Chris Cook / Remembering
Remembering Spielzeit: 42:20
Medium: CD
Label: Tree O Records, 2010
Stil: White Soul, Pop

Review vom 14.06.2011


Markus Kerren
Aus dem kleinen Kaff Belmont, unweit von Charlotte, North Carolina kommt der Musiker Chris Cook, der mit "Remembering" sein nunmehr sechstes Album vorstellt. Dazu ist er pausenlos unterwegs, spielt an die 200 Konzerte pro Jahr und hat wohl auch schon so ziemlich jede Stilrichtung praktiziert, die oft mit dem Oberbegriff Americana zusammengefasst wird. Seine neue Scheibe, die insgesamt zwölf Tracks beinhaltet, ist wie eine Zugfahrt über die Schienennetze des White Soul, Rhythm'n'Blues, Blues und einem Tupfer Pop.
Was sich umgehend ins Bewusstsein des Hörer frisst, ist der extrem coole Groove, der diesem Dutzend Stücken zu eigen ist. Und bei einem Blick auf das Line-up fällt dann auch auf, dass der Amerikaner hier absolute Haudegen wie Johnny Neel (keyboards, Ex-Allman Brothers Band), Drake Leonard (bass), Kenny Malone (drums) oder auch Tim Carter (banjo) sowie Jeff Coffin (saxophone) an seiner Seite hatte. Kombiniert mit Cooks starkem Songwriting ergibt dies dann ein Dutzend brodelnder, aber dennoch leichtfüßiger Perlen, die wunderbar ins Ohr gehen und auch dort bleiben.
Nummern wie u. a. "Heartless Road", "The Boy I Used To Know" oder "Who Can You Be" zeugen dann auch von einer ausgeprägten Begabung, was das Verfassen von guten, intelligenten wie emotionalen Texten angeht. Ein starkes, vom New Orleans-Sound geprägtes Up-Tempo-Swing-Stück ist "Company Comin'", bei dem die Trompete und das Saxophon frohlocken, während ein munteres Piano perlige Läufe zum Besten gibt. Herrliches E-Piano und atmosphärische Percussion bietet der Opener "Remembering", unterstützt von einem warmen Hammond-Sound.
Chris Cooks Gesang kommt selbstbewusst, gefühlvoll und bestimmt. Manchmal muss ich an den jungen Paul Young zu Zeiten seiner besten Aufnahmen, gepaart mit einem Schuss Südstaaten-Timbre denken. Beim Rausschmeißer "Twenty-One" wird es dann schließlich noch einmal nachdenklich. Hier stehen die akustische Gitarre und eine einsame Harmonika bereit, um Cooks klagenden Gesang zu unterstützen. Die Gitarren, wie eigentlich die ganze Art des Songs bei "Heartless Road" klingen stark nach den Allmans zu Zeiten von "Where It All Begins", ohne jedoch in Plagiats-Nähe zu rücken.
Ein absolutes Highlight des Albums ist die Ballade "Get Over The One". Hochmelodische Akkordfolgen begleiten den sehr soulvollen Gesang Chris Cooks. Die Hammond klagt einmal mehr im Hintergrund ihr Leid und Kenny Malone lässt die Besen über seine Drum-Felle kreisen. Wäre es nicht schon lange klar, dann würde spätestens hier auffallen, was für ein starker Sänger dieser Mann ist. Dezent rockig dann "Don't Call Me", während es sich bei "Chins Up High Spirit (Levine's Song)" ebenfalls um eine Up-Tempo-Nummer handelt.
Insgesamt also ein sehr gutes Soul-/Rhythm'n'Blues-/Singer/Songwriter-Album, das durch sehr cleveres Songwriting, Spitzen-Musiker und einen Sänger überzeugt, der seinen Vortrag gekonnt, gewusst wie und dazu auch noch hochmelodisch rüberbringt. Zum Reinhören würde ich "The Boy I Used To Know", "Who Can You Be?", "Heartless Road" und "Get Over The One" empfehlen. Klasse Musik, die auch auf die ersten fünf Scheiben von Chris Cook neugierig macht.
Line-up:
Chris Cook (vocals, guitars, harmonica)
Ken Fradley (trumpet, flugle horn)
Jeff Coffin (saxophone)
Tim Carter (banjo)
Ferrell Stowe (dobro)
Guthrie Trapp (mandolin)
Drake Leonard (bass)
Kenny Malone (drums & percussion)
Johnny Neel (keyboards)
Tanya Dennis (background vocals)
Jim Brock (drums - #9)
Mark Stallings (keyboards - #9)
Carey Sims (background vocals - #9)
Tracklist
01:Remembering
02:Heartless Road
03:The Boy I Used To Know
04:Growing Up
05:Who Can You Be?
06:Ezekiel's Wheel
07:Don't Call Me
08:Between A Rock & A Romance
09:Chins Up High Spirit (Levine's Song)
10:Get Over The One
11:Company Comin'
12:Twenty-One
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