Cirrus Bay / A Step Into Elsewhere
A Step Into Elsewhere Spielzeit: 54:40
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2009
Stil: Prog Rock

Review vom 13.07.2010


Ulli Heiser
Starker Tobak. Nicht weil es Prog der komplizierteren Sorte wäre. Nein, das Album der Amerikaner ist höchst melodiös, die Vocals ausschließich von Frauen dargegeboten und das Ganze mit relativ langen Nummern. Der erste Durchgang bringt den Rezensenten in leichte Schwierigkeiten - zu weiblich der Gesang (klar, bei zwei Sängerinnen), zu sehr melodiebehaftet die Musik, einfach zu einfach für Prog?
Vordergründig vielleicht. Aber nur beim ersten Hörduchgang. "A Step Into Elsewhere" ist eines dieser Werke, die man anhören muss. So, wie eine neue Stereoanlage erst mal eingespielt werden muss. Sind es anfangs 'nur' Vergleiche, die man sucht und findet (etwa Renaissance, Genesis oder auch Barclay James Harvest), so offenbaren weitere Hörsessions die Dimension der Kompositionen. Verspielt wie der berühmte, neu aufziehende Tag ("Serenity In A Nutshell"), aber auch mit hartem Instrumenteneinsatz ("Walking In Shadows") präsentieren die vier Musiker(innen) eine mit der Zeit immer progressivere Kost. Kein Kopf-Prog. Nein, die Melodien sind ja nun mal vorhanden. Auch die sanft und nie brutal klingenden Stimmen von Sharra und Anisha sind Fakt. Aber darum wird von den Instrumentalisten per elektrischer und akustischer Gitarre, Mandoline und einem Keyboard, das auch schon mal nach Flöte klingt immer mal wieder für immense Spannung gesorgt. Bass und Schlagzeug spielen sich in Rage, um abrupt zu verstummen und der Akustischen beim Akkordspielen zuzuhören.
Gerade wenn man denkt, süßer geht's nimmer, baut sich eine BJH-Keyboardwand auf, oder die Drums hauen einen aus der scheinbaren Lethargie. Außerodentliche Momente voller Harmonie und Dur kippen urplötzlich aber kontrolliert und gesteuert in leicht schräge, das natürliche Harmoniebedürfnis des Hörenden verwirrende, Sequenzen. Nie störende, denn es singen ja Frauen und die holen einen schnell wieder in die Spur. Powervolles Akkordeschlagen und genreübliche Prog-Gimmicks lenken schnell zurück in die Stilschublade und so ist die eingangs erwähnte, unkompliziertere Art des Progs schnell widerlegt. So einfach ist es also doch nicht. Und wenn die Stimmen Pause haben, zieht die Instrumentalfraktion schon mal von dannen und beweist, dass es auch Musik gibt, die Geheimratseckenträger zum Bangen bringt.
Wenn das nicht progressiv ist ...
Fans von King Crimson (Kopf-Prog) oder Dream Theater (Metal-Prog) lassen am Besten die Finger von Cirrus Bay oder checken vorab die Kompatibilität. Aber auch alle anderen sollten mindestens zwei Hördurchgänge einplanen. Idealerweise unter dem Kopfhörer und relaxt rumlümmelnd. Wer "A Step Into Elsewhere" mal schnell beim business as usual hört, wird keinen Zugang finden.
Line-up:
Sharra Acle (vocals)
Anisha Gillham (vocals)
Mark Blasco (drums, bass)
Bill Gillham (guitars, keyboards, mandolin)
Tracklist
01:Serenity In A Nutshell (13:11)
02:Out Of The Cold (5:48)
03:The Exposure Of Truth (9:23)
04:Walking In Shadows (5:58)
05:The Secret Country (3:33)
06:Zenobia (16:47)
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