Was sich die Schweden von Dollhouse ganz stolz auf ihre Fahnen schreiben können, ist, dass sie bereits ein paar richtig große bzw. kultige Musiker im Business begeistern konnten. So war es zum Beispiel kein Geringerer als der ehemalige MC5-Bassist Michael Davis, der total hin weg war von der Debüt-Single des skandinavischen Quartetts. Er ließ die Truppe umgehend in die USA einfliegen und produzierte deren Debüt "The Rock & Soul Circus". Diese Scheibe beeindruckte nach Erscheinen Nicke Andersson ( The Hellacopters) so nachhaltig, dass er es sich nicht nehmen ließ, Dollhouse mit auf Tour zu nehmen und auch das Zweitwerk "The Royal Rendevouz" zu produzieren. Beeindruckende Vorschusslorbeeren also von gestandenen Szene-Ikonen.
Es folgten weitere ausgiebige Tourneen mit u. a. MC5, Hardcore Superstar, Radio Birdman oder auch Baby Woodrose, bevor sich die Band um Hauptsongwriter, Gitarrist und Sänger Chris Winter wieder im Studio verbarrikadierte um das dritte Langeisen "Rock'n'Roll Revival" zu schmieden. Erschienen ist das Teil bereits 2009, aber Dollhouse entschieden sich, die Scheibe noch einmal komplett von Nicke Andersson remixen zu lassen und stellen ihr drittes Werk nun also überarbeitet noch einmal vor. Als kleiner Bonus wurde auch noch ein weiterer Titel, namentlich "Oh My People" hinzugefügt. Nun aber genug der Vorreden, kommen wir zur Musik.
Und bei der machen Dollhouse ziemlich schnell deutlich, wie der Hase läuft. Am Start haben sie eine sehr einnehmende Mischung aus Rock, Rock'n'Roll, Blues, Soul und sogar der Gospel wird nicht außen vorgelassen. Diese sehr interessante Stilverschmelzung wurde dazu in einen garagenähnlichen Sound gepackt, der zwar gut klingt, bei dem aber auf alle Polituren verzichtet wurde. Während "Feed Your Soul To The Music" so richtig schön geradeaus nach vorne rockt, tauchen bereits beim folgenden "Hold On Together" die ersten starken Soul-Anteile mit klasse Background Vocals der Gastsängerinnen auf. Für "Sittin' In This Room" sind Marie Goelles, Rosanna Lupi und Anne-lie Viklund gleich dageblieben, um auch dieses Stück mit ihren Stimmen zu veredeln.
Ein richtiger kleiner Hit ist "Gotta Move On", bei dem man das Gefühl hat, sich in irgendeinem Beat-Schuppen des Jahres 1970 zu befinden, während die Band es hervorragend versteht, diesen kraftvollen Rocker mit starken Melodien und einem eingängigen Refrain zu verbinden. Astreiner Gospel ist dann wieder "Let It Shine" mit dem leider schon letzten Auftritt der Background Ladies. Wenn ich schreibe 'astreiner Gospel', dann sollte man dies natürlich mit einer Prise Salz nehmen, denn kräftig nach vorne gerockt wird hier dennoch. Oder lasst es mich anders sagen: Die Kirchenorgel wird hier einfach nur gegen elektrische Gitarren ausgetauscht und es wird ein Zahn zugelegt.
Tief im Soul verwurzelt ist auch "Last Night". Ihr meint, diese Stilistiken in Verbindung mit einem hämmernden Schlagzeuger und bratenden Gitarren geht nicht? Doch, das geht absolut und gefällt auch, wenn man nicht gerade ein Purist ist. Was dem Album des weiteren einen Pluspunkt beschert, ist der sehr atmosphärische Sound. Da wurde viel Raum gelassen und es sind auch nicht immer unbedingt alle vier Instrumente gleichzeitig im Einsatz. "Oh My Soul" ist dann bester Rhythm'n'Blues, wie er (fast) auch im Jahr 1963 gespielt wurde. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass die Gitarren bezüglich Sound und Heftigkeit hier ein Stückchen zugelegt haben.
"Rock'n'Roll Revival" ist im Prinzip ein Album, das sich sehr stark auf die Musik der sechziger und frühen siebziger Jahre stützt, den Sound aber - trotz retro zu sein - ins Jahr 2010 befördert. Dazu kommt eine gewisse Rotzigkeit, die der Musik aber keineswegs schadet oder ihr respektlos gegenüber tritt. Ich finde das sehr gelungen, vor allem auch, weil man den Schweden abnimmt, was sie da so treiben. Chris Winter legt sich mit seinem Gesang voll rein und die Spielfreude aller Musiker fließt nur so aus den Boxen. Zu kritisieren ist die Spielzeit, die noch nicht einmal die 31-Minuten-Marke erreicht. Dafür hört man sich das Album aber auch gerne zweimal nacheinander an.
Eine sehr coole Mischung unterschiedlicher Musikstile, roh sowie mit Ecken und Kanten gebracht, bei der die Einbindung von Soul und Gospel die besonderen Akzente setzen. Von dem her empfehle ich, die Schweden unbedingt mal anzutesten!
Line-up:
Chris Winter (guitars, vocals)
Marcus S. Davis (drums)
Lars Jonsson (bass)
Carl Bingeland (guitars)
Mit:
Rosanna Lupi (background vocals - #2,3,5)
Marie Goelles (background vocals - #2,3,5)
Anne-lie Viklund (background vocals - #2,3,5)
Tracklist |
01:Free Your Soul To The Music
02:Hold On Together
03:Sittin' In This Room
04:Gotta Move On
05:Let It Shine
06:Last Night
07:Still Got Soul
08:Oh My Love
09:I'm Not Crossing Over
10:Oh My People
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