Ahhhhhhh, Steve Dawson! Der kanadische Allround-Künstler ist aus seiner heimatlichen Szene kaum wegzudenken und mit vielen Aktivitäten, ob als Produzent, Songwriter oder Musiker sorgt er immer wieder für Aufsehen. Trotz seiner Vollbeschäftigung nimmt er sich von Zeit zu Zeit die Zeit für ein eigenes Album und so ist "Nightshift" das insgesamt fünfte Album des Black Hen Music-Gründers. Seine Fähigkeiten stellte er auf den Alben von Jim Byrnes unter Beweis und er ist auch die treibende Kraft hinter dem Sampler Things About Comin' My Way, einem Tribute an die Band The Mississippi Sheiks. "Gulf Coast Bay" ist ein Song dieser Band.
An seinen Instrumenten ist Dawson ein Überflieger, der wohl früher nicht viel üben musste, weil ihm alles entgegen flog. Seine Leistungen am Gesangs-Mikrofon sind im Vergleich dazu eher okay. Wenn Dawson das Bottleneck oder die Steelbar über die Saiten bewegt, ist hervorragende Unterhaltung angesagt. Dawson ist ein Slide-Spieler, wie er im Buche steht und würde bestimmt unter den allerbesten Musikern auftauchen.
Nimmt man den ersten und fast letzten Track "The Fray" zur Hand, dann beschreiben diese beiden Lieder annähernd, worum es in Dawsons 'Nachschatten'-Gewächs geht. Der Opener ist eher ein Country-Song mit Pop-Mixtur und "The Fray" macht einen auch knarzige Neil Young-Gitarre. Natürlich ist die Musik, alleine schon durch die vielen Instrumente sehr interessant. In diesem Zusammenhang muss auch Chris Gestrin an diversen Tasteninstrumenten genannt werden. Er ist so etwas wie Dawsons musikalisches Spiegelbild, was die vielen Instrumente angeht. Da kann locker von viel Abwechslung gesprochen werden.
Einige Songs haben es allerdings schwer, sich im Gemüt des Hörers festzusetzen. Die Kompositionen sind so etwas wie eine Achterbahnfahrt mit Höhen und wenigen Tiefen. Wenn man sich das Album im richtigen Moment packt, dann hat es einen auch am Haken. Das Lied der Mississippi Sheiks geht allerdings zu jeder Tages- und Nachtzeit. ."Gulf Coast Bay" hat auch ein anderes Ambiente. Man spürt, dass diese Nummer gegenüber Dawsons Eigenkompositionen eine andere Aufbereitung erhalten hat.
Die Scheibe hat nicht nur wegen des Titels eine dunkle und helle Seite. Dawson serviert sowohl Nachdenkliches wie auch strahlende Roots Rock-Songs (unter anderem "Fairweather Friends"). Dabei ist es bemerkenswert, dass der Protagonist auch das Banjo spielt ("The Side Of The Road"). Bei Dawsons Gabe für Saiteninstrumente bringt er alleine fast schon ein vielfältiges Orchester an den Start. Die Nummern wiegen sich im großräumigen Roots-Bereich und der Kanadier versteht es immer wieder, seinen Kompositionen einen Pop-Appeal zu verpassen.
Ein starkes Groove-Gewächs ist "Walk On", bei dem Gestrins Solo-Einlage einen jazzigen Charakter hat und abermals ist die Gitarrenarbeit exzeptionell. Was die Produktion, natürlich auch in Händen von Dawson, angeht, ist eine Höchstwertung angesagt. Der Mann ist ein genialer Musiker, aber als Sänger kann er nicht vollständig überzeugen. Da reißen die Chor-Leute Alice Dawson, Jeanne Tolmie und Jill Barber so manche Kohle aus dem Feuer. Fans des Künstlers werden sich das Album eh in ihre Sammlung stellen und alle anderen Musik-Anhänger muss Steve Dawson einfach überzeugen.
In diesem Sinne gibt es für "Nightshade" keine eindeutige Empfehlung. Das ist wie bei einem ausgefallenen Design. Der eine jubelt, die andere reagiert reserviert.
Line-up:
Steve Dawson (vocals, electric guitars, 12-string acoustic guitar, baritone guitar, slide guitar, marxophone, mellotron, tack piano, banjo, music box, mandotar, steel guitar, pedal steel, percussion, melodica)
Chris Gestrin (organ, Wurlitzer, moog, pump organ, tack piano, phillicorda, moog, accordion)
Keith Lowe (electric bass, double bass)
Geoff Hicks (drums, vocals)
Alice Dawson (vocals)
Jeanne Tolmie (vocals)
Jill Barber (vocals)
| Tracklist |
01:Torn And Frayed (4:07)
02:Darker Still (4:08)
03:Nightshade (4:22)
04:Walk On (4:09)
05:Have That Chance (4:36)
06:Gulf Coast Bay (4:48)
07:The Side Of The Road (4:12)
08:We Still Won The War (3:43)
09:Fairweather Friends (4:04)
10:Slow Turns (3:32)
11:The Fray (5:09)
12:The Time It Takes (4:41)
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