang auch noch ein herrliches Stück Groove im Gepäck. Weiteres Highlight, diese von der Sängerin und Keyboarder Kevin McKendree geschriebene Nummer. Der Tastenmann hat phasenweise den in den Sechzigerjahren typischen Booker T. & The M.G.s-Sound eingepegelt. Nicht nur deswegen haut das relaxte Stück Musik rein.
Überhaupt hat Etta Britt mit "Etta Does Delbert" ein Album auf den Markt gebracht, das über das allgemeine Interessen-Maß hinausgeht.
Line-up:
Etta Britt (vocals)
Bob Britt (guitars, background vocals)
Kevin McKendree (keyboards)
Steve Mackey (bass)
Lynn Williams (drums)
Dana Robbins (saxophone)
Delbert McClinton (vocals, background vocals)
Scat Springs (background vocals)
George Pendergrass (background vocals)
Regina McCrary (background vocals)
Ann McCrary (background vocals)
Alfreda McCrary (background vocals)
| Tracklist |
01:Somebody To Love You (4:20)
02:Old Weakness [Comin' On Strong] (3:03)
03:Boy You Better Move On (3:32)
04:Starting A Rumor (4:21)
05:Lie On Better (3:57)
06:Every Time I Roll The Dice (4:26)
07:You Were Never Mine (4:11)
08:Best Of Me (3:20)
09:I'm With You (3:58)
10:New York City (3:52)
11:The Jealous Kind (4:21)
12:When I Was With You (4:13)
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