Do I Smell Cupcakes / Springs
Springs Spielzeit: 51:01
Medium: CD
Label: JMG-Records, 2012
Stil: Pop-Pompös

Review vom 11.02.2012


Norbert Neugebauer
Do I Smell Cupcakes. Was für ein komischer Name, was ist das für eine Band? Ein Plattencover, auf dem die Köpfe der Bandmitglieder auf linkische Comicfiguren aufmontiert sind - infantile Spielereien oder Gags, um das Interesse zu wecken? Die Band, deren Kern aus Cottbus stammt und die nun in Berlin daheim ist, ist zweifellos jung. Aber über sechs Jahre diverse Bühnenerfahrungen, zwei selbstproduzierte EPs, crossovernde Auftritte in verschiedenen Kombinationen und ein musikalischer Israel-Trip, da ist doch schon einiges an Background vorhanden. Und das hört man sofort bei dieser Produktion: Die melodischen Popsongs sind aufwändig arrangiert, das ist alles andere als Nachwuchsarbeit.
Und gleich beeindruckt "Reality" als üppiger Einstieg in die Scheibe, ein Pop-Opus erster Güte. Strahlendes Intro mit Borderline-Trompeten, Break, über leisem Gitarrengeschrammel erhebt Kevin Traeger seine Engelsstimme. Der Song bauscht sich immer mehr auf und endet in melodramatischem Grande Finale. Was soll jetzt eigentlich noch kommen?
Da überrascht "Autumn In Minor" mit bläserverstärktem Rock Steady-Beat. Und Mr. Traeger zeigt, dass er nicht nur croonen, sondern auch cool kann. Dazu kommt noch ein satter Keyboard-Groove , der nahtlos in "Autumn In Major" mit seinem taumelnden Sax überleitet, das hat doch was! Mit "Gaps & Horizons" kehrt die Band zur (Brit) Pop-Opulenz zurück und bleibt mit dem rhythmischer angelegten "Inside Out" in der Spur. Wer hier Parallelen zu einer norwegischen Mädchenschwarm-Band der Achtziger hört, liegt sicher nicht falsch. So weit, so gut.
Klassische Klavierakkorde, umsäuselt von Streichereinheiten, dramatische Steigerungen, der Sänger setzt nun zum göttlichen Lobsang an - und überpacet grandios. Peinliche Schnulzennummer. Dass das folgende "Snake Devotion" mit Elektro-Pop-Geklimper, Schnattergeisterstimmen und hämmernden Beckenschlägen zum Gesinge ein anderes Mäntelchen bekommen hat, soll wohl die Vielseitigkeit der Combo beweisen, ist aber auch keine wirkliche Abwechslung. Ähnliches gilt für die nachfolgenden "Stranger & Me", "Backseat's Broken" und "Skeletons". "You Don't Get My Sympathy, Fridge" zeigt, dass die Jungs Papis Plattenschrank gut kennen und dass der Supertramp-Fan ist … - immerhin mal was anderes.
Es gibt allerdings noch ein paar erfreuliche Lichtblicke in diesem Pop-Barockhimmel. "The Quality Of Things" hat einen schönen lockeren Drive, der am Ende fast noch durch Traegers hier völlig unnötige Dramatisierung zersungen wird. Der schönste, weil einfachste und ungekünstelte Song ist "Little Man", nur zur gepickten Gitarre und ohne Pathos vorgetragen. Zu simpel, Jungs?
"Springs" - o.k., der Bandsound hat viele Quellen. Was aber noch lange nicht heißt, dass daraus ein starker musikalischer Strom wird, der mitreißt. Trotz aller Oberflächenbewegung fehlt der Band der angestrebte Tiefgang und es besteht die Gefahr, dass das ganze Geplätscher in Schönheit versandet. Die fast durchgehend melodramatische Belcanto-Singerei der keineswegs fehlerfreien Stimme des Frontmanns und der ganze musikalische Bombast, dazu die verqueren Texte mit ihrer pseudoromantischen Lyrik - das ist einfach ein paar Kunstnummern zu groß für eine junge Band, nur um die Mädels zu beeindrucken. Die Songs sind stark, das Kraetive beachtlich, aber deshalb muss man nicht stetig meterdick auftragen!
Jungs, macht halblang, auch aus einem so tollen Stück wie dem Opener wird nicht gleich eine ganze Oper! Und nicht jeder Song eignet sich fürs Breitwandformat und 3D, weniger ist oft mehr. Pompös ist nicht gleich künstlerisch. Ihr habt großes Talent, könnt was und nicht nur in einer Richtung, aber gerade mit »artificial wings« muss man fliegen können! Und »coming down is the hardest thing …«
Line-up:
Kevin Traeger (Gesang, Gitarre, Klavier)
Dennis Depta (Gitarre)
Paul Tischler (Gitarre, Gesang, Klavier)
Robert 'Slady' Marinow (Schlagzeug)
Maximilian Tischler (Bass)
Tracklist
01:Reality
02:Autumn In Minor
03:Autumn In Major
04:Gaps & Horizons
05:Inside Out
06:(In Brackets)
07:Snake Devotion
08:The Quality Of Things
09:You Don't Get My Sympathy, Fridge
10:Little Man
11:Stranger & Me
12:Backseat's Broken
13:Skeletons
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