Dirty Rig / Rock Did It
Rock Did It
Hab ich's nicht gerade erst gesagt? Schon steht die nächste 'Kick-ass-attitude'-Band mit einem neuen Album in den Startlöchern. Und ich erlaube mir, mich mit einem Auszug aus dem The Order-Review mal ausnahmsweise selbst zu zitieren, denn es passt hier wie die Faust aufs Auge:

»Neue Bands, die sich dem traditionellen Hard Rock/Heavy Metal verschrieben haben, gibt es viele, und sie alle genießen respektablen Erfolg. Aber sie alle eint auch dasselbe Problem: Sie sind so sehr vom 'Sex, Drugs and Rock 'n' Roll'-Lebensgefühl begeistert, dass auch ihre Songs von nichts anderem handeln und man etwas zu oft Schlagwörter wie 'get drunk', 'get laid', etc. findet.
Diese Eintönigkeit schlägt sich auch in der Musik nieder. Die Betonungen werden auf eingängige, knallende Riffs und rauchige Stimmen gelegt, und um jeden Preis muss der Eindruck eines 'Rock 'n' Roll Rebels' gemacht werden. Der Cowboyhut ist ein deutliches Anzeichen dafür. Häufig dienen Motörhead, AC/DC und Co. als Vorbilder.
Manche Bands treiben es sogar so weit, dass ihre Machwerke den roten Faden eines 'Albums' komplett verlieren. Dadurch erreichen diese Rocker der neuen Generation nie auch nur annähernd den musikalischen Status ihrer Idole. Astral Doors können in der Hinsicht als Ausnahmeerscheinung betrachtet werden, obwohl sie eine etwas andere Nische belegen. Corrosion Of Confirmity haben das Optimal-Ziel erreicht, einen eigenen Stil zu entwickeln. Auch Enemies SWE haben gezeigt, wie's geht - wenn auch vor Klischees triefend.«
Tattoos, Sonnenbrillen, und einer hat sogar den oben erwähnten Cowboyhut auf (eigentlich mag ich die Dinger, aber sie sind mittlerweile zu einer Art Warnsymbol für mich geworden). Und ich spreche diesem dreckigen Rotzrock-Album einen gewissen Charme nicht ab. Ich habe wirklich schon viel gehört, was schlechter war, und in gewissen Situationen kann ich mir den ein oder anderen Song von "Rock Did It" gut vorstellen, aber das Album hat nichts, was mich freiwillig ein zweites Mal hinhören lässt. Die Stimme von Kory Clarke ist übertrieben und schlecht, die Gitarre ist technisch eher schwach - nur der ordentliche Mix hebt die wenigen Stärken der Band hervor.
Was David Coverdale mit "Slide It In, Right To The Top" begonnen hat, das führen Bands wie Dirty Rig heute mit solcher Dreistigkeit fort, dass es bald noch nicht mal mehr lustig ist. Von den Managements kommen natürlich Sätze wie »Endlich eine Band, die die Kunst beiseite lässt und einfach nur guten, alten Rock 'n' Roll spielt!!!«. Aber erstens haben wir schon Dutzende von solchen Kapellen, und außerdem kann man sowas viel, viel besser machen. Die so oft zitierte Rock 'n' Roll-Attitude bedeutet Rebellion. Musik dieser Art hingegen will mit aller Gewalt Zuhörer auf ihre Seite ziehen.
Wer beim Musikhören nicht viel nachdenken möchte oder ein ordentliches Party-Album braucht, der ist mit "Rock Did It" gut bedient.
Ich für meinen Teil kann Sachen wie "Suck It", "Drunk Again", "Take Off Your T-Shirts" oder "Hot Porno Star" echt nicht mehr hören und bleibe beim Welten besseren Son Of Armageddon von The Order, das durch dieses Album in noch besserem Licht erscheint.


Spielzeit: 39:36, Medium: CD, Escapi Music, 2006, Hard Rock
1:Suck It 2:Drunk Again 3:Just A Star 4:Dogs 5:Rock Did It 6:Hot Porno Star 7:Throw Down 8:Cities 9:If You See Kay 10:Pennsyltucky 11:Hitch Hiker (European Bonus Track)
Christoph Segebard, 10.07.2006