The Donkeyshots / Chasing Windmills
Chasing Windmills Spielzeit: 40:47
Medium: CD
Label: FinestNoise Releases, 2009
Stil: Gypsy Rock

Review vom 29.10.2009


Joachim 'Joe' Brookes
Als Oktett startete man 2001 und hat mittlerweile zwei Platten in Eigenproduktion veröffentlicht. Im Laufe der Jahre schmolz der Achter zu einem Quintett zusammen. Wahrscheinlich nicht wegen des Klimawandels, allerdings ergab sich aus der Minimierung eine gewissen neue Ausrichtung. Weg vom Ska Punk hin zum Gypsy Rock.
Der Sänger Bogdan Brakalov, bulgarischer Herkunft, ist dann wohl auch für die entsprechenden Texte in "Chasing Mira" sowie "Finding Mira" verantwortlich. Zu den Songs gibt es später noch mehr. Ansonsten wird in englischer Sprache gesungen.
Wo andere Bands mit dem Schrauben an der Dynamik aufhören, beginnt das Treiben der Donkeyshots auf ihrem Debüt-Label-Release "Chasing Mindmills" erst.
Der Rock ist manchmal Punk oder gar Metal. Winfried Ruhs an der Posaune und Sebastian Schreiber (Saxofon) sind streckenweise wie der Teufel hinter der armen Seele her.
Experimentierfreude ist in den knapp einundvierzig Minuten angesagt.
Allerdings gönnen die Donkeyshots dem Hörer schon Erholungsphasen, wie zum Beispiel im letzten Drittel von "River" (mit Piano) oder dem Bonustrack "Castles", ganz auf die akustische Gitarre ausgerichtet. Nachvollziehbar, dass man diesen Song als Extrabeilage auf die Platte gepackt hat, weil diese Nummer doch etwas ganz anderes ist, als alles davor Gehörte. The Donkeyshots am Lagerfeuer sozusagen.
Die Combo ist eigensinnig.
Die scheren sich einen Dreck um andere Personen oder Künstler.
The Donkeyshots haben da schon etwas von diesem grauen Tier mit den verlängerten Ohren. So kommt der erste Teil des Bandnamens aus meiner bescheidenen Sichtweise hin. Nimmt man das Ganze und betont anders, dann sind wir bei der Figur Don Quijote von der Mancha angekommen.
Achtung, Leute: Nach fest kommt ab.
Die Gruppe stellt den Hörer nicht nur einmal auf die Probe. Im Test: Gefühlsnerven, die durch das Gehörte in Aktion gebracht werden. Elektrische Ströme fließen da definitiv im Kopf. Messbar allemal, ist nur entscheidend, wohin der Zeiger ausschlägt. Dopamin und andere Glückshormone im Überfluss bis in die Haarspitzen oder dort in der Nähe beziehungsweise eher Ebbe im diesbezüglichen Haushalt?
The Donkeyshots sind provokant und lassen den Hörer in keiner Sekunde zufrieden. Zu aufrührerisch ist die Musik. Stakkatoartig krachende Riffsalven werden abrupt von Bläser-Speed-Polka, Tango oder Marschmucke abgelöst und dann wieder die Gitarrenfront. Ist die Jagd nach 'Mira' höllisch anstrengend, gibt es in "Finding Mira" die Erlösung. Der Sechssaiter ist auf weichere Klänge eingestellt worden und die Rhythmusabteilung im Kollektiv mit dem Holz- als auch Blechgebläse legen einen geschmeidigen Walzer aufs Parkett. Bei den Donkeyshots ist Party. Alle sind eingeladen, viele kommen, am besten auch gleich die Nachbarn und hören sich an dem Gebotenen schwindelig.
Vinyl-LPs werden auf 78-UPM-Schellackgeschwindigkeit abgespielt, so kommt es einem manchmal vor. Die Ideenfabrik der jungen Männer ist ein Fass ohne Boden und geordnetes Chaos.
Metallische Riffs in bester Gesellschaft mit hörenswerten Melodien.
Das Quintett schüttet ungemein viele Zutaten in einen Track. Der "Moonshine Blues" ist weder verträumt noch hat er etwas mit dem 12-Takter zu tun. Der als 'Menschenfeind' deklarierte Track "Misanthrope" kreiert durchweg ein einheitlich-hartes Bild und im Text geht es unbarmherzig zu.
"Draw" ist eine weitere hochexplosive Mischung aus Ska, Punk und Polka. The Donkeyshots' Markenzeichen sind drastische, unvorhersehbare Rhythmus-, Tempi- und Stilwechsel. In der besagten Nummer bedient man sich auch beim Funk, der auf höllische Geschwindigkeit beschleunigt, nur um abermals vom Polka-Metal verschlungen zu werden. The Donkeyshots bieten, gewollt, jede Menge Angriffsfläche und "Chasing Windmills" wird wohl bei jedem Auftritt für schweißtreibende Stimmung sorgen. Da muss das Wasser von den Wänden fließen. Die Band spielt in einer Schublade, in der man nicht so viele Mitstreiter findet. Insofern sind sie fast einzig, aber nicht artig.
Line-up:
Bogdan Brakalov (guitar, vocals)
Sebastian Schreiber (saxophone)
Winfried Ruhs (trombone)
Mathias Mallinger (bass)
Sascha Ibel (drums)

With:
Tine Böhm (alto saxophone - #2,3,4,8,10, additional vocals - #8)
Matthias Blank (piano - #10)
Karo Tabet (additional vocals - #10)
Tracklist
01:Fruitflies (4:37)
02:Jane (3:15)
03:Son Of The Sun (3:34)
04:Draw (4:19)
05:Chasing Mira (3:55)
06:Lightning (4:13)
07:Misanthrope (3:27)
08:Moonshine Blues (2:46)
09:Finding Mira (2:29)
10:River (4:26)
11:Castles (Bonustrack) (2:49)
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