Ich war selten so gespannt auf ein Album einer mir bislang unbekannten Künstlerin. Die Rede ist von Ilse DeLange, einer Singer/Songwriterin, die bisher eher in den Niederlanden für Furore gesorgt hat. Ihr Debütwerk "World Of Hurt" wurde mit Gold und Platin ausgezeichnet, zudem noch als bestes holländisches Popalbum aller Zeiten gewählt.
Ihre mittlerweile fünfte Studio-CD "The Great Escape", die mir zur Rezension vorliegt, soll jetzt endgültig für den internationalen Durchbruch sorgen. Die Voraussetzungen dazu waren nahezu ideal: Fast alle Stücke stammen aus der Feder von
Ilse und dem renommierten Allrounder
Patrick Leonard (
Madonna,
Jewel,
Bon Jovi), der auch produktionstechnisch das Ruder übernahm. An Musikern u. a. mit dabei Leute wie
Bruce Gaitsch (
Richard Marx - Akustik-Gitarre),
Wendy Melvoin (
Prince - Bass, E-Gitarre),
Sting-Live-Gitarrist
Lyle Workman und die mir bestens aus der New-Country-Szene bekannten
John Shanks (grandioser Gitarrist, Produzent, Songwriter -
Bon Jovi,
Sheryl Crow,
SHeDAISY,
The Wreckers etc.) und
Greg Leisz (Pedal Steel).
Als Einflüsse beschreibt der Beipackzettel Leute wie
Elton John,
Jewel,
Sheryl Crow,
Melissa Etheridge und generell Richtungen wie Blues, Rock, Folk oder Country. Der Blick auf das geschmackvoll in frühlingshaften Farben gestaltete, umfangreiche Gesamt-Booklet, eingelegt in einer edel aufgemachten Super-Jewel-Box, offeriert eine hübsche Dame (man könnte meinen
Nicole Kidman hätte eine noch wesentlich attraktivere jüngere Schwester), sowie alle Texte und relevanten Infos. Was soll jetzt noch großartig schief gehen? Bleibt ja eigentlich nur noch die Musik über.
Auch nach mehrmaligen Durchhören ist das Ergebnis für mich persönlich allerdings leider dann doch ernüchternd. Ich hatte eigentlich auf überwiegend melodischen rock-, roots- und countryinfizierten knackigen Pop spekuliert, geboten bekomme ich eine größten Teils selbstverliebt wirkende, introvertierte, melancholische, manchmal psychedelisch angehauchte Musik, wobei auch die recht zarte Stimme DeLanges überhaupt nicht für meine Gehörgänge ausgelegt ist. Dumm gelaufen, ein Problem halt, dass ich zur Zeit keine Soundfiles im Vorfeld abhören kann. Schade.
Ich wage zu bezweifeln, ob trotz all genannter mitwirkender Prominenz mit dieser, meiner Ansicht nach wenig radio-freundlichen Musik mehr rauskommt, als weiterhin nationale Beachtung. Höchstens bei der Musik-Klientel Richtung
Alanis Morissette /
Tori Amos /
Heather Nova etc. dürfte gepunktet werden. So bleiben auf meinem Notizzettel nur die unter
John Shanks-Beteiligung (klasse sein
Dire Straits-inspiriertes E-Spiel) stattgefundenen Nummern "Real For The Light" (entspannter Pop-Song) und "The Valley"
(
Ilse hier mal mit frecher Stimme Marke
Sheryl Crow) hängen, des weiteren noch das atmosphärische Titelstück "The Great Escape" (Refrain mit dezentem
Cyndie Lauper-Touch) und die melancholische Ballade "Don't You Let Go Of Me" (erinnert an
Mindy Smith). Bei einigen Liedern ("Carry Hope", "Waterfall", "When") blinzelt vereinzelt noch ein wenig
Faith Hill-Flair auf, ohne aber deren Glanz auszustrahlen. Das Pedal Steel-Spiel von
Greg Leisz verleiht den Strukturen unter seiner Beteiligung überhaupt keine Countrynote. Selbst das Duett mit dem in MTV-Sphären angesagten
Christopher Ender Carrabba, alias
Dashboard Confessional, weiß mit seinem Synthie-/Streicher-dominierten Psychedelic Pop kaum Akzente zu setzen.