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»If what you did is more important than what you are doing, you WAS«
Wenn das mal nicht eines der treffendsten Zitate ist, die mir seit langem untergekommen sind. Vierzehn Worte, die zum Nachdenken anregen, die man wie Arschtritte so manchem Zeitgenossen zugutekommen lassen möchte. Vierzehn Worte, die aber auch taugen, einen selbst aus dem Alltagstrott zu ziehen, bzw. sich klar zu machen, dass man Vergangenem nicht nachtrauern soll. Jeder gute Rotwein, den man gerade einschenkt, ist in Momenten Vergangenheit. Besser als das leere Glas anzuschauen und den Tropfen nachzutrauern, ist es, das Glas wieder zu füllen.
Also, die wilden "Easy Rider"-Zeiten sind wohl vorbei, dafür freut man sich aber nicht minder über Klimaanlage, Sitz- und Lenkradheizung und genießt den Komfort einer digitalen Frauenstimme, die das Gefährt sicher und zielgenau zum nächsten Rotwein-Dealer lotst. "Easy Rider" ist das Stichwort, denn Electric Prunes' "Kyrie Eleison" war auf dem Soundtrack-Album des Road Movies. Das war im Jahr 1969. Drei Jahre früher tauchte er Bandname Electric Prunes das erste Mal auf, nachdem man vorher als Jim and The Lords und The Sanctions um die Ecken zog.
Probleme, immer wieder Probleme mit den Produzenten führten bereits 1968 zur Auflösung der Band. Es sollte 32 Jahre dauern, bis die Band wieder zusammenfand. Bisschen mehr über die Electric Prunes könnt ihr auf dem Rhino-Doppeldecker Too Much To Dream nachlesen. James Lowe und Mark Tullin, beide Gründungsmitglieder, begannen vor ein paar Jahren über ein neues Album nachzudenken. Sie sammelten quasi Material, das es nicht auf vorherige Alben geschafft hatte, Sachen, die unfertig in der Schublade lagen. Dann starb Basser Mark Tullin (2011) und James war am überlegen, ob er mit dem Album weitermacht, oder die Arbeit daran einstellt. Die Band, die nun seit etwa 10 Jahren wieder zusammen war, entschied sich die Platte herauszubringen.
Das war eine gute und weise Entscheidung, denn »If what you did is more important than what you are doing, you WAS«...
"Smokestack Lightning" ( Howlin' Wolf) dürfte bekannt sein - im Original und auch von den Prunes nach deren Wiedervereinigung. Ansonsten geht es auf "WaS" 'gemischt' weiter. Man kann ohne Weiteres behaupten, dass sie moderner klingen, ohne jedoch die alten Schienen zu verleugnen. Da ist immer noch dieser Hauch Garagen-Psychedelic mit schräger und sägender Gitarre, da sind diese Nummern, die oft so melodiös sind, dass sie den Stempel Psychedelic Pop/Rock mehr als verdienen. "Beauty Queen" oder "The Girl Who Crashed My Dream", welches wie eine alte, unbekannte T. Rex-Nummer aus den Lautsprechern fließt. Da meint man bei "Frozen Winter" gar einen jungen Ozzy auf einer alten Iron Butterfly-Scheibe zu hören.
Auf "Bullet Thru The Backseat" hören wir Original-Gitarrist Ken Williams an der Gitarre sowie Joe Dooley, der 1968 Michael Weakley an den Drums ersetzte. Die Aufnahme ist live und stammt von einer Show »from a night in Bristol England«. Ken spielt übrigens auch auf "Smokestack Lightning" die Gitarre und die Felle bedient der eben erwähnte Original-Drummer Weakley. Stilistisch wie personell ist da also allerhand geboten. Sicherlich ist "WaS" in der Blindverkostung nicht immer als Output der Electric Prunes zu erkennen, aber dafür ist musikalisch auch nicht unbedingt auf eine Platte aus den Jahren 2000 plus zu schließen.
Das ist aber gewollt, denn Lowe möchte nicht nur auf "I Had Too Much To Dream (Last Night)" reduziert werden, weil, ja »If what you did is more important than what you are doing, you WAS«.
"WaS", im herrlich psychedelisch bunten Achtfach-Foldout-Cover, zeigt eine alte Truppe mit neuem Material. Lowe selbst meint »This is a cool album, maybe the last we will ask you to support«. Na, na, sowas sagt man nicht, wenn man ein dermaßen starkes Zitat ganz oben in der Werbung stehen hat.
Zumal die Schlussworte des Promozettels doch eher Anlass geben, optimistisch in die Zukunft zu schauen: »We WaS but we still IS...«
Line-up:
James Lowe (vocals, guitar, harmonica, autoharp)
Mark Tullin (vocals, bass, guitar, organ, piano)
Steve Kara (guitar, vocals)
Jay Dean (guitar, vocals)
Ken Eros (guitar, ebow, mellotron)
Ken Williams (guitar)
Cameron Lowe - organ)
Walter Garces (drums)
Joe Dooley (drums)
Bubu Bop (drums)
Michael Weakley 'Quint' (drums)
| Tracklist |
01:Smokestack Lightning
02:TOKYO
03:Beauty Queen
04:Like Getting High
05:The Girl Who Crashed My Dream
06:Frozen Winter
07:Circles
08:Between The Cracks
09:Blue Sky / Red Dress
10:Love Fade Away
11:Bullet Thru The Backseat
12:Adoration Stuck
13:Hollywood Hype
14:Don't Sneeze On Me
15:Oh My My
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