Keith Christmas, sicher kein Name, bei dem Scharen von Fans in Jubelstürme ausbrechen; aber Kenner der englischsprachigen Singer/Songwriter- und akustischen Gitarren-Szene werden wohlwissend mit dem Kopf nicken. Ein wirklicher Könner, der im letzten Jahr, hierzulande fast völlig unbeachtet, sein erstes echtes Solo-Album veröffentlicht hat. Dabei ist er keinesfalls ein Newcomer. Seine Diskografie reicht zurück bis ins Jahr 1969, als er u.a. für David Bowies
"Space Oddity" sein Können zur Verfügung stellte. Allerdings sonderlich üppig ist seine weitere Biografie als Musiker nicht, zumindest nicht mit wiederkehrenden 'Meilensteinen' durch die Jahre gepflastert (seine früheren Alben werden jedoch einhellig gelobt). Als Supportact begleitete er aber immerhin die Who, King Crimson, Ten Years After, Zappa, die Kinks oder Captain Beefheart und wurde bei seinen Platten selbst von hochkarätigen Sidemen unterstützt. Er spielte zusammen mit Kollegen in verschiedenen Bands (u.a. der Bluestruppe The Weathermen) und trat als gern gesehener Gast bei großen UK-Festivals auf. Mehrere seiner Songs übernahmen andere Künstler aus dem Folkbereich in ihr Repertoire. In den achtziger Jahren war er völlig aus der Szene verschwunden. Umso erfreulicher, dass er sich nun so stark zurückmeldet.
"Light Of The Dawn" ist Christmas pur. Nur seine Stahlsaitengitarre und seine warme, ausdrucksstarke, kraftvolle Stimme. Die Aufnahme und Produktion hat er selbst im eigenen Studio vorgenommen und auch die sind meisterlich gelungen. Selbst das Artwork stammt von ihm. Kurzum: Ein Album voller Schönheit und Emotionen, jedoch völlig ohne Sentimentalität und folkloristische Ausschmückung. Ein Kleinod aus englischer Werkstatt.
Klassisch inspiriert klingt die Gitarre beim Einstieg in das Album mit dem Titeltrack. Und die Stimme bildet den zweiten Pfeiler des Musikportals, durch das der dafür empfängliche Hörer in eine eigene Welt gelangt, die ihn für die nächste Dreiviertelstunde gefangen nimmt. Das ist das magische Land der Storyteller, der alten Mythen, der modernen Roadsongs und der immerwährenden Leidenschaften. Es gibt keinerlei Abstriche bei den zwölf Songs, aber bei aller hohen Qualität noch Highlights, die wohl aber je nach persönlichen Vorlieben unterschiedlich ausfallen werden.
Mein erster Favorit ist "She Came To Me", eine klassische Liebesballade mit dem bekannten Traummotiv. Die romantische Erzählung ohne Kitsch, das ist die Kunst. Wenn das Bottleneck die Saiten bluesig zum Singen bringt, dann geht der Klang ohne Umwege in mein Gemüt. Bei einem Könner wie Christmas auch direkt ins Herz ("Slave To Your Love", "Heart, Soul, Body And Mind", "A Line Is A Line", "Mr. Optimistic Me"). Das Album passt, auch wenn's schon aus dem letzten Jahr stammt, grad jetzt zu den frischen Frühlingsgefühlen. Im Booklet finden sich alle Songtexte (in lesbarer Größe) und die Gitarrenstimmungen, also auch in dieser Hinsicht eine Freude.
Bislang scheint "Light Of The Dawn" nur über den Importservice erhältlich zu sein. Die Order beim Künstler selbst ist möglich, einschließlich des Downloads. Schade, dass sich bislang kein deutscher Partner gefunden hat, der Keith Christmas auch mal für eine Clubtour über den Kanal zu uns holt. Aber vielleicht wird jetzt ein Promoter auf den klasse Mann aufmerksam...
| Tracklist |
01:Light Of The Dawn
02:She Came To Me
03:Slave To Your Love
04:Stone With A View
05:Heart, Soul, Body And Mind
06:Western Man
07:Living In A World
08:Let The Devil
09:Boat Train
10:A Line Is A Line
11:Lowly Low (Lovers Of The Light)
12:Mr Optimistic Me
|
|
Externer Link:
|