The Durgas / Back To The Start
Back To The Start Spielzeit: 60:37
Medium: CD
Label: Cannery Row Records, 2008
Stil: Rock

Review vom 03.01.2008


Joachim 'Joe' Brookes
Schaut man sich die Live-Termine (Vergangene eingeschlossen) der Durgas an, finden sich Auftritte in München, Würzburg, Berlin, Krefeld, Wien, Tucson, Los Angeles, San Francisco, Honolulu, Phnom Penh, Phang Nga oder Phuket.
Deutschland, Amerika, Hawaii, Thailand, Sri Lanka ... .
Respekt, die Durgas sind ja ordentlich unterwegs!
Der Bandname leitet sich von der hinduistischen sechsarmigen Göttin Durga ab.
Benjii und Christopher Simmersbach wurden in Deutschland geboren und wuchsen in Thailand, Mali, Senegal, Tansania, Amerika und Italien auf.
Respekt, die Brüder haben ja ordentlich was von der Welt kennen gelernt!
Von 1984 bis 1998 waren die Simmersbachs in der Band A Subtle Plague (ASP) und spielten zirka 125 Konzerte im Jahr. 1992 wurden Mitschnitte einiger Gigs für den Dokumentarfilm "The Big Pink" benutzt. Der mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnete Film befasst sich mit dem bewegten Leben der Familie Simmersbach.
Nachdem Analucia DaSilva und Pat Ryan ASP verlassen hatten, wurde 1998 der Bandname in A Drastic Measure geändert. 2003 dann Folgendes: »A Drastic Measure müssen ihren Namen ändern, da ihre Webseite zwischenzeitlich von der Pornoindustrie aufgekauft worden war.«
Seit Januar 2004 firmiert man unter dem Namen The Durgas. Lobenswert ist auch das soziale Engagement der Band: Sie sind Botschafter der deutschen Stiftung WeltKinderLachen, mit deren Unterstützung sie drei Jahre nach der Tsunami-Katastrophe unter dem Motto 'Make It Happen' zum Jahreswechsel 2007/2008 eine Benefiz-Tour durch Indien, Sri Lanka, Thailand und Kambodscha machen.
Wer sich für Kinder einsetzt, rennt bei mir offene Türen ein.
Ob es mit der Durgas-Musik auf ihrem Debüt-Album "Back To The Start" auch so ist?
Die in den Claustrophobia Sound Studios, Berlin aufgenommene Platte wurde von Boris Wilsdorf (Einstürzende Neubauten) gemixt und Noa Winter Lazerus, der bereits mit Joe Cocker,
Pink Floyd oder den Rolling Stones zusammenarbeitete, hat gemastert.
Der Rock der Durgas ist so bunt, wie ihre multikulturelle Sozialisation und wenn für das recht kurze "Wish I Could" ein gewisser Chuck Prophet (Green On Red) seine Klampfe schultert und das Solo spielt, befinden wir uns sogleich bei prächtiger Roots Musik. Americana-Style hören wir in "Passage To The Milky Way". Die akustische Gitarre gibt zunächst den Weg mit dem Piano vor, dann legt die Dynamik zu und die Instrumente werden von der elektrischen Gitarre überlagert. Im Text geht es um ein an Aids erkranktes Kind und Tod. Die Divergenz von gesungenem Wort und der Musik ist gewollt. Samo Matheis am Piano leitet "Sleep Vivian" ein und Rainer Baumgartner scheint die Felle seines Schlagzeugs mit dem Jazzbesen zu streicheln. Immer wieder ist die akustische Gitarre zugegen und Benjii Simmersbach singt mit einer sympathischen Reibeisen-Stimme feiner Körnung. Zuweilen kommt einem der Peter Gabriel in den Sinn, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Auch das getragene "Sleep Vivian" mit herrlichem Chorus hat einen nachdenklich machenden Text, denn es geht um den Kameruner Fußballspieler Mark Vivienne Foe, der während eines Spiels starb.
Country-Feeling pur liefern die Durgas mit "The Whiskey Tree". Vorher im Track nicht unbedingt zu hören, soliert plötzlich das von Karen Weber gespielte Cello und danach wiegt sich die Nummer für Sekunden im Reggae. The Durgas setzten hier und da auf gelungene Überraschungsmomente.
"That's Fact" rockt heftig rootsig ab und Matt de Harp, der bereits in "The Whiskey Tree" für Stimmung sorgte, kann auch hier sein Können an der Harmonika zeigen.
"Why Let It Fly", das ohne 'helping hands' eingespielt wurde, erinnert an die guten alten Genesis.
Gut, dass man sich dazu entschieden hat, die CD um drei Live-Aufnahmen und obendrauf auch noch durch ein Video zu ergänzen, denn so erhält der Käufer ein zusätzliches Hörvergnügen.
Ein dritter Simmersbach ist mit von der Party: Patrick spielt elektrische Gitarre und schon mit "Could It Be", einem bereits für das nächste Album geplanter Track, begeben sich die Durgas auf die Reggae-Spielwiese. So sorgen sie für treffliche Stimmung und deren 2 ½ Minuten "The Whiskey Tree" in der 'Berlin-Version' wird live ordentlich gestreckt, allerdings nicht mit Wasser, sondern durch eine feine Einlage mit osteuropäischen Elementen. So ist man schon gespannt auf die 13 Minuten "Commercial Job". Hier wird gerockt und gegroovt bis die Schwarte kracht. Schön arrangierte Breaks und Rhythmuswechsel lassen die Minuten wie im Flug vergehen. Die beiden fetzigen Gitarrensoli klingen echt spacig und dann improvisieren die Durgas, mit Tom Penny an der Harp, fantastisch, inklusive Bass- und Drumsolo. The Durgas live: Wehe, wenn man sie loslässt!
Im "The Whiskey Tree"-Movie gibt es zum Song der CD Impressionen aus dem Dokumentarfilm "The Big Pink", nehme ich an. Aus Kindern werden Erwachsene und am Ende des Videos spielen sie auf irgendeiner Bühne dieser Welt.
The Durgas sind echte Globetrotter und bei der Musik auf "Back To The Start" ist deren Qualitätsskala nach oben offen.
Respekt, zum jetzigen Zeitpunkt werden 8 von 10 RockTimes-Uhren vergeben.
Line-up:
Benjii Simmersbach (vocals, acoustic guitar, electric guitar)
Christopher Simmersbach (electric guitar)
Jonathan Heine (bass, electric guitar, piano)
Rainer Baumgartner (drums, percussion)

the helping hands:
Samo Matheis (piano - #3, 4, 8, 9)
Markus Marageter (organ - #1, 2, 4, 5, 8, 9, electric piano - #4)
Matt de Harp (harmonica - #1, 2, 6, 7, mandolin - #1)
Karen Weber (cello - #2, 3, 8)
Arif Guerses (violin - #8)
Andy Hefler (vocals - #4)
Jen Carr (vocals - #3)
Kiko (vocals - #2, 8, 9)
Chuck Prophet (guitar - #7)
Patrick Simmersbach (electric guitar - #11, 12, 13)
Claudia Mayrhofer (keyboards - #11, 12, 13)
Tom Penny (harmonica - #11, 12, 13)
Finn Simmersbach (shakers, vocals - #11, 12, 13)
Tracklist
01:Song To A Drunken Friend (2:40)
02:The Whiskey Tree (2:31)
03:Sleep Vivian (4:28)
04:Julia (5:14)
05:Amerika Wake Up (4:13)
06:That's Fact (3:05)
07:Wish I Could (1:36)
08:Back To The Start (3:44)
09:Passage To The Milky Way (3:44)
10:Why Let It Fly (3:28)

Bonus Tracks:
11:Could It Be (5:03)
12:The Whiskey Tree (7:19)
13:Commercial Job (13:06)

Bonus Video:
The Whiskey Tree
Externe Links: