Cocktails... dafür habe ich nicht viel übrig.
Falsch! Die können mir gestohlen bleiben.
Wenn mir allerdings Nick Curran einen Drink mixt, dann hat der Inhalt höllisches Format. Das (Zitat) »OFFICAL NICK CURRAN COCKTAIL RECIPE« lautet:
drei Esslöffel Little Richard
ein Esslöffel Glenn Danzig
ein Esslöffel Gerry Roslie
zwei Esslöffel Johnny Watson
ein Esslöffel Cliff Gallup
zwei Esslöffel Angus Young
ein Esslöffel B.B. King aus den Fünfzigerjahren
eineinhalb Esslöffel Jimmy Vaughan
eineinhalb Esslöffel Johnny Ramone
ein Teelöffel Billy Duffy
eineinhalb Esslöffel Grady Martian
vier Teelöffel Slash
zwei Esslöffel Gatemouth Brown
vier Tassen Earl Palmer
Dazu noch eine gehörige Portion Evan Williams-Bourbon, die Misfits-Single "Hybrid Moments" sowie eine alte Tiny Grimes-Platte.
Als wolle der Amerikaner seinen eigenen Cocktail zunächst einmal ruhen lassen, serviert er einen Etta James-Song. Was augenblicklich ohrenfällig wird, ist dieser altmodische Sound der CD. Alleine dadurch leben die guten Rock'n'Roll-Zeiten auf. Die Nadel des Pegels zittert immer kurz vor dem roten Bereich. Ab und an überschreitet sie auch die Marke und mit dem Klang kurz vor dem Anschlag verfügt die Platte über jede Menge Patina.
Ansonsten ist hier in den vierzehn Songs echte Party aus den Fünfzigerjahren angesagt.
Neben den Cocktailinhalten kommen einem noch jede Menge andere Bands oder Musiker in den Sinn. Die hier aufzuführen, würde den Rahmen der Rezension sprengen.
Nick Curran And The Lowlifes kennen wohl nur das Gaspedal. Eine explosive Rakete nach der anderen wird abgefeuert und wo sonst die Bläser für Dampf sorgen, scheinen die hier für so etwas wie Ruhe zu sorgen.
Drum herum ist der Teufel los und oft genug werden heiße Gitarrensoli eingeworfen.
Der Curran-Rock'n'Roll ist nichts für Hyperaktive. Man dreht schon so am Rad, wenn einem die Kracher im dreiminütigen Rhythmus um die Ohren gehauen werden.
Die Hochgeschwindigkeitsmusik kennt keine Gnade, auch wenn sie mit viel Emotionen dargeboten wird. Nick Curran ist ein echter Screamer vor dem Herrn und man glaubt es kaum... getwistet werden darf auch noch.
Die Palette an Tracks muss einfach mehrmals gehört werden.
So schnell kann man das Wechselbad der Gefühle gar nicht aufnehmen. "Real Rock Party" wird tatsächlich als eine solche in Szene gesetzt. Schade ist nur, dass ein so begnadeter Harper wie Jason Ricci hier, auch durch den Sound bedingt, nicht so recht zum Zuge kommt. Eine so überdreht verzerrte Mundharmonika ist meines Erachtens Fehl am Platz.
"Sheena's Back" gehört zu den Hinhörern, weil man nicht im höchsten Gang spielt und es ist kaum zu glauben, dass Nick Curran von 2004 bis 2007 bei den Fabulous Thunderbirds mitgemischt hat.
Gut vorstellbar, dass bei seinen Konzerten wieder Frauen im Petticoat und Männer mit diesen ganz engen schwarzen Hosen samt weißem Hemd auftauchen. Long live Rock'n'Roll! Na ja, eine Ballade hat er dann doch im Repertoire: "Dream Girl" heißt die Atempause und man kann endlich genießen.
Andere Nummern rauschen an einem vorbei, wie ein Intercity auf freier Strecke.
Rau und ungeschliffen will es der Protagonist. Die Kompositionen klingen wie Rohdiamanten im Revival-Karussell.
"Reform School Girl" hat in seiner Kompaktheit alles, was die Fans schon vor fünfzig Jahren verrückt gemacht hat. Anhänger davon wird es immer noch geben und Curran ist bestimmt nicht spitz auf eine goldene Schallplatte. Aufsehen erregt er schon mit seinem Album. Sein ganz persönlicher Cocktail scheint ein Werbegag zu sein.
Line-up:
Nick Curran (guitar, vocals)
Derek Bossanova (piano, backing vocals, real rock party - #2)
Jon Doyle (tenor saxophone)
Dan Torosian (tenor saxophone, baritone saxophone)
Billy Horton (bass, percussion, backing vocals)
Nikki K. (drums, percussion, backing vocals, real rock party - #2)
Jason Ricci (harmonica - #2)
Curtis Ruest (rhythm guitar - #11)
Barbe & Rachel (chicky wah wah vocals - #3)
Bones Delarge (real rock party - #2)
Dave Tejas (real rock party - #2)
Frankie Nowhere (real rock party - #2)
Johnny O (real rock party - #2)
Avery Application (real rock party - #2)
Bobby Horton (backing vocals - #8)
Very Special Guest:
Phil Alvin (guitar, vocals - #11)
| Tracklist |
01:Tough Lover (2:14)
02:Reel Rock Party (3:10)
03:Reform School Girl (3:53)
04:Kill My Baby (3:07)
05:Psycho (1:57)
06:Sheena's Back (2:59)
07:Baby You Crazy (2:13)
08:Ain't No Good (2:19)
09:The Lowlife (2:53)
10:Dream Girl (4:33)
11:Flyin' Blind (3:14)
12:Lusty L'il Lucy (2:31)
13:Filthy (2:48)
14:Rocker (1:28)
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