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"Disappear Here" ist der EP-Appetithappen für das 2014 erscheinende vierte Album der französischen Band Coming Soon. 2008 debütierte die Combo mit "New Grids", einem Indie Rock-/Folk-Tonträger, 2009 folgte eine Elektro-Platte namens "Ghost Train Tragedy" und 2012 veröffentlichte man dann "Dark Spring". Der musikalische Weg der Gruppe ist keineswegs als gradlinig zu bezeichnen. Der Bandname lässt sich nicht mehr wegphilosophieren, aber man könnte an anderer Stelle schon darüber diskutieren.
Die fünf Songs von "Disappear Here" sind im Spannungsfeld von Elektronik, Pop und einer schon eigentümlichen Psychedelic angesiedelt. Einerseits spielt die Gruppe eine ungemein ins Ohr gehende Musik mit einem kindlich anmutenden Schwerpunkt. Anderseits macht Coming Soon in der nächsten Sekunde einen erstaunlichen Schwenk in ganz unterschiedliche Richtungen. Kalkulierbar ist das Kollektiv auf keinen Fall. In den Nummern werden halsbrecherische Haken geschlagen. Die Lead Vocals kommen sehr sympathisch rüber und mit dem weiblichen Begleitchor kann man durchaus Punkte sammeln.
Mal von Synthesizern dominiert, mal durch E-Gitarrensounds geleitet, lässt Coming Soon kaum eine Gelegenheit aus, um den Hörer auf positive Art und Weise zu verwirren. Nach einem eingängigen Opener "Vermillion Sands" mit reichlich Hooklines und einem souligen Damengesang hat sich das Quintett für "Game" vor den Schminkspiegel gesetzt und zeigt jetzt ein ziemlich anderes Gesicht. Mit einer vokalen Einleitung, die fast schon in der Avantgarde anzusiedeln ist, schwirren einem neben einer hörenswerten Melodie viele verschiedene experimentelle Klänge durch das Trommelfell. Genau diese Zutaten halten den Hörer bei der Stange. Phasenweise klingt der Gesang lasziv und beim zweiten Stück der EP ist es kaum zu glauben, wie viele Breaks beziehungsweise Tempo- oder Rhythmuswechsel untergebracht wurden. Aus dieser Vielschichtigkeit heraus zieht der Track seine immer weiter zunehmende magnetische Wirkung. Man mag gar nicht zum nächsten Lied wechseln, weil es spannend ist und bleibt. Mit Tablaklängen setzt man zum Schluss auch noch ein kleines Ausrufezeichen.
Herbstlich fallende Blätter werden zu einem musikalischen Höhenflug, wenn es zu "Shooting Helicopters" kommt. Bei wie vielen Bands hat Peter Hook (auch Joy Divison) mit seinem Bassklang Spuren hinterlassen? Diese Frage kann nicht bis ins Detail beantwortet werden. Allerdings wird der Hörer feststellen, dass Coming Soon diesen tiefen Sound hier als eine Art Blitzlicht drauf hat. Das dritte Lied im Bunde wird eher von der balladesken Seite aufgezogen. Die Combo verzichtet weitestgehend auf klangliche Experimente, dennoch erfreut man sich an dem einen oder anderen Schmankerl.
Fast schon ins Träumen gekommen passt der Songtitel "Step Into The Light", um sich bei infizierendem Groove in Achtzigerjahre-Manier mit skurrilen Armbewegungen auf der Tanzfläche im Kreis zu drehen. Wie in "Game" überrascht man den Hörer mit exotischen Puzzleteilen im Arrangement. Das wegen der Streicher relativ opulent aufgemachte Rihanna-"Diamonds"-Original bringt Coming Soon in einer abgespeckten Version zu Gehör. Hier hat man sehr wohl Wert darauf gelegt, eigene Elemente einfließen zu lassen. Dabei fällt besonders der mit Effekt angereicherte Gitarrenklang ins Ohr. Nicht schlecht, Herr Specht!
Mit einem knapp zwanzigminütigen "Disappear Here"-Einblick in das, was im Jahr 2014 folgen wird, darf man gespannt sein, wie die Franzosen von Coming Soon ihr musikalisches Konzept weiterentwickeln. Die fünf Songs sind vielschichtig, klingen interessant und machen neugierig. Viel mehr kann man von einem Appetizer fast nicht verlangen.
Line-up:
Howard Hughes
Leo Bear Creek
Ben Lupus
Alexander Van Pelt
Billy Jet Pilot
| Tracklist |
01:Vermillion Sands (2:58)
02:Game (4:29)
03:Shooting Helicopters (4:02)
04:Steping Into The Light (4:05)
Bonus Track:
05:Diamonds – Rihanna Cover (4:17)
(all songs written by Coming Soon, exept #5)
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