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Bei wunderschönem Sommerwetter am Nachmittag ist eine dunkle Höhle im Sauerland eigentlich kein besonders einladender Ort um Rockmusik live zu erleben - oder gerade doch? Jedenfalls bildet sich am Eingang der größten Kulturhöhle Europas, der Balver Höhle, bei gut 30 Grad und strahlendem Sonnenschein eine lange Schlange und das Kassenhäuschen ziert jenes Schild, das Veranstalterherzen stets höher schlagen läßt: Ausverkauft!. Gut 1400 teils weit angereiste Fans wollen bei der bereits 6. Auflage vom German-Kultrock-Festival live dabei sein. Ein Indoor-Festival, welches unter den Fans mittlerweile Kultstatus erreicht hat. Kein Wunder, denn die Organisatoren
Guido Simm und
Klaus Walz haben auch diesmal wieder ein Programm zusammengestellt, welches Rockfans genüsslich mit der Zunge schnalzen lässt.
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Die Newcomer
Norwaytonorway aus Osnabrück starten den Rockreigen am Nachmittag und sorgen nach kurzem Warm-up bereits für beste Stimmung in der ebenerdigen Höhle. Vom Classic-, Blues- und Hardrocksound der 70er geleitet, entern danach
Zodiac aus dem Münsterland die Bühne im dunklen Eingangsbereich der Grotte.
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Mit druckvoll melodischem Gitarrenrock lässt es das Quartett richtig krachen, was von den Fans mit viel Applaus honoriert wird. Die Band hat im Frühjahr ihr drittes hörenswertes Album ("Live 2014") veröffentlicht und wird mit ihrer unbändigen Spielfreude künftig noch eine große Fanbase um sich scharen - die Liveüberraschung des Festivals!
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Eine wahre Gitarrenwand lässt im Anschluss die Höhle erzittern und viele Fans fast erschrocken zusammenzucken. Ex-
Scorpions Gitarrenaltmaestro
Uli Jon Roth gibt sich voll Charisma die Ehre. Begleitet von teils bis zu vier weiteren Guitarplayern ist der Sound im ersten Teil seines Sets plötzlich so laut ausgesteuert, dass die meisten Besucher vor der Bühne umgehend zu Ohrstöpseln greifen müssen, oder aber fluchtartig nach draußen strömen.
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Richtig stimmungsvoll und soundmäßig optimal hörbar ist sein gut achtzigminütiger Gig erst in der zweiten Hälfte. Musikalisch kehrt
Mr. Roth nun ganz zu seiner wohl erfolgreichsten Zeit mit den legendären
Scorpions zurück. Virtuos von der bestens eingespielten Band begleitet, spielt der Gitarrero voll Wonne mehrere einfühlsame Balladen seiner aktuellen
Scorpions-Anniversary-Tour. Einige Songs kommen dabei unverwechselbar fast im Originalgewand daher, andere werden gefühlvoll vom ihm neu interpretiert. Und plötzlich werden nostalgische Erinnerungen an eine ganz andere Rockzeit wach.
Ulis markanter Gitarrensound vom Feinsten sorgt zu Recht für Standing-Ovations unter den vielen dichtgedrängten Fans vor der Bühne.
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Mit großer Freude und Spannung erwartet, kommt nach kurzer Umbaupause unter großem Applaus eine Band in die Höhle, zu der das Label 'German-Kultrock' absolut nicht passen will - und doch fügt sie sich ungeheuer gut in das Line-up des Abends. Die Rede ist von
Tito & Tarantula. Wer kennt ihn nicht, den Song "Titty Twister" aus
Quentin Tarantinos "From Dusk Till Dawn"? Doch das ist natürlich längst nicht alles, was Sänger, Gitarrist und Leader
Tito Larriva aus Mexiko und seine Band drauf haben.
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Den gesamten Gig über schwappt von ihnen ein absolut cooler Groove und reichlich gute Laune unmittelbar auf die hellauf begeisterten Fans in der großen Höhle rüber.
Titos Gesang und Gitarrenspiel kommen dabei unglaublich gefühlvoll auf den Punkt. Dazu spielt neben ihm seine Tochter
Lolita Carroll ihren Bass mit solch beispielloser Freude und Inbrunst, dass oft nur Staunen übrigbleibt. Feinster Blues Rock für Hirn und Beine. Wie oft bei ihren Konzerten bittet die Band beim Song "After Dark" auch in Balve wieder etliche Leute aus dem Publikum, mit ihnen zu grooven und zu spielen - ein schönes kleines Sahnehäubchen für die Fans. Eine Band, deren Sound und Ausstrahlung live jeden sofort in ihren Bann zieht - cooler geht kaum!
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Seit knapp 45 Jahren live on Stage und augenscheinlich kein bißchen müde sind
Peter Panka's Jane. Mittlerweile ist ihr regelmäßiger Auftritt beim ausverkauften German-Kultrockfestival so etwas wie ein Heimspiel für sie und ihre vielen Fans geworden. Die Band mit Bassist, Stimmakrobat und Mitgründer
Charly Maucher, Sänger und Gitarrist
Klaus Walz,
Fritz Randow als 'Tier' am Schlagzeug sowie
Niklas Turman als zweitem Gitarristen und
Corvin Bahn an den Keyboards präsentiert sich an diesem Abend wieder in absoluter Bestform.
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Vom überraschenden Opener "Early In The Morning" bis zur letzten Zugabe liefert das Quintett eine grandiose Rockshow ab, die mit dem Begriff 'Gesamtkunstwerk' wohl am trefflichsten betitelt ist und keine Wünsche offenläßt. Mal melodiös verspielt wie im fast 20-minütigen "Windows/Spain", oder virtuos rockig wie bei "Hangman":
Jane errichtet an diesem Abend eine perfekte Soundwand, die unerbittlich auf ihre vielen Fans herunterprasselt. Feuerzeugleuchten, Luftgitarren, Tanzen und Szenenapplaus sind die passende Antwort. Wer - wie die meisten Fans -
Jane-Konzerte schon öfter erlebt hat, kommt um die angenehme Erkenntnis nicht herum, dass sich die Band sehr zur Freude ihrer großen Fanbase mit der Balve 2015-Show noch mal gesteigert hat! Unter dem aktuellen Tourmotto 'The Last Time' können sie so gern noch viele weitere Jahre spielen.
An dieser Stelle auch unser Dank für die gute Betreuung an die Veranstalter. Es war mal wieder ein perfektes Kult-Rockfestival in wahrlich einzigartiger Location! Etwas Wehmut am Ende und auch Vorfreude auf eine Neuauflage im kommenden Jahr geben sich einander die Hand.