Was haben wir denn da? Eine CD von Dissonant aus Bayern. Ja, da war doch mal was… nämlich Einst Mensch aus dem Jahr 2010.
Ehrlich gesagt hatte ich mittlerweile nicht mehr erwartet, wieder etwas von den Dreien zu hören. Freut mich, dass es nun doch wieder ein Lebenszeichen gibt, das auf den Titel "Dörpelgatz" hört (auch wenn ich nicht weiß, was das heißen soll…)
Erneut machen es Dissonant den Hörern nicht einfach (und mir, weil ich oben eine Stilrichtung eintragen muss…). Wobei sich die Chiemgauer selbst mit einer Klassifizierung schwer tun; ich sehe es genauso, Dark Metal trifft es nur bedingt. Wie schon auf dem Vorgänger werden einige Stilrichtungen verarbeitet - vermutlich ist das der 'Dissonanz-Faktor', auf den sie mit ihrem Bandnamen anspielen.
Das, was herauskommt, ist eigenwillig und auch mutig. Nämlich den Mut, antikommerziell vorzugehen, statt zu versuchen, auf einen Trend aufzuspringen, um erfolgreich zu sein. Dissonant gehen dabei das Risiko ein, mit ihrer Mischung viele abzuschrecken.
Diese Haltung verdient Respekt, obwohl ich zugeben muss, dass ich beim Hören schon manchmal etwas die Stirn gerunzelt habe… und mir gefällt nicht alles. Doch es gibt einige Stellen, die dafür entschädigen, die ich originell und interessant finde.
Los geht es mit dem dramatisch wirkenden Instrumental-Intro "Gadget". Harte Riffs folgen gleich darauf in "Eitelkeit", die Kombination mit dem Keyboard (das 80er-Jahre-Bontempi-Flair ausstrahlt) werden manche vielleicht als etwas nervig empfinden. Ein kleiner Speed-Part setzt ein, bevor es gemäßigter weitergeht - ein klein wenig fühle ich mich hier (wie bereits beim Vorgänger) an Die Apokalyptischen Reiter erinnert. Die ersten Dark Metal-Fans werden nun bereits den Aus-Knopf suchen… vielleicht hoffen sie, der dritte Song wäre anders, doch "In meinem Kopf" haut in die gleiche Kerbe. Durchhalten wird belohnt: "Das Todeslicht" ist etwas düsterer und meistens ruhiger. Ein erstes Highlight für mich, während ich beispielsweise mit "Da Hu-bär" weniger anfangen kann, wobei das sicher Geschmackssache ist.
Für mich ist eher das Titellied "Dörpelgatz" etwas: ein kurzes, gesprochenes Stück, das einen krassen Kontrast zu dem darauf folgenden "Fairy Tale" mit seinen Hippie-Anklängen bietet. Da trifft Regenbogen-Harmonie auf rauere, dunklere Momente. Stirnrunzeln ja, aber irgendwie ist es cool gemacht.
"The Dawn Is Coming" überzeugt ebenfalls durch wechselnde Emotionen und sogar eine 'boshafte' Stimme. Das kurze Instrumental "Stauschlauch" setzt dagegen auf schöne Tastenklänge, "Electric Chair" führt diese fort, kombiniert sie mit eher böse-ironischen Parts. Ganz zum Schluss wird es sogar teuflisch, denn "Lucy Is Back" - das ist mein Favorit auf "Dörpelgatz" - finde ich echt amüsant.
Falls es jemandem aufgefallen ist: Stimmt, auf der zweiten Hälfte der CD gibt es vermehrt Texte in englischer Sprache.
Auch wenn manche Stellen im ersten Augenblick vielleicht etwas komisch wirken, sollte man Dissonant nicht einfach in die Comedy-Ecke stecken; soweit das beim Zuhören (Texte sind leider nicht abgedruckt) erkennbar ist, sind einige ernste und gute Aussagen dabei.
Allerdings bin ich sicher, dass einige (vor allem die ernsthaften und trven unter den Metallern) die Scheibe als albern oder zu viel vermischt empfinden werden.
Doch wer mal etwas anderes hören will und es gut findet, wenn eine Band die tausendfach ausgelatschten Pfade verlässt, sollte in "Dörpelgatz" reinhören.
Line-up:
Christian Brach (vocals, guitar, keyboard)
Christian Freund (bass)
Florian Huber (drums, keyboard, backing vocals)
| Tracklist |
01:Gadget
02:Eitelkeit
03:In meinem Kopf
04:Das Todeslicht
05:Da Hu-bär
06:Toilet Seat
07:Dörpelgatz
08:Fairy Tale
09:The Garden Of Innocence
10:Der letzte Baum
11:The Dawn Is Coming
12:Stauschlauch
13:Electric Chair
14:Lucy Is Back |
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