Rory Block / The Lady And Mr. Johnson
The Lady And Mr. Johnson Spielzeit: 40:52
Medium: CD
Label: Rycodisc, 2006
Stil: Blues


Review vom 13.09.2006


Joachim 'Joe' Brookes
Es gibt Momente im Leben, in denen das Herz anfängt zu hämmern. So erging es Rory Block vor Freude als sie mitten in den Aufnahmen zu "The Lady And Mr. Johnson" erfuhr, dass
Robert Johnson Nachfahren hat. Ihr Puls taktete vor Aufregung schneller, während sie die Familie in Mississippi anrief. Was folgte war ein Treffen mit Claud Johnson, Robert Johnsons Sohn und anderen Familienmitgliedern.
Elder Steven Johnson, Enkel des King of Delta Blues, ist Mitglied eines Chores der Straightway Ministries Church und die Idee, gemeinsam unter dem Motto "Down At The Crossroads/Blues Meets Gospel" auf Tour zu gehen, wurde geboren. Wörtlich ist dies im Booklet der CD nachzulesen.
Einen klitzekleinen Eindruck erhält man durch die a cappella Einleitung des Openers "Crossroad Blues". Ansonst steht das Album unter der Maxime: 'the lady and her guitar'.
Wie ein roter Faden zieht sich Robert Johnson durch die Veröffentlichungen der fünfundfünzigjährigen Gitarristin und Sängerin. Besonders während ihrer Rounder-Jahre (1981-2002) finden sich schön verteilt immer wieder Johnson-Zitate, die nicht alle vergleichbar mit den Songs der vorliegende Promo-CD sind.
So spielt Block den "Walkin' Blues" auf "High Heeled Blues" (1981) in bester Gesellschaft mit John Sebastian an der Harp. "Crossroad Blues" und "Travellin' Blues" können da schon eher als Äquivalent herhalten.
Im Unterschied zu den älteren Ausgaben streift Block das Bottleneck über und ihre Stimme hat sich im Laufe der Jahre hervorragend entwickelt.
Interpretationen einzelner Robert Johnson Songs gibt es wie Sand am Meer. Wer hat dem Meister schon ein gesamtes Album gewidmet? Wenige! Eric Clapton mit "Me And Mr. Johnson", relativ 'erfolgreich' dank der Hilfe seiner Mitspieler.
Gelungener ist da schon "The Robert Johnson Songbook" sowie "Hot Foot Powder (mit einer ganzen Schar von Gästen) ausgefallen. Urheber sind Peter Green zusammen mit Nigel Watson und der Splinter Group.
Mit einem blendenden Ergebnis ging Paul Williams (mit der Unterstützung qualifizierter Musiker) das Projekt "In Memory Of Robert Johnson" an.
Aber wer hat sich schon mit einer akustischen Gitarre hingesetzt und eine Auswahl aus der überschaubaren Menge von Tracks getroffen?
Zumindest John Hammond tat dies, beeindruckend belegt durch "At The Crossroads", einem Sampler, auf dem nur die letzten vier Tracks mit Band gespielt werden.
Rory Block wäre dann die nächste, die sich momentan als einzige Frau und solo mit einem kompletten Album vor Robert Johnson verneigt.
Bei ihrem ersten Auftritt für Rycodisc wird die Seele, der Geist von Johnson zu neuem Leben erweckt. Als Fachfrau der Slide-Gitarre und herrliche Sängerin begleiten wir sie durch 13 berühmte Standards, die in ihrer Interpetation glaubwürdig und überzeugend inszeniert werden.
Rückblickend auf eine über vierzigjährige Karriere konnte Rory Block mit der daraus resultierenden gewissen Lockerheit dieses Vorhaben angehen.
Ihre gesamten gesanglichen Qualitäten offenbart sie in "Me And The Devil". Johnson hatte ja immer das Gefühl, der Teufel sei hinter ihm her.
Zwischendurch stellt sich die Frage, warum für das Cover neben der höchst attraktiven Mittfünzigerin im Hintergrund der Urenkel Richard Johnson abgelichtet wurde? Vielleicht um ihre Freude über das Treffen mit der Johnson-Familie zu dokumentieren.
Gottlob hat man auf einen 'verstaubten' Klang verzichtet, denn der perfekte Sound macht den Rundling zu einem weiteren Genuss, weil man das Gefühl hat, die Frau sitzt einem direkt gegenüber.
Das Original "32-20" wird einmal durchdestilliert und heraus kommt eine schön groovende Fassung, die den Track zu einem Anspieltipp macht.
In der letzten Aktion der CD darf sich Rory Block die Freiheit nehmen, "Kindhearted Woman Blues" in eine weibliche Version zu transferieren.
Mit angezogener Handbremse hören wir "Last Fair Deal Gone Down", das so zu einer dahin fließenden Ballade wird. Das folgende "Come On In My Kitchen" hält die vorgegebene hohe Norm des Vorgängers und "If I Had Possession Over Judgement Day" ist frei von jeglicher Kritik.
Kritik? Negative kann ich nicht äußern, positive hat man genug gelesen.
So hat der Ausnahme-Blueser John Hammond seit dem 15.8.2006 ein weibliches Korrelat zu seinem "At The Crossroads" in Form von Rory Blocks "The Lady And Mr. Johnson" bekommen.
Line-up:
Rory Block (vocals/guitars)
Tracklist
01:Crossroad Blues (3:19)
02:Preachin' Blues (3:04)
03:Milk Cow Calf's Blues (2:29)
04:Walkin' Blues (2:44)
05:32-20 (4:15)
06:Ramblin' On My Mind (2:59)
07:Terraplane Blues (3:21)
08:Me And The Devil (3:17)
09:Last Fair Deal Gone Down (3:22)
10:Come On In My Kitchen (3:09)
11:Hellbound On My Trail (2:48)
12:If I Had Possession Over Judgement Day (2:49)
13:Kind Hearted Man (3:11)
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