|
Da steht man wieder vor einem (kleinen) Rätsel. Der Bandname ergibt sich erst mit einiger Fantasie und wenn man das Booklet auseinanderklappt. Douge heißt die italienische Formation. Endlich einen Schritt weiter gekommen, geht es um den Albumtitel. Im Innenteil des Doppelblattes sind alle 'd' rot geruckt worden. Aha, die Platte heißt vielsagend und tiefgründig "D".
Was das Quintett Douge spielt, ist Stoner Rock mit einer Prise psychedelischen Rückwärtsgängen in die Sechziger-/Siebzigerjahre. Sten Stoned sowie Daniele Tesser spielen Gitarre und diesen Vorteil nutzt die Combo auch. Die Rhythmusabteilung sorgt für ordentlichen Schub und Tim Norris »sings and screams«. Zu seinen Stimmbänder-Ausbrüchen der heftigeren Art gehören unter anderem auch Songs wie "Violent Desire". Mit seinem vorzüglichen Arrangement gehört diese Nummer auch gleich zu den Highlights des Albums "D". Die tiefergelegten Riffs schneiden ohne Pause durch den Track und dann zupft Daniele Tesser plötzlich seinen Bass wie Peter Hook von Joy Divison beziehungsweise New Order. Die E-Gitarren hinterlassen in einem gemeinsamen Solo psychedelische Narben auf den Trommelfellen. Von wegen ... "Violent Desire". Ein Stück, das von vorne bis hinten kracht und die Qualität der Band offenbart.
Wenn es Tim Norris etwas verhaltener angehen lässt, muss man ihm attestieren, dass er auch richtig gut singen kann, so, wie man es ganz allgemein von einem Rock-Shouter erwarten darf. Die knapp dreieinhalb Minuten "Psychedelic Symbiosis" sind jetzt nicht unbedingt die abgefahrensten, die man sich bei dem Songtitel vorstellen kann, aber auch dieses Lied verbucht der Hörer auf der Habenseite, vielleicht auch wegen der kleinen Blues-lastigen Solospielereien der einen Stromgitarre.
Der Quickie "Sex Drugs" ist eine knackige Knusperschnecke mit einer kräftigen Rock'n'Roll-Füllung. Der Bass ist hier ganz besonders aktiv. Bei zwei Songs lässt sich Douge etwas mehr Zeit. "Eragon/Storm" und "Perhaps You Should Smoke A Cigarette Instead" sind die längsten Nummern auf der Scheibe. Die Teilung von erstgenanntem Stück ist schon sehr deutlich, denn bevor die Spielzeit drei Minuten schlägt, wechselt die Atmosphäre wie das Frühjahrswetter die Temperaturen. Von einem tierisch groovenden, ersten instrumentalen Part wird es urplötzlich sehr besinnlich. Hätte man dem Fünfer gar nicht zugetraut, aber Stoner-Rocker haben bekanntlich ja auch eine weichere Se(a)ite. Wenn die von süßlichen Düften geschwängerte Luft verflogen ist, bricht wortwörtlich der 'Sturm' los und er erfährt bis zum Ende des Tracks keine Linderung, außer man sieht einen sich immer mehr verlangsamenden Schlagzeug-Einsatz als eine solche an. Der Ratgeber "Perhaps You Should Smoke A Cigarette Instead" ist insgesamt eine mächtig geradeaus rockende Nummer, die immer wieder von kurzen Breaks unterbrochen wird. Wenn man so will ist dieses Stück vergleichbar mit dem Klappentext eines Buches. Alle tollen Eigenschaften der Douge-Musik werden in diesem Longtrack zusammengefasst.
Wurde schon erwähnt, dass Douge eine richtig gute Combo ist. Gerade das bluesige "Simple Chaos" zeigt, wie unterschiedlich das Quartett den Stoner Rock auslegen kann. Dann setzen beide Gitarristen auch noch das Bottleneck ein ... Slidegitarre pur! Schön, wenn man sich auf diese Überzeugende Art noch an die Wurzeln des Stils erinnert.
"D" verfügt über alle Qualitäten einer hörenswerten Stoner Rock-Platte. Die Italiener Douge sind zu empfehlen. Das Quintett schaut auf angenehme Art und Weise auch ein wenig über den Tellerrand und überzeugt durch gutes Songwriting.
Line-up:
Sten Stoned (guitar, backing vocals)
Daniele Tesser (bass)
Alberto Piccolo (guitar)
Tim Norris (vocals, screams)
Lucio Bolzonello (drums)
| Tracklist |
01:Stone (4:21)
02:Narbon Kailon (3:39)
03:Violent Desire (3:37)
04:Psychedelic Symbiosis (3:27)
05:Sex Drugs (1:42)
06:Eragorn/Storm (6:43)
07:Truck Rocker (3:32)
08:Simple Chaos (2:55)
09:Mr. Queen (2:26)
10:Pressured (3:17)
11:Perhaps You Should Smoke A Cigarette Instead (6:09)
12:Look At Your Desert (3:38)
|
|
Externe Links:
|