Lloyd Cole / Antidepressant
Antidepressant Spielzeit: 40:11
Medium: CD
Label: Sanctuary Records, 2006
Stil: Folk Pop

Review vom 12.10.2006


Norbert Neugebauer
In meinem Plattenschrank findet sich nichts von Lloyd Cole, weder mit, noch ohne seine 80er Jahre-Band The Commotions. Auch deren angeblich bahnbrechendes Debütalbum "Rattlesnake" (so steht's in der PR-Veröffentlichung) hat keinerlei Spuren bei mir hinterlassen. Zu der Zeit hatte ich wohl ein musikalisches Loch. Und wenn ich mir diese Scheibe anhöre, dann hab ich auch nicht viel verpasst, zumindest nichts Neues.
Da kommen sanfte, unbeschwerte Töne des vergangenen Altweiber-Sommers aus den Boxen. Der Mann singt sich mit leichter Stimme durch seine 11 Songs und erinnert mich, nach langem Überlegen, damit an Al Stewart (wer das wohl sein mag, werden sich jetzt die fragen, die dafür Herrn Cole kennen…). Auch die Instrumente sind eher folkig-versponnen, teilweise mit schmeichelnden Streicherfetzen (grad noch diesseits der Schmalzgrenze) unterlegt. Dazu tauchen verhalten einige elektronische Beats und Loops auf.
Bislang schwebte das ohne große Resonanz an mir vorbei zum Fenster hinaus. Aber das Album steigert sich, nimmt allmählich an Dichte zu. Ich höre vertraute Folk-Melodien, zwar immer noch Pop, aber immerhin so angereichert, dass sich meine romantische Ader rührt (manchmal darf sie das, wenn grad niemand dabei ist). Und die Arrangements sind interessant, kein Zweifel. Das flirrt wie die treibenden Spinnweben in der Nachmittagssonne, brummt wie die Nektarfalter auf ihrer Stippvisite in den Süden und juckt in der Nase wie die Pollen, die mir dieses Jahr jede Stunde im Freien versaut haben. Bei mir ist's schon lang finito mit der Naturverbundenheit und jetzt auch Schluss mit der Romantisiererei! Gut, dass "Antidepressant" nach eben 40 Minuten vorbei ist, sonst hätt ich wohl noch meine Anthistaminika gebraucht und aus der CD einen Bierdeckel gemacht.
11 kurze, eigentlich auch simple Songs, aber gut aufbereitet. Moderner Folk Pop, gut produziert, mit sehr transparentem Sound. Der Mann kann was und hat ein feines Händchen, wie er seine Stücke arrangiert. Ein bisschen kammermusikalischer Beatles-Pep hier und etwas Cat Stevens-Sentimentalität da, der Titeltrack leicht rockig und auch mal melancholisch in besagtem Al Stewart-Stil. Recht flott bei "Everysong" mit schöner Harp und nachdenklich bei "I Am Not Willing", bei der sogar eine Slide für schönen Kontrast zum Klimperthema und ein üppiges Ende sorgt. Impressionistisch-verträumt mit Satie-Klavier bei "Slipping Away" und mit Americana-Touch bei "Travelling Light". "Rolodex Incident" lässt das Album sanft ausklingen. Für den entsprechenden (wohl hauptsächlich weiblichen) Fankreis die Scheibe für den Goldenen Oktober.
Tracklist
01:The Young Idealists
02:Woman In A Bar
03:NYC Sunshine
04:Antidepressant
05:I Didn't See It Coming
06:How Wrong Can You Be?
07:Everysong
08:I Am Not Willing
09:Slip Away
10:Travelling Light
11:Rolodex Incident
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