Dalbello!
Ein solcher Name meißelt sich ins Hirn und selbst wenn etwas Gras über diesen Namen, respektive der kanadischen Künstlerin Lisa Dal Bello gewachsen ist, bleibt ihre Musik einzigartig.
Ihre Karriere war eine aus dem viel zitierten Bilderbuch:
Mit nicht ganz 20 Jahren hatte sie einen Plattenvertrag bei MCA Records in der Tasche und veröffentlichte im gleichen Jahr (1977) ihr Debüt-Album.
Platte zwei hat den Titel "Pretty Gilrs" und 1981 folgte "Drastic Measures". Was ebenfalls folgte waren zwei Juno Awards.
Dann hatte sie mit der Musik plötzlich nichts mehr am Kopf, begann mit einem Studium und schrieb Gedichte. Immerhin drehte sie den Künsten so nicht ganz den Rücken zu.
Vielleicht ist Fernsehen ja doch für etwas gut.
Denn ein gewisser Mick Ronson, damals als Gitarrist in Diensten von David Bowie, sah die Dalbello in der Flimmerkiste und bewegte sie schließlich zu einem Neustart ihrer musikalischen Aktivitäten.
Heraus kam dabei "Whomanfoursays".
Schon in den Titel lässt sie ihre Kreativität fließen und um diese Volumina zu transportieren, kommen ausschließlich Aorten in Frage. 'Whomanfoursays' ist ein gelungenes Wortspiel und bedeutet 'human forces'.
Welche Kraft in dieser Frau steckt(e), stellte sie instantmäßig mit ihrem Comeback-Album unter Beweis.
Die Platte ist eine Duo-Produktion von Dalbello sowie Ronson. Die Protagonistin kann sich nicht nur über ihre Stimme, wofür sie Juno-geehrt wurde, ausdrücken. Sie spielt Schlagzeug, Bass und Keyboards.
Die Tasten-Instrumente... da wären wir bei einem der Album-Themen, denn nicht nur die werden durch Herrn Ronson gedoppelt. Auch er zupft die dicken Saiten und die sechs dünnen sind dann natürlich ausschließlich sein Part.
Dalbello gibt sich auf diesem Album wie eine Katze, die wild sein kann und im nächsten Moment schnurrend eine große Zufriedenheit an den Tag legt.
Ihr Songwriting und dessen Umsetzung in den neun Songs ist schon rockig. Diese Begrifflichkeit reicht allerdings nicht, wäre bei einer Dalbello auch zu einfach. Ihre Lieder haben durchaus einen Anstrich von Avantgarde. Ihre saustarke Stimme hat in gewissen Momenten was von einer Laurie Anderson.
Ihr Musik ist Dalbello! Anders kann man es nicht ausdrücken.
Vertrackte Rhythmik, orchestrales Breitband-Theater, 16:9-Format geht bei der Frau nicht, dramatische Arrangements, treibende Beats, Drum-betonte Nummern. Wo ist Ronson? Überall. Wer hier wann Bass oder Keyboard spielt, ist marginal. Die songdienlichen Sounds sind präsent und sehr gut. Gitarren-Ronson wird in "Animals" ganz groß: Zunächst lullt den Hörer eine fast an Kinderlieder erinnernde Keyboard-Melodie ein, schlägt einem Dalbello dann einen knüppelharten Schlagzeug-Klang um die Ohren. Bevor die Sängerin auch nur eine Silbe über die Lippen gebracht hat, intonieren die Keyboards bereits das Thema... welches so simpel wie nur was ist: »We are animals«. Auch wenn aus dem Zusammenhang des Textes gerissen, kann man doch einige Worte einfach nur als punktuelle Aussage stehen lassen: »erude obscenity«, »friend or enemy«, »imperial race«.
Bereits der Opener bringt das zu erwartende Programm des Albums auf die Spur. "Gonna Get Close To You" ist übrigens auch ganz woanders zu Ehren gekommen. Schon 1986 hatte Queensrÿche den Song auf einer Platte und weil wir gerade dabei sind: An "Wait For An Answer" bediente sich drei Jahre nach Erscheinen von "Whomanfoursays" die Band Heart.
Dalbello steht als Person vor dem Mikrofon und wird zu einem imaginären Alter Ego, wenn sie mit zwei so unterschiedlichen Stimmen, sanft sowie rau mit sich selber im Dr. Jekyll/ Mr. Hyde-Duett singt. Sie hat auch eine schockgefrierende Stimme. Sie kann schreien, wenn 'auf eine Antwort gewartet wird'. Vielleicht ist gerade "Wait For An Answer" das Aushängeschild des Albums, weil man sich diesen Song erarbeiten muss. Dalbello fordert volle Konzentration. Dieses Stück Musik ist sperrig, ist so, wie ein Geschenk, das man nach dem Auspacken nie haben wollte und doch kann man sich damit anfreunden.
Hatte ich vorher etwas von Laurie Anderson geschrieben... bei der Kanadierin heißt so etwas "Guilty By Association"!
Nur gut, dass Mick Ronson als Überzeugungstäter die Lisa wieder aus den vermufften Uni-Sälen herausgeholt hat.
In "Whomanfoursyas" spricht sie ihre Sprache, sorry, singt ihre Texte mit einer außergewöhlichen Stimme und hat 1984 ungewöhliche Musik mit vielen Überraschungsmomenten gemacht, die auch heute noch richtig gut ist...
Line-up:
Dalbello (vocals, bass, keyboards, drums)
Mick Ronson (guitar, bass, keyboards)
Tracklist |
01:Gonna Get Close To You (4:29)
02:Devious Nature (4:01)
03:She Pretends (4:31)
04:Wait For An Answer (5:39)
05:Animal (4:01)
06:Cardinal Sin (4:06)
07:Guilty By Association (3:35)
08:Path Of Least Resistance (4:57)
09:Target (My Eyes Are Aimed At You) (6:03)
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