Go Music / 09.10.2013, Stradivari, Kempen
Go Music Go Music-Session
Kempen, Stradivari
09. Oktober 2013
Stil: Rock, Blues
Konzertbericht

Artikel vom 16.10.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Go Music Bei der Go Music-Session spielte die Musi im Oktober 2013 weder im Bierzelt noch waren die Musiker in bajuwarischen Trachten gekleidet. Das sehr gemütliche Stradivari in Kempen war für RockTimes ein neuer Veranstaltungsort. Hier haben seit Jahren schon unzählige Bands auf der Bühne gestanden und davor für mächtige Stimmung gesorgt. Die Bedienungen waren emsig wie die Bienen und auf ihre freundliche Art immer zur richtigen Zeit mit einem neuen Getränk zur Stelle. Da konnte man überhaupt nicht meckern. Perfekt! Der Organisator der Konzertreihe Martin Engelien hatte wieder einmal ein pfundiges Line-up versammelt. Selbst der Sound war bei bester Laune und die vier Akteure sorgten mit ihrer handgemachten Musik für vorzügliche Stimmung bei den Zuschauern. Den Ausnahmegitarristen Dennis Hormes muss man wohl nicht mehr vorstellen. Den Sänger und Keyboarder des Abends wohl auch nicht. Bei Cherry Gehring, der ein Tom Petty & The Heartbreakers-T-Shirt trug, reichen schon drei Buchstaben, um seine musikalische Herkunft zu bestimmen ... PUR. Im Zusammenhang mit dem viel beschäftigten niederländischen Schlagzeuger Berni Bovens bringt man unter anderem Namen wie Die Fantastischen Vier, Toots Tielemans, Lee Towers, Umberto Tozzi oder Zucchero in Verbindung. Dieses breit gefächerte Feld von Künstlern drückte sich auch in seinem Spiel aus. Dazu aber an anderer Stelle mehr.
Go MusicDie über zwei Stunden Livemusik waren ein mit goldglänzenden Regentropfen versehener herbstlicher Höhenflug. Das Quartett spielte quasi die Bühnenecken rund und befand sich dabei immer auf Tuchfühlung sowie am Puls des Publikums. Die Go Music lebte nicht nur von einer wieder einmal sehr gut ausgewählten Setlist, sondern darüber hinaus besonders auch von den zahllosen Soli, die es zu bewundern gab. Schon mit dem instrumentalen Opener "Trust" setzte man die Messlatte hoch an. Der Gitarrist legte direkt mit einer richtig heftigen Standortbestimmung seiner akrobatischen Fretboard-Künste ohne Netz und doppelten Boden los. Auf meinem Notizzettel stand plötzlich Dennis 'Heavy' Hormes. Cherry Gehrings Finger tanzten virtuos über die schwarzen und weißen Tasten seiner beiden Arbeitsgeräte und was Berni Bovens drauf hatte, raubte einem schon zu Beginn den Atem. Man hat selten ein so differenziertes, mit wunderschönen Jazz-Abwandlungen ausgestattetes Drumsolo gehört. Nachher setzte er auch noch alle Bauteile seines Schlagzeugs zur begeisternden Klangerzeugung ein. Hammer! Ein Hammer war auch Martin Engeliens Alleingang, bei dem er die Zuschauer dazu einlud, ihn fast bis ans Ende des Universums zu begleiten. Wahnsinn!
Go MusicNicht nur bei Berni Bovens folgte ein Paukenschlag nach dem anderen. Das erste Lied und sozusagen Leitmotiv für den Gig mit einem souverän singenden, auch dadurch die gute Laune anheizenden Cherry Gehring war "Don't Stop" von Fleetwood Mac aus ihrem Erfolgsalbum Rumours. Der PUR-Mann war gleichzeitig Stimmungskanone und Animateur. Er brachte ein ums andere Mal, zum Ausgleich für die körperlichen Klatsch-Aktivitäten bei den Anwesenden auch die Stimmbänder in Aktion. Ein Song von
Gary Moore war, wie Martin Engelien meinte, die Initialzündung für Dennis Hormes' sowie Cherry Gehrings Liebe zum Blues. "Cold Day In Hell" wurde zu einem sehr persönlich ausgeschmückten Stück für die beiden gerade genannten Künstler, die in ihren extrovertierten Soli zeigten, wie tief der 12-Takter in deren Seelen verankert war. Das Konzert hatte viele Farben, aber vom Blues Rock zum Soul war dann schon ein ergreifender Schwarz-weiß-Kontrast, der es in sich hatte.
Go MusicEin Klassiker, unter anderem von Marvin Gaye bekannt, kreiste wunderschön schwebend durch das Stradivari. Cherry Gehring war mit fantasievollen Modulationen um das Songthema von "I Heard It Through The Grapevine" zur Stelle, wobei Dennis Hormes immer wieder die so bekannten Riffs des Liedes einstreute. Hammer! Er selbst offenbarte sich dann als Gitarrist auf Samtpfoten. Der Titel des Lenny Kravitz-Stücks "Fly Away" war Funk Rock in einer höllisch explosiven Go Music-Verpackung und beinhaltete ein Zwiegespräch zwischen dem Flugkapitän Martin Engelien sowie Kopilot Dennis Hormes, der auf alle gestellten, tieftönigen Fragen die passende Antwort hatte. Puh, durchatmen ... Pause! Danach gab es einen weiteren Abstecher in die Geschichte toller Musik. Mit einer herrlichen Cherry Gehring-Einleitung brachte der Keyboarder "How Long" von Ace auf den Weg der Freude. Dennis Hormes spielte sein Arbeitsgerät, als hätte es ganze zwölf Saiten und mit Robert Palmers Klassiker "Addicted To Love" malte das Quartett einen strahlenden Rock-Himmel an die Decke. Die Reise in die Vergangenheit und zurück in die Go Music-Zukunft hatte mit "Silent Running" (Mike & The Mechanics) einen weiteren Höhepunkt. Cherry Gehring war ein fantastischer Sänger und ohne sich lange vor den Schminkspiegel zu setzen, hatten alle vier Musiker eine virtuelle Rock'n'Roll-Haartolle auf dem Haupt. "Hot Legs" wurde mit scharfen musikalischen Krallen versehen und die Zylinder konnten dann auch noch durch einen geografischen "Route 66"-Abstecher aufgebohrt werden. Bei dieser Interpretation standen die Rolling Stones Pate. Beim Solo von Martin Engelien brannte kein Licht im Keller, sondern auf den Bünden seines Tieftöners.
Go MusicEine Nachrichtensperre wurde gerade nicht verhängt, als es um die "Message In A Bottle" von Police ging, sondern es war ein offenes Tagebuch aus Groove, Rock-/Prog-Gitarre, Reibeisen-Gesang sowie Sting-Bass-Kultur. Die News-Fülle der Combo nahm kein Ende und endete in einem kraftvollen "Power Of Love", im Original von Huey Lewis & The News. Nachdem der begeisterte Stradivari-Betreiber Werner alle Musiker persönlich lobte und jedem ein Geschenk überreichte, war die Zugabe in Form einer Power-Ballade angesagt. Zu Cherry Gehrings Komposition "Paris", das auf seinem in schwäbischer Mundart gesungen Album "Machs Laut, 'S Isch Stereo" zu finden ist, sorgten Besucher im Publikum mit sehr vielen Wunderkerzen für zusätzliche Stimmung. Wer bei dieser Go Music, Ausgabe Oktober 2013 nicht dabei war, hat echt etwas verpasst.
Wir danken Martin Engelien für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Martin Engelien (bass, backing vocals)
Cherry Gehring (keyboards, vocals)
Dennis Hormes (electric guitar, backing vocals)
Berni Bovens (drums)
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