Die Bostener Band Caspian kreiert eigene Klanglandschaften. 2003 gegründet, veröffentlichte man 2005 den ersten Tonträger namens "You Are The Conductor". Die EP enthält sechs Songs und damit konnte die Gruppe bereits für ordentliche Aufmerksamkeit sorgen. 2007 folgte "The Four Trees". Der erste Longplayer war schon so etwas wie der Durchbruch der Combo und nach "Tertia" (2009) hatte man sich im Musikzirkus definitiv etabliert. Darüber hinaus ist Caspian auch in unseren Breitengraden eine sehr gefragte Liveband.
Mit dem vorliegenden, vierten Album hat man die Produktion der Platte an Matt Bayles ( The Bear, Mastodon, Minus, Mono, Pearl Jam, Soundgarden, Mike Stern) abgegeben. Im Informationsblatt zur CD steht: »Selbst Vocals dürfen kein Tabu sein.« Diese haben allerdings eher die Rolle eines weiteren Instruments, werden punktuell eingesetzt. Sie passen sehr gut zum Gesamteindruck der mit fast einer Stunde gut gefüllten Scheibe.
Caspian brilliert hier mit einem sehr beeindruckenden Songwriting und durch die vielen entspannten, sphärisch-schwebenden Phasen werden die hart rockenden Parts noch deutlicher in den Vordergrund geschoben. Caspian serviert uns von der Spielzeit her fast ausschließlich kompakte Songs. Ausnahmen bestätigen die Regel: "Gone In Bloom And Bough" knackt die zehn Minutengrenze und ist damit als ein Ausreißer nach oben zu beurteilen.
Caspians "Waking Season" ist eine äußerst interessante Platte. Aus meiner Sicht verfügt die Band über einen hohen Grad an Wiedererkennung. Der Spannungsbogen wird über alle zehn Nummern aufrechterhalten und wie so etwas innerhalb eines Songs funktioniert, kann man sich zum Beispiel im letzten Track des Albums "Fire Made Flesh" vor Augen führen. Zu Beginn beharrt das Keyboard auf nur einem Sound, der langsam in Bewegung kommt. Die mit Effekten versehenen Drumsounds klingen hart und die Gitarren vermitteln zugleich Sanftheit und Bedrohung bis alles in einen vom Boden abgehobenen Zustand übergeht. Bei fast gleichbleibender Rhythmik (das Schlagzeug ist jetzt als solches zu erkennen) kommt immer mehr Dynamik ins Spiel. Die Sechssaiter wechseln vom Rock zum Metall und zerren ab diesem Zeitpunkt quasi an den beiden Enden eines Taus. Die eine Seite will der Melodie die Überhand geben, die andere mag es wild und ungezähmt. Auf diesem hohen Niveau hat man schon lange keine Band mehr erlebt.
Irgendwann kommt man auf die Idee, diese Platte unter den Kopfhörern zu genießen. Ein intensives Erlebnis kommt auf einen zu! "Waking Season" kann man sich immer und immer wieder anhören. Die Songs haben einfach eine überragende Qualität. Schon der Opener überzeugt voll und ganz. Selbst das abrupte Ende passt. "Procellous" umarmt den Hörer durch einen schwebenden Zustand und langsam kommt die Nummer, angetrieben von einem immer heftiger auftrumpfenden Schlagzeug richtig in Fahrt. Nur um dann in ein Klanggewitter der Sechssaiter überzugehen. Hier liegt die magnetische Wirkung in der wechselnden Stimmung bis sich der Track in aller Ruhe ausschließlich durch Pianoläufe verabschiedet. Kaum zu glauben, aber das Lied kommt einem viel länger vor, als es die Spielzeit ausweist. Caspian kann aus einen immensen Ideereichtum schöpfen. Die Musiker sind wahre Meister der Unterhaltung. Langweile existiert im Wortschatz dieses Quintetts gar nicht.
Trotz der Vocals kann man bei "Waking Season" grundsätzlich von einem Instrumentalalbum sprechen. Auf den Longtrack "Gone In Bloom And Bough" muss natürlich noch eingegangen werden. Die durch das Keyboard und die beiden Gitarren zu Anfang erschaffene Soundlandschaft ist himmlisch melodiös und erstreckt sich bis zum Horizont. Dann wird es auf Caspian-typische Art rockig. Man wird ein echter Fan dieser sich dramatisch aufbauenden Dynamik und weiß nie genau, wo so etwas endet. Die Band ist einfach nicht kalkulierbar. Neben den Gitarren mag die Gruppe auch Pianoklänge. In "Halls Of The Summer" paart man diese mit einem höllisch harten, Industial-Unterbau und kann auch damit punkten. Der Überraschungseffekt liegt in der Folge des Tracks darin, dass man sich, zwar nur kurz, den Anstrich einer Indie-Band gibt.
"Waking Season" hat voll überzeugt. Caspian kann aus dem Vollen schöpfen und Erin Burke-Moran, Chris Friedrich, Philip Jameson, Calvin Joss sowie Joe Vickers sind wahre Meister im Kreieren von Klangcollagen. Das Album löst Begeisterung aus und mit dieser CD im Gepäck darf man sich im Herbst 2012 auch noch auf eine ausgedehnte Tour durch Österreich, Deutschland und die Schweiz freuen.
Line-up:
Philip Jamieson (guitar, keyboards)
Erin Burke-Moran (guitar)
Calvin Joss (guitar, glockenspiel)
Chris Friedrich (bass)
Joe Vickers (drums)
Tracklist |
01:Waking Season (5:21)
02:Procellous (6:14)
03:Gone In Bloom And Bough (10:24)
04:Halls Of The Summer (5:15)
05:Akiko (3:33)
06:High Lonesome (3:38)
07:Hickory '54 (6:04)
08:Long The Desert Mile (6:11)
09:Collider In Blue (2:34)
10:Fire Made Fresh (7:49)
(all songs written and performed by Caspian)
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