V.A. / Classic Piano Blues
Clasic Piano Blues Spielzeit: 65:39
Medium: CD
Label: Smithsonian Folkways Recordings, 2008
Stil: Blues

Review vom 24.06.2008


Joachim 'Joe' Brookes
Oldies but Goodies: Zwanzig Songs aus einer Zeit, die sage und schreibe fast 40 Jahren umfasst… . Von 1958 bis in die Mitte der Neunzigerjahre reichen die Aufnahmen der "Classic Piano Blues"-CD und damit ist ja schon ausgedrückt, wo der Schwerpunkt dieser 65-minütigen Platte liegt, die mit einigen Überraschungen aufwarten kann.
Das Repertoire, allesamt aus dem reichhaltigen Fundus des Folkways-Labels, reicht von reinen Piano-Instrumental-Stücken über Songs mit Gitarren- oder Harp-Begleitung bis hin zu Nummern mit Gesang.
Memphis Slim mit dem Gitarristen Matt Murphy macht mit einem Tribut an den Boogie Woogie-Pianisten Pete Johnson den Anfang. Folglich ist dieser Track in seiner Reminiszenz auch in diesem Stil gestrickt. Toll aufgelegt und Matt Murphy, der durch die Blues Brothers zu größerer Bekanntheit gelangte, spielt ein super Solo. So macht der Boogie Woogie richtig Spaß!
Gleich danach folgt Memphis Slims Freund Booker T. Laury mit der Piano-/Vokal-Nummer "Early In The Morning" und sorgt für die erste Überraschung: Mit seiner Stimme erinnert er an B.B. King und er kann toll phrasieren. Zudem ist die Nummer eine Live-Aufnahme, die einen richtig schönen Piano-Groove hat.
Jetzt aber mal zu der ersten Frau auf "Classic Paino Blues", bevor ich noch ungeduldig werde.
Das herausragende Damen-Trio Memphis Minnie, Ma Rainey oder Bessie Smith ist hier zwar nicht vertreten, dafür allerdings eine andere hervorragende Pianistin und Sängerin: Victoria Spivey, die ein ultra-lässiges "You're My Man" zu Gehör bringt. Sie hat eine faszinierend sympathische Stimme, die mit viel Emotionalität geladen ist. Begleitet wird sie ausschließlich von einem Schlagzeuger, der sich dezent im Hintergrund hält. In den Fünfzigerjahren gründete sie ihre eigene Plattenfirma, Spivey Records und sie hatte unter anderem Muddy Waters auf ihrem Label.
Bob Dylan machte dort seine ersten Aufnahmen und die Liste der Künstler könnte noch um viele Musiker erweitert werden.
Das nächste unerwartete Geschenk auf dem Sampler ist… Leadbelly!
Den bringt man ja mit der Gitarre in Verbindung. Piano hat er allerdings auch gespielt und sein "Big Fat Woman" ist klasse, aber leider etwas kurz. Da hätte man ruhig noch ein weiteres Stück ausgraben können. Dennoch lohenswert.
Wenn es um das Klavier und den 12-Takter geht, darf einer natürlich nicht fehlen:
Champion Jack Dupree. Zwei Slow-Songs spielt er: Einerseits "Black Wolf Blues" und andererseits "On My Way To See Moe Asch" (Moses Asch war bis zu seinem Tod, 1986, Folkways-Chef). Bei diesen Titeln spielt mal eine komplette Band mit Gitarrist, Bassist und…, nein, kein Schlagzeuger, sondern ein Waschbrett-Spieler. Beide Songs sind gut, zumal sie nicht zu den bekanntesten Champion-Titeln gehören.
Memphis Slim, der das Album eröffnet, ist der Hauptakteur auf der Compilation. Zusammen mit Jazz Gillum (vocals, harp) serviert er mit "Key To The Highway" einen Klassiker und dann bringt er noch "Wish Me Well", das er selber singt und am Bass begleitet ihn der Howlin' Wolf-Mann Willie Dixon, der auf seinem Upright-Bass auch soliert. Klasse!
Über die gesamte Länge der CD wird deutlich, welch einen Groove man mit einem Piano erzeugen kann.
Die Rezension darf nicht enden, ohne eine weitere Größe aus diesem Genre zu erwähnen: Rufus Perryman, besser bekannt unter Speckled Red, der über eine richtig gute, typisch raue Blues-Stimme verfügt und ebenfalls eine bekannte Nummer auf Lager hat, den "How Long Blues". Locker lässt er einige jazzige Muster in sein Spiel einfließen.
Speckled Red gibt es ebenfalls im Doppelpack, mit einem Song, der gleich zweimal vertreten ist und das unmittelbar hinter einander: "Pinetop's Boogie Woogie". So kann man sehr gut vergleichen. Red wählt ein etwas flotteres Boogie Woogie-Tempo und singt auch. Little Brother Montgomerys Instrumental-Version ist eher bluesiger und beide Interpretationen haben letztendlich ihren eigenen Charme.
Victoria Spivey ist nicht die Quotenfrau auf der Scheibe.
James P. Johnson spielt Klavier und Katherine Handy Lewis, die Tochter des Namensgebers der Blues Music Awards, die früher W.C. Handy Awards hießen, singt mit "Yellow Dog Blues" einen Song, den ihr Vater während einer Zugfahrt geschrieben hat.
Für "Little Drops Of Water" ist eine andere Kombination zuständig: Henry Brown begleitet Edith North Johnson, die durch eine sanftere Stimme überzeugen kann. Mit dem Fuß, deutlich hörbar, wird der Takt angegeben.
Auch wenn jetzt nicht auf jeden einzelnen Titel eingegangen wurde und ich zu dem einen oder anderen Künstler noch einiges hätte schreiben können, soll festgehalten werden, dass die "Classic Piano Blues"-CD mit einigen Überraschungen aufwarten kann und, trotz des Augenmerks auf ein Instrument, verdammt abwechslungsreich geworden ist.
Dafür sorgen zum einen die Frauen, sowie zum anderen die Tatsache, dass viele Songs in Begleitung von anderen Musikern mit ihren Instrumenten für einen tollen Hörgenuss sorgen.
Nicht nur bei der Auswahl der 20 Songs hat man geklotzt. Auch das fast 30-seitige, sehr informative Booklet ist lobenswert.
Darüber hinaus ist die Klangqualität gut bis sehr gut und das führt unweigerlich zu verdienten
8 von 10 RockTimes-Uhren.
Oldies but Goodies… .
Tracklist
01:Memphis Slim - Dedication To Pete Johnson (3:12)
02:Booker T. Laury - Early In The Morning (3:06)
03:Speckled Red - How Long Blues (3:20)
04:James P. Johnson and Katherine Handy Lewis - Yellow Dog Blues (2:56)
05:Memphis Slim And Jazz Gillum - Key To The Highway (2:54)
06:Meade 'Lux' Lewis - Medium Blues (2:51)
07:Champion Jack Dupree - Black Wolf Blues (2:57)
08:Big Chief Ellis - Dices Blues (4:54)
09:Lead Belly - Big Fat Woman (1:10)
10:Sammy Price - Harlem Parlor Blues (2:51)
11:Henry Brown With Edith North Johnson - Little Drops Of Water (3:03)
12:Little Brother Montgomery - Pinetop's Boogie Woogie (4:08)
13:Speckled Red - Pinetop's Boogie Woogie (3:26)
14:Memphis Slim And Willie Dixon - Wish Me Well (2:10)
15:Henry Townsend - All My Money's Gone (2:53)
16:Victoria Spivey - You're My Man (4:33)
17:Champion Jack Dupree - On My Way To See Moe Asch (4:21)
18:Roosevelt Sykes - Sweet Old Chicago (2:56)
19:Little Brother Montgomery - No Special Rider Blues (3:29)
20:James P. Johnson - Hesitation Blues (3:05)
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