Deep Purple / History, Hits & Highlights '68 - '76
History, Hits & Highlights '68 - '76 Spielzeit: 144:00 (DVD 1), 143:00 (DVD 2)
Sprache: Englisch
Untertitel: Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch (alle nur bei Interviews)
Sound: Dolby Digital Stereo
Bildseitenformat: 4:3
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Medium: Doppel-DVD
Label: Eagle Vision, 2009
Stil: (Hard) Rock

Review vom 14.07.2009


Markus Kerren
Deep Purple sind ja nun bekanntermaßen auch so eine Band, die bereits seit über 40 Jahren (mit einer Auszeit von 1976 bis 1983/84) im Business sind und sich dort auch immer noch sehr wohl fühlen. Ihre erfolgreichsten Zeiten hatte die Truppe in den frühen Siebzigern und nach der Reunion der Mark II-Besetzung Mitte der achtziger Jahre. Und wenn die ganz großen Zeiten auch vorbei sind, so darf sich das Quintett nach wie vor über eine weltweite Fan-Schar freuen.
Sehr viele Line-up-Wechsel musste die Truppe überstehen und so gab es bis zur ersten Auflösung im Jahr 1976 vier verschiedene Formationen, von denen die so genannte Mark II-Phase mit
Ian Gillan und Ritchie Blackmore, Jon Lord, Roger Glover sowie Ian Paice wohl die prägendste war. Und so ist heute der Schlagzeuger Ian Paice der einzige Musiker, der grundsätzlich immer an Bord war.
Die nun hier zu besprechende, bei Eagle Vision erschiene Doppel-DVD nimmt sich der Zeit von 1968 bis 1976 an. Fast hätte ich 'nur' geschrieben, was jedoch Nonsens gewesen wäre, da es auch aus diesen Jahren jede Menge Material zu begutachten gibt. Prallgefüllte knappe fünf Stunden wurden auf die beiden Silberlinge verteilt und dabei handelt es sich zumeist um hochklassiges Material.
Als Einleitung gibt es eine ca. 20 Minuten lange History über die Band, die man sich meiner Meinung aber hätte sparen können, da hier mehr oder weniger unzusammenhängend und viel zu hektisch einfach nur Filmschnipsel an Filmschnipsel gereiht wurde, ohne den Konsumenten wirklich zu beeindrucken, da bei einem solchen Schnitt erst gar keine Spannung aufkommen kann. Soviel also zu der 'History' im DVD-Titel. Als nächstes kommt die Sektion 'Hits' und hier wird es schlagartig wesentlich interessanter. Chronologisch startet die Ur-Formation mit Rod Evans am Mikro und Nick Simper am Bass den Reigen. Drei Tracks können mit "Help" (Promo-Clip), "Hush" (TV-Auftritt) und "Wring That Neck" mit wechselnder Bild-Qualität begutachtet werden.
Bereits mit Song Nummer vier erfolgt der Quantensprung zur Mark II-Besetzung und dem hervorragenden "Hallelujah" sowie dem Monster-Jam "Mandrake Root". Im Anschluss dann die Tracks, mit denen Purple schließlich Geschichte schreiben sollten. "Speed King", "Child In Time", "Black Night", "Lazy", "Strange Kind Of Woman" oder auch "Fireball" sowie "Smoke On The Water". Sozusagen das volle Programm, gekrönt von einer hammergeilen Live-Version von "Into The Fire"! Aber auch weitere Album-Songs wie etwa "Demon's Eye", "Never Before" oder "No, No, No" sind vertreten. Generell kann man sagen, dass je weiter die Zeit voran schreitet, desto qualitativ besser das Material bezüglich der Bild- und Ton-Qualität wird.
Etwas enttäuschend ist danach, dass sowohl die Mark III- wie auch die Mark IV-Besetzung mit gerade mal jeweils zwei Tracks ("Burn" und "Mistreated" sowie "Love Child" und "You Keep On Moving") abgespeist werden. Auch bei der Qualität des Materials muss man wieder (teilweise starke) Abstriche machen. Cool jedoch, dass es sich hier angeblich um rares TV-Material handelt, das vorher kaum zu bekommen war.
Jetzt bin ich bei DVD 2 angekommen, die mit einem kurzen Beitrag zur Mark I-Besetzung das Kapitel 'Highlights' eröffnet. Danach sind wir schon wieder bei Mark II und zwei nacheinander geschalteten, langen Versionen von "Wring That Neck" (vom Bilzen Jazz Festival, 1969 und Pop Deux-Konzert in Paris, 1970). Gleich nachgelegt mit "Mandrake Root" vom selben Paris-Konzert.
Es folgt ein Promo-Clip zu "Black Night" und dann, als einer der Höhepunkte, die Band in einem deutschen Fernseh-Studio, wo sie zweimal nacheinander (live ohne Publikum) den Track "No, No, No" vom "Fireball"-Album zum Besten gibt. In den Liner-Notes als 'Rockpalast-Rehearsal-Sessions" ausgewiesen, wird es sich jedoch viel wahrscheinlicher um den Beat-Club gehandelt haben, da der Rockpalast ca. 1971/72 meines Wissens sowieso noch gar nicht existierte. Die so typische Studio-Ausstattung scheint meine Vermutung noch zu erhärten. Aber egal, nicht nur hier, aber ganz besonders bei dieser speziellen Session fällt auf, dass Blackmore oft durch Blick-Kontakt und Mimik tatsächlich noch mit seinen Mitmusikern kommunizierte. Herrlich!
Sprung zu Mark III. Ein Doku-Beitrag des französischen Fernsehens mit Konzert-Ausschnitten und einem langen Interview mit vier Bandmitgliedern (Ritchie fehlt), bei dem Jon Lord ganz klar den Ton führt. Sehr interessant und vielsagend die eingestreuten Interview-Schnipsel mit Blackmore aus einem separaten Interview, in dem er stilecht auf die Frage, warum er vor und nach Auftritten immer alleine, abgegrenzt von der Band in seinem ganz eigenen Backstage-Bereich sein möchte, antwortet: »Aah, mir geht es einfach so, dass ich die meisten Menschen einfach furchtbar langweilig finde… ehrlich gesagt finde ich mich selbst auch langweilig…«. Genau, Ritchie! Elf Freunde müsst ihr sein!!!
Auch bezüglich Mark IV und dem von der Masse ungeliebten Blackmore-Nachfolger Tommy Bolin gibt es noch ein bisschen was zu sehen, bevor dieser knapp fünf Stunden lange Deep Purple-Marathon ein Ende findet. Die Stärken liegen in der langen Laufzeit und des reichhaltig vorhandenen raren Materials, das hier enthalten ist. Die Schwäche liegt darin, dass die Mark III und IV doch sehr stiefmütterlich behandelt werden und das Haupt-Augenmerk ganz klar woanders liegt. Seltsam, dass das "Concerto For Group And Orchestra" mit keinem Wort erwähnt wird… Auch die Sound- sowie Bild-Qualität lassen manchmal zu wünschen übrig.
Wer, wie ich, über die nicht ganz so prickelnden Punkte hinwegsehen kann, der bekommt hier aber trotzdem Deep Purple in all ihrer Herrlichkeit und Blüte geboten! Ich persönlich komme mit den Abstrichen bei Bild und Ton bestens klar, da musikhistorisch tief gegraben wurde und so manche alten Aufnahme-Bänder sicher schon am Zerfallen waren, bevor sie restauriert wurden. Allein die Zeit nach Ian Gillan kommt dann doch musikalisch einfach zu kurz! Aber was soll's, jede Menge Material bekommt man für sein Geld geboten und musikalische Schätze stecken hier ohnehin zu Hauf drin.
Auf die nächsten 40 Jahre Deep Purple!
Externe Links: