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Was spielt sich zwischen Pop mit Klassikanleihen und Singer/Songwriter ab? Klar, "The Daisy Age", das erste Soloalbum von dem I Got You On Tape- beziehungsweise Murder-Musiker Jacob Bellens. Mit dem letztgenannten Duo stehen "Stockholm Syndrome" und "Gospel Of Man" zu Buche. "I Got You On Tape", "2", "Spinning For The Cause" und "Church Of The Real" füllen die Diskografie der anderen Formation.
Nun stellt sich Jacob Bellens auf eigene Füße. Ist "The Daisy Age" seine Gelegenheit, auf eigenen musikalischen Füßen zu stehen? Reicht die Verwirklichung in den anderen Combos nicht aus? Lässt sich sein kreativer Cosmos nicht mehr in die Formate von I Got You On Tape oder Murder zwängen? Definitiv steht fest, dass vorliegende Platte mit über zwanzig Musikern eingespielt wurde. Da passt Duo schon einmal gar nicht.
"The Daisy Age" ist tiefgründige Musik, ist ausdrucksstark, kann sich wie ein bunter Luftballon bis zum Himmel hinaufschrauben. Auf der Reise durch die zwölf Kompositionen begegnen einem ziemlich viele unterschiedliche Instrumente. Man rechnet zum Beispiel nicht damit, dass "Only For The Lonely" plötzlich von einem jazzigen Saxofon angeführt wird. Da kommt neben dem Überraschungseffekt auch noch positives Staunen dazu.
Obwohl noch nichts gelaufen ist, bringt Jacob Bellens den Hörer schon durch das Eröffnungsstück auf Zack. Ganz abgesehen davon, dass "Heart Of Africa" auch textlich überzeugt, macht neben schwebenden Klängen, Streicherarrangements, Mandoline und verträumte Keyboardsounds die gesangliche Intonation den besonderen Pfiff des Tracks aus. Der Protagonist kommt einem als ein Teil einer sehr modernen Oper vor. Singer/Songwriter goes Klassik. Der Opener ist beim ersten Hören durchaus ungewöhnlich. Vielleicht ist man dadurch ja sogar motiviert, die CD wieder auszustellen. Damit würde man dem Dänen allerdings nicht gerecht werden. "Heart Of Africa" ist die Nummer, die erobert werden will. Ihre ganze Schönheit wächst mit jedem weiteren Durchgang. Toll!
Der eine oder andere Song geht mit seinen persönlichen Arrangements schon in Richtung Alternative Music. Die im Informationsblatt erwähnte »kürzliche Kollaboration mit dem Clubsound-orientierten Kasper Bjorke« fällt hier und da fruchtbaren Boden. Viel entscheidender ist vielleicht seine ganz spezielle Art der Freude, bei der oft genug eine kleine Portion Tränen dabei ist.
Dennoch können Jacob Bellens & Co. grooven, wie zum Beispiel in "Around The World". Hier wird die elektrische Gitarre aktiviert und in seinem künstlerischen Rahmen rockt der Däne auch. Insgesamt sind die Nummern ziemlich einfach gehalten und können gerade deswegen sehr überzeugen. Der Musiker ist ein Meister des Arrangements, ein Ästhet. Die Streicher begegnen einem öfter und sie verkörpern ganz unterschiedliche Rollen. Der Song "Only For The Lonely" hat einen ganz eigentümlich klingenden Swing und steckt relativ tief in den Vierziger- beziehungsweise Fünfzigerjahren.
Dazu kontrastiert die Komposition "Champion Sounds" mit ihren minimalistischen Neo-Singer/Songwriter-Strukturen. Hier pfeift uns Jacob Bellens sogar einen vor. Der Plattensound ist perfekt, passt zur Musik wie ein maßgeschneiderter Schuh. Rhythmisch ist "Tricks Of The Trade" die Entdeckung der Langsamkeit. Dazu gibt es luftige E-Gitarrentöne und die sehnsüchtige Stimme des Protagonisten.
"The Daisy Age" ist die Scheibe für diese bestimmten Stunden, in denen der Hörer zusammen mit Jacob Bellens die Suche nach der Einkehr recht schnell beenden kann. Nach mehreren Durchgängen ist dieses Album schon etwas ganz Spezielles. Gut, dass sich der Musiker für eine Soloplatte entschieden hat. Hier kommen alle Facetten seiner Künste zum Tragen. Das lyrische "The Daisy Age" hat Langzeitwirkung und verlässt den Schreibtisch zunächst als Empfehlung. Weitere Player-Einsätze sind vorprogrammiert.
| Tracklist |
01:Heart Of Africa (4:13)
02:Comedy Club (4:23)
03:Advise You To Remember (2:54)
04:Only For The Lonely (3:19)
05:Jamboree (3:33)
06:Daily Operation (2:36)
07:Champion Sounds (4:11)
08:Eight Arms To Hold You (3:24)
09:Around The World (3:27)
10:Bubbles Of Hysteria (3:41)
11:Tricks Of The Trade (2:55)
12:End Of The Needle (3:20)
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