Dr. Dog / Be The Void
Be The Void Spielzeit: 47:39
Medium: CD
Label: Anti-, Indigo, 2012
Stil: Alternative Rock

Review vom 22.02.2012


Joachim 'Joe' Brookes
1999 wurde Dr. Dog als Ableger der Band Raccoon gegründet. Toby Leaman und Scott McMicken sind so etwas wie die Masterminds der Kapelle und mit einigen Umbesetzungen in der Combo ist nun Eric Slick (unter anderem Jon Anderson, Adrian Belew, Heart, Ween, John Wetton) der Schlagzeuger. Dimitri Manos, zuständig für Gitarre, Percussion und elektronische Spielereien ist ebenfalls neu im Line-up und "Be The Void" ist Dr. Dogs sechster Tonträger. "Psychedelic Swamp" erschien 2001. Es folgten "Toothbrush" (2002), "Easy Beat" (2005), "We All Belong" (2007), "Fate" (2008) und "Shame, Shame" kam dann 2010 auf den Markt. Richtig los ging es mit der Band bereits, als Jim James von der Gruppe My Morning Jacket "Toothbrush" in die Finger bekam. Dr. Dog war für zwei Touren der Begleiter von MMJ. Noch mehr Aufmerksamkeit erhielt das grandiose "Easy Beat" und man hatte auch einen Auftritt in der Show von David Letterman. Im Jahr 2009 unterschrieb die Gruppe einen Platten-Deal bei Anti-. Zuvor hatte man beim Label Park The Van eine Heimat.
"Be The Void" ist schrill, verschroben, hat den Blues, den Folk sowie Pop, besitzt rechts und links zwei imaginäre Rückspiegel und manchmal klingt Dr. Dog so, als hätte die berühmte Beatles-Straße Abbey Road vom Regen und Frost mächtige Schlaglöcher bekommen. Schräg ist Dr. Dog allemal. Allerdings verzichtet man durch Refrains mit Mitsing-Charakter nicht auf Eingängigkeit. Die Gruppe hat psychedelische Elemente in ihrer alternativen Musik eingebaut und in ihren Texten stellt sie manchmal Fragen, die für den Hörer unbeantwortet bleiben.
Man kann es sich beim Schreiben schön zurecht legen, wenn man 'void' als Gasblase oder Lufteinschluss übersetzt, kommt das der musikalischen Aussage von "Be The Void" schon sehr nahe. Dr. Dog puzzelt sich seinen eigenen Kosmos aus Kinderlied-Melodien und Rock-Riffs der Sechziger-/Siebzigerjahre zusammen. Produziert und gemixt hat die Band zusammen mit Nathan Sabatino. Bei seinen sonstigen Aktivitäten taucht auch Bob Log III auf und da ist es fast kein Wunder, dass der Opener den abgedrehten Blues dieses Alleinunterhalters beinhaltet. Zur einsam vor sich hin geslideten Dobro gibt es stampfende Rhythmus-Macherei der Marke 'alles um 50% reduziert'. Sabatino hat zum Beispiel noch Howe Gelb (Giant Sand) oder Rich Hopkins auf der Visitenkarte stehen. Das Album verfügt über einen Lo-Fi-Klang.
Elektronische Klangspielereien und handgemachte Musik sind bei Dr. Dog in guten Händen und vermischen sich zu einer individuellen Einheit ("Do The Trick"). "Be The Void" ist allemal bodenständig und verfügt bei allen Pop-Anleihen über Ecken und Kanten. Auf skurrile Weise bringt "Vampire" die bereits erwähnten Beatles auf den Plan und "Warrior Man" ist retro-psychedelisch bis dorthinaus. Dr. Dog ist kein Hausarzt, sondern ein Gerichtsmediziner Marke Boerne. Die Musik-Geschichte wird seziert, analysiert und alles, was man gebrauchen kann, kommt in den großen Dr. Dog-Napf.
Zum groovenden "Over here, Over There" kann man fleißig das Tanzbein schwingen und beim treibenden "Get Away" kommen auch Streicher (Janka Perniss/Nathan Sabatino) zum Einsatz. Dimitri Manos ist mit seinem Handgetrommel nicht nur Beiwerk. Der ist richtig präsent und prägend für einige Nummern.
Scott McMicken zur CD: »It was reminiscent of when we were starting out there and were these fearless weirdoes in a basement, so confident and reckless and bold. Guitars stopped being problematic and started becoming very exciting to us.«
Dr. Dog dürfte mit seinem schräg-sympathischen Freistil viele Musik-Fans ansprechen. Man sollte beide Ohren riskieren und reinhören.
Line-up:
Scott McMicken (vocals, guitar)
Dimitri Manos (guitar, percussion, electronics)
Frank McElroy (guitar)
Zach Miller (keyboards, vocals)
Toby Leaman (bass, vocals)
Eric Slick (drums)

With:
Janka Perniss (violin - #5)
Nathan Sabatino (cello - #5)
Sean Rogers (bass - #4)
Forrest Reda (backing vocals - #1)
Tracklist
01:Lonesome (3:18)
02:That Old Black Hole (3:21)
03:These Days (2:47)
04:How Long Must I Wait? (3:40)
05:Get Away (4:01)
06:Do The Trick (4:32)
07:Vampire (4:27)
08:Heavy Light (3:41)
09:Big Girl (5:03)
10:Over Here, Over There (4:01)
11:Warrior Man (4:58)
12:Turning The Century (3:50)
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