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Die Bruderschaft des geschliffenen amerikanischen AOR hat wieder eine CD
rausgebracht. Diesmal unter dem Namen des Nukleus dieses Geheimbundes:
Jack Blades. Wenn der Großmeister selbst auf dem Markt in
Erscheinung tritt, braucht das Produkt keine weitere Bezeichnung mehr.
"Jack Blades" genügt.
Wir erinnern uns: Neben Blades ist der zweite Kondensationskern
der Bruderschaft der talentierte Tommy Shaw. Zum "Inneren Zirkel"
gehören die Mitglieder der ehemaligen Night Ranger und Damn
Yankees. Aus dieser Stammequipe rekrutierte Blades für seine
CD neben Tommy Shaw unter anderem Brad Gills, Michael
Cartillone und Jeff Watson. Die Bruderschaft verfügt über
einen ziemlich großen Kader. Von der Ersatzbank eingesetzt wurden:
Neil Schon, Warren De Martini und Sam Eigen. Und das
sind noch längst nicht alle.
Blades liefert eine gewohnt routinierte Arbeit ab. Die Produktion
ist erstklassig, der Sound dynamisch, klar und wuchtig. Die Chorusgesänge
klingen phänomenal und die Leistung an den Instrumenten ist meisterlich.
Aber, so wirklich zündet das Ding nicht. Warum? Weil es irgendwie
uninspiriert ist. Es fehlt der Biss, es fehlen die Ecken und Kanten.
Kurzum: Da sind nicht genug Steine drin. (siehe hierzu Zwischenruf: Rock Musik).
Manchmal klingen die Riffs zu banal, die Arrangements eben zu gewohnt
routiniert. Wenn da nicht die tollen Chorusgesänge wären, die so manchen
Song mehr als herausreißen...
Mein Exemplar habe ich als einen Reimport aus Russland erhalten. Als ich
den Videoclip von "Shine On" auf dem PC abspielen wollte, donnerte erst
einmal Accepts "Metal Heart" aus den Boxen, als Untermalung von
einer Eingansseite mit kyrillischen Schriftzeichen. Vielleicht hätte ich
an der Stelle abbrechen sollen, denn der Videoclip überzeugt nicht.
Scheint eher eine Low-Budget Produktion zu sein. Trotzdem finde ich es
prinzipiell gut, wenn solche "Extras" enthalten sind. Als weiteres
Gimmick bietet die CD ein Video Interview mit Jack Blades.
Die Anspieltipps:
"Sea of Emotion" ist der Opener und eines der besten Stücke auf der
Scheibe. Eine simple Harmonie wird gleich zu Anfang von einem
Gitarrenlick aufgewertet, der mich spontan an Mike Campbell von
den Heartbreakers erinnert. "Sea Of Emotion" besticht durch den
tollen Refrain und wirklich schönen Chorusarrangements.
Das auch als Videoclip enthaltene "Shine On" schlägt in die gleiche
Kerbe. Als Co-Autor/Kompositör zeichnet Tommy Shaw, dessen
Einfluss nicht zu überhören ist. "Shine On" hätte ohne weiteres auch auf
eine seiner Soloscheiben gepasst. Auch dieser Song erhält seine
Existenzberechtigung vor allem durch Refrain und Chorus.
Das gilt auch für "We Are The Ones". Der Hauptriff hat zwar gerade mal
Vorstadtproberaumcharakter, so banal ist er, aber der göttliche Refrain
mit den gegenläufigen Gesängen macht das alles locker wett.
So haben wir unterm Strich eine Jack Blades-CD, die vielen AOR
Fans gefallen wird, manchen aber auch nicht. Ein Dauergast wird sie in
den meisten CD-Spielern nicht. Dazu fehlt eben das Überraschende.
Ein weiteres Manko ist der Umstand, dass die Puppen, die man mit dieser
Mucke noch rumkriegen kann, mittlerweile wohl auch schon so um die 40
sind.
Also, die CD kann die Wartezeit bis zur nächsten Night Ranger
Platte überbrücken helfen, falls denn noch mal eine erscheinen sollte.
Ansonsten vielleicht einfach mal antesten, wenn man auf wirklich gute
Vocalsarbeit steht.
Spielzeit: 45:25, Medium: CD, Frontier Records, 2004
1:Sea Of Emotion 2:Shine On 3:We Are The Ones 4:Alone
Tonight 5:Sometimes You Gotta Have Faith 6:To Touch The Sky 7:Who Want To
Be 8:Someday 9:Breaking It Down 10:On Top Of The World 11:Natures Way
Olli "Wahn" Wirtz, 25.11.2004
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