Delays / Star Tiger Star Ariel
Star Tiger Star Ariel Spielzeit: 47:00
Medium: CD
Label: Lookout Mountain Records, 2010
Stil: Indie Rock, Pop

Review vom 25.06.2010


Mike Kempf
Die britische Indie Rock-Band Delays schmeißt zum 25. Juni diesen Jahres mit "Star Tiger Star Ariel" ein Album auf den deutschen Plattenmarkt, dessen erstes Checken vielversprechend klingt. Vor allem die zarte Stimme, die sehr abwechslungsreich durchs Mikro gehaucht wird, zum Teil gar an Kate Bush erinnert, erweckt mein Interesse. Mal schauen wie die Dame heißt. Greg Gilbert? Ich fass es nicht, entweder hat hier der Tontechniker ganze Arbeit geleistet um mich zu veräppeln, oder der Greg hat eben diese sonderbaren Fähigkeiten, hohe Stimmlagen wie eine weibliche Rockröhre zu treffen! Wobei ich das 'Röhre' noch getrost streichen kann und hoffe inständig, dass er nicht seiner Männlichkeit beraubt wurde. Ich empfehle mal bei "Hold Fire" reinzuhören! Ich habe noch nie einen solchen butterweichen Gesang von einem Bartträger gehört!
Dementsprechend kommt ihr Opener "Find A Home" ziemlich soft rüber, was aber durch die instrumentalen Einlagen recht ansprechend wirkt. Da geht es beim folgenden Teil schon etwas rockiger zur Sache. "Lost Estate" heißt das Stück, das bei mir Erinnerungen an die Anfänge der Fleetwood Mac-Zeit erweckt. Zumindest aus der Zeit Anfang der 70er. Ah! "Shanghai'd" habe ich schon im Radio gehört. Eine schöne eingängige, melodische Nummer, die durchaus Chart-Charakter besitzt, ohne mich nun gleich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dazu bewegt sich ihr Stil zu sehr im Classic Rock, etwas Blues, ein wenig Psychedelic und Pop Rock-Bereich. Aber bitte! Fleetwood Mac haben von anno dazumal bis heute eine üppige Fangemeinde eingespielt und diese könnten bei "May 45" vor Begeisterung in die Hände klatschen! Wenn ich's nicht besser wüsste, würde ich behaupten, einen Longplayer der glorreichen Band in meinem Player zu haben. "Unsung" besticht ebenfalls durch eine sehr einprägsame, rhythmische Melodie, die sich, ob ich will oder nicht, als 'Ohrwurm' in meine Trommelfelle einfräst. Nicht, dass ich nun völlig hin und weg bin, aber die musikalische Qualität des Scheibchens ist spitzenmäßig und einige Songs dienen dazu, von meinen üblichen Rock-Alltag in einige Entspannungsphasen abzudriften. So auch bei "Brilliant Sunshine", den ich im Unterbewusstsein öfter aufgesogen haben muss. Jedenfalls kommt mir das Teil recht bekannt vor und lässt mich weiter meditieren.
Nach "Moment Gone", einer leicht bluesigen Nummer, mit herzzerreißendem Schmelzgesang Gregs und schönem Gitarrengezupfe Aaorns folgt mit "Lake Can Be Lethal" ein weiterer Anspieltipp! Doch ich muss mich wiederholen: Wie gehabt, geistert mir Fleetwood Mac vor der Linse. Und von diesem Trip komme ich auch beim Finale und gleichzeitigen Titeltrack "Star Tiger Star Ariel" nicht mehr runter und ich empfinde, dass meine geschundene Rockerseele soeben im 'Ariel-Waschgang' bereinigt wurde. Schließlich kämpfen zwei Seelen in mir: Zum einen habe ich ein tolles, melodisches Album mit ein paar Blues-Anleihen und Psychedelic-Spritzern gehört, das mit einer hervorragenden Tonqualität brilliert und auch sonst kaum Schwächen zeigt. Auf der anderen Seite würde ich mir die Tonkonserve eigentlich nicht zulegen, da fehlt es mir dann doch an der nötigen Power, anspruchsvollen Gitarrenläufen, harten Drums, röhrendem Bass und eine Rockerkehle der Marke Bon Scott.
Ein Reinhören halte ich für empfehlenswert, so kann man sich letztlich dadurch einen kurzen Überblick verschaffen um selbst zu entscheiden, ob man sich die Platte, eine Mischung aus Fleetwood Mac und Kate Bush, zulegen möchte.
Line-up:
Greg Gilbert (vocals, guitar)
Aaron Gilbert (guitar)
Colin Fox (bass)
Rowly (drums)
Tracklist
01:Find A Home (New Forest Shaker)
02:Lost Estate
03:Shanghai'd
04:Rhapsody
05:May 45
06:Hold Fire
07:Unsung
08:Brilliant Sunshine
09:Moment Gone
10:Lakes Can Be Lethal
11:Star Tiger Star Ariel
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