Da kommen sanfte, unbeschwerte Töne des vergangenen Altweiber-Sommers aus den Boxen. Der Mann singt sich mit leichter Stimme durch seine 11 Songs und erinnert mich, nach langem Überlegen, damit an Al Stewart (wer das wohl sein mag, werden sich jetzt die fragen, die dafür Herrn Cole kennen…). Auch die Instrumente sind eher folkig-versponnen, teilweise mit schmeichelnden Streicherfetzen (grad noch diesseits der Schmalzgrenze) unterlegt. Dazu tauchen verhalten einige elektronische Beats und Loops auf.
Bislang schwebte das ohne große Resonanz an mir vorbei zum Fenster hinaus. Aber das Album steigert sich, nimmt allmählich an Dichte zu. Ich höre vertraute Folk-Melodien, zwar immer noch Pop, aber immerhin so angereichert, dass sich meine romantische Ader rührt (manchmal darf sie das, wenn grad niemand dabei ist). Und die Arrangements sind interessant, kein Zweifel. Das flirrt wie die treibenden Spinnweben in der Nachmittagssonne, brummt wie die Nektarfalter auf ihrer Stippvisite in den Süden und juckt in der Nase wie die Pollen, die mir dieses Jahr jede Stunde im Freien versaut haben. Bei mir ist's schon lang finito mit der Naturverbundenheit und jetzt auch Schluss mit der Romantisiererei! Gut, dass "Antidepressant" nach eben 40 Minuten vorbei ist, sonst hätt ich wohl noch meine Anthistaminika gebraucht und aus der CD einen Bierdeckel gemacht.
11 kurze, eigentlich auch simple Songs, aber gut aufbereitet. Moderner Folk Pop, gut produziert, mit sehr transparentem Sound. Der Mann kann was und hat ein feines Händchen, wie er seine Stücke arrangiert. Ein bisschen kammermusikalischer
Beatles-Pep hier und etwas
Cat Stevens-Sentimentalität da, der Titeltrack leicht rockig und auch mal melancholisch in besagtem
Al Stewart-Stil. Recht flott bei "Everysong" mit schöner Harp und nachdenklich bei "I Am Not Willing", bei der sogar eine Slide für schönen Kontrast zum Klimperthema und ein üppiges Ende sorgt. Impressionistisch-verträumt mit
Satie-Klavier bei "Slipping Away" und mit Americana-Touch bei "Travelling Light". "Rolodex Incident" lässt das Album sanft ausklingen. Für den entsprechenden (wohl hauptsächlich weiblichen) Fankreis die Scheibe für den Goldenen Oktober.