Edenbridge / The Bonding
The Bonding Spielzeit: 58:49
Medium: CD
Label: SPV, 2013
Stil: Melodic Metal

Review vom 06.07.2013


Boris Theobald
Edenbridge haben wieder 'groß' gemacht. Wenn ich das mal so ausdrücken darf ... ein groß aufgezogenes Klangerlebnis, einschließlich Orchester. Alles andere wäre auch ein Rückschritt gewesen. Schließlich sind die Österreicher bereits 2008 mit "My Earth Dream" auf dem Level angekommen, mit klassischen Musikern zusammenzuarbeiten, um ihrem symphonischen Melodic Metal eine zusätzliche Dimension zu verleihen. Im aktuellen Fall hat man Musiker der heimischen Klangvereinigung Wien ins Studio locken können, um dem achten Studioalbum authentischen Bombast zu verleihen.
Aber zunächst steht die Metal-Band im Vordergrund, eindeutig. "Mystic River" ist ein bärenstarker Opener. Ein düsteres, technisch feines Riff peitscht den Song nach vorn. Im mysteriös anmutenden Pre-Chorus werden Sabine Edelsbachers Lead Vocals von einem starken, exzellent produzierten Chor Zeile um Zeile beantwortet ... bis dahin könnte der Song auch gut und gerne auf einer Prog-Platte von Vanden Plas oder Threshold stehen. Doch der Chorus ist dann ganz typisch Edenbridge: getragen atmosphärisch, perfekt auf die Sängerin zugeschnitten.
Bemerkenswert ist, dass "Mystic River" da, wo es eigentlich vorbei sein könnte, nochmal einen epischen Schlenker macht. Minutenlang breiten sich Orchesterklänge und schließlich noch ein Gitarrensolo aus, bevor ein letzter Refrain schließlich den Deckel drauf setzt. Das ist doch positiv: Man biedert sich zu Beginn der Platte nicht mit einem Auf-Teufel-komm-raus-Ohrwurm an. Hat die Band auch längst nicht mehr nötig. Positiv ist auch, dass das Orchester (im Instrumentalpart, aber auch da, wo es nur kurze, dramatische Akzente setzt) nicht übertrieben eingesetzt wird und alles platt macht. Das kennt man bei anderen Bands anders.
Nach dem starken Opener variiert das Niveau allerdings etwas. "Shadows Of My Memory" wird mit Tempo, Kraft, klasse Chören und mit Grunts von Neu-Basser Wolfgang Rothbauer (Disbelief, Zombie Inc.) nochmal zu einem Hinhörer. Dafür ist mit "The Invisible Force" auch ein sehr durchschnittlicher Song mit Allerweltsriff und 08/15-Chorus am Start. Über "Alight A New Tomorrow" kann man sich sicherlich streiten ... die Nummer geht exzellent ins Ohr, ist dafür aber aalglatt und hat diesen (natürlich mit Metal-Riffs angereicherten, aber dennoch) Pop-Appeal von Nightwishs "Amaranth" oder "Nemo".
Und wenn wir schon mal am Streiten sind, dann machen wir bei den Powerballaden weiter. Da sind (natürlich) mehrere am Start, aber nicht alle können gleichermaßen überzeugen. "Star-Crossed Dreamer" und "Into A Sea Of Souls" sind okay, aber auch nicht mehr und ganz sicher kein Fall für die Repeat-Taste, geschweige denn fürs Langzeitgedächtnis. Dafür ist "Far Out Of Reach" eine echte Perle. Schon der behutsame Aufbau mit Klavier und Akustikgitarre überzeugt. Die Nummer wird dann richtig episch, aber nie overplayed. Das Chor- und Orchesterarrangement zeugt von Feingefühl. Ebenso das plötzliche Zurückfahren in den Klavier- und Akustikgitarrenmodus; das sind klasse Momente.
Die letzte Ballade, die sehr lyrische Nummer "Death Is Not The End", ist musikalisch nichts Weltbewegendes, aber melodisch durchaus schön - und für Songschreiber Lanvall, der im Entstehungsprozess des Albums private Schicksalsschläge hinnehmen musste, sicher von großer Bedeutung. Sabine Edelsbacher hat zudem die Chance, ein bisschen wie eines ihrer Vorbilder, Kate Bush, zu klingen.
Am Ende des Albums thront der viertelstündige Titelsong. "The Bonding" vereint geheimnisvoll-unheimliche mit gewaltig-pompösen Fantasy-Soundtrack-Landschaften. Dramatischer Höhepunkt ist das aufwühlende Gesangsduett Sabine Edelsbachers mit Eclipse-/WET-Sänger Erik Martensson. Ebensfalls stark in Erinnerung bleibt aber auch Lanvalls mehrminütiges, vorsichtig spannungsgeladenes Kacapi-Spiel, das zur Grundlage eines Gitarrensolos wird. Das klingt fein zusammen, tolle Atmosphäre, erinnert etwas an "Lady Of The Snow" von Symphony X – nebenbei ein weiteres Kapitel in Lanvalls Lust auf 'exotische' Saiteninstrumente (Pipa und Bouzouki hat er schon durch). Dieser Longtrack ist gekonnt komponiert. Alle Achtung, da wirkt nichts gekünstelt oder aufgesetzt ...
Edenbridge haben eben wieder 'groß' gemacht – "The Bonding" ist aber keinesfalls fürs Klo, auch wenn das Album den Vorgänger nicht überbieten kann ("Solitaire" hatte ein paar mehr Überraschungseffekte zu bieten). Zwischen den wirklich bemerkenswerten Highlights hängt es eben ein paar Mal durch – dennoch eine Scheibe, die man durchaus haben kann, als Genre-Liebhaber sogar haben sollte.
Line-up:
Lanvall (lead & rhythm guitars, bass, acoustic guitars, piano, keyboards, kacapi)
Sabine Edelsbacher (lead vocals)
Dominik Sebastian (lead & rhythm guitars)
Wolfgang Rothbauer (bass, grunts - #7)
Max Pointner (drums)

Guest musicians:
Erik Martensson (lead vocals - #9)
Robby Valentine (backing vocals & choirs)
Tracklist
01:Mystic Rider (7:16)
02:Alight A New Tomorrow (3:56)
03:Star-Crossed Dreamer (4:03)
04:The Invisible Force (5:29)
05:Into A Sea Of Souls (5:01)
06:Far Out Of Reach (6:12)
07:Shadows Of My Memory (5:39)
08:Death Is Not The End (5:47)
09:The Bonding (15:26)
Externe Links: